“Das ist keine Tasche - Objekte der Alterität“, Skulptur/Installation Workshop – Ende des Arbeitsprozesses und finales Aussehen der Installation
Am Anfang des Projektes Kontext Labor Bernau 2015, als ich mich einer besonderen Aufgabe gegenübergestellt sah, habe ich mich wie Hans Haacke in Zagreb 1980 gefühlt. Wie kann ein ausländerischer Künstler etwas Wichtiges für einen lokalen Kontext sagen? Wie kann jemand, der die Sprache nicht gut benutzt, über die Geschichte von einem Ort (in diesem Fall das Heeresbekleidungsamt) sprechen? Die Antwort von Haacke in Zagreb war ganz ehrlich:
“Weil ich Kroatisch weder spreche noch schreibe und mir die sozio-politische Situation in Jugoslawien nicht ausreichend bekannt ist, kann ich kein Werk speziell für diese Ausstellung in Zagreb herstellen, wie ich anderswo Werke gemacht habe, die auf eine bestimmte Situation abzielten.“ * Hans Haacke
Galerija suvremene umjetnosti Zagreb 18. 1 — 7. 2. 1980.
Mit ähnlichen Grundsätzen habe ich über etwas, das als lokal für Bernau, für Berlin und für fast überall verstanden werden könnte, nachgedacht. Über etwas, das sozusagen „gobal – lokal“ ist. In der Zeit der größten Migration in der neuesten Geschichte trägt ein ganz alltägliches, übliches Objekt große Symbolik.
Türkenkoffer? Polenkoffer? Russenkoffer? Tschuschenkoffer? ................Ikea?
Diese Taschen wurden als physische und metaphorische Materialen benutzt.
Durch einen intensiven Denkprozess und kreatives Arbeiten im Rahmen von etwa zwei Wochen haben wir gemeinsam eine komplexe Installation entwickelt. Sechs Teilnehmer_innen sind, jede_r auf seine/ihre eigene Art und Rhythmus, zu verschiedenen Lösungen gekommen. Anfang des Prozesses war meistens eine Zeichnung von einem Symbol, das für den/die Teilnehmer_in wichtig ist. Dann haben wir die geometrische Gestalt als 3D-Modell gebaut. Nächster Schritt war das Erstellen der Skulptur, wobei die Plastiktasche als Hauptmaterial verwendet wurde - am Ende war der Raum mit 10 Skupturen gefüllt. Manchmal sind diese Formen ganz einfach (z.B. „Steintor“ - Stephan Schmidl), manchmal sind sie eine Welt für sich („Puppenhaus“, Solweig Marcos). Das Generieren von diesen Symbolen kann, in meiner Analyse, in zwei Gruppen eingeteilt werden. Eine Gruppe sind die Symbole, die eine Zugehörigkeit zu einem Ort darstellen (z.B. „Steintor“ als Symbol von Bernau- Stephan Schmidl oder „Fernsehturm“ als Symbol von Berlin – Maria Noeske), die andere Gruppe sind die Symbole, die über persönliche, emotive und traumatische Erfahrungen sprechen (z.B. „Schatzkiste“ – Maria Reimann Rath; „Puppenhaus“ – Solweig Marcos). Ein Teil der Installation war auch der Beitrag der Besucher, denn das Publikum wurde mehmals gebeten, eine schriftliche Antwort auf die Frage: „Das ist keine Tasche, was ist das dann?“ zu geben. Dabei herausgekommen sind interessante, durchdachte, manchmal witzige Stichworte und Geschichten. Eine Auswahl von ihnen wurde als Wandzeichnung vorgestellt.
Besonderer Dank geht an: Stephan, Solweig, Maria, Maria, Renate, Veronika, Isabella.
* Budući da ne govorim i ne čitam hrvatski, a ne poznajem dovoljno ni društveno-političku situaciju u Jugoslaviji — ne mogu izvesti poseban rad za ovu izložbu u Zagrebu, kao što sam drugdje izveo radove primjerene specifičnim okolnostima. Hans Haacke
(Hans Haacke, Katalog, Redakteur Davor Matičević, Grafički zavod Hrvatske, Zagreb, 1980)












