âUnd vielleicht besteht darin das GlĂŒck: sich anzufreunden mit dem, was man ist.â
â Die Geschichte der Baltimores, JoĂ«l Dicker (via honigimohr)
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Kiana Khansmith

if i look back, i am lost
I'd rather be in outer space đž
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@handstand-und-verwirrt
âUnd vielleicht besteht darin das GlĂŒck: sich anzufreunden mit dem, was man ist.â
â Die Geschichte der Baltimores, JoĂ«l Dicker (via honigimohr)
Was Therapie fĂŒr mich ist
Ich sage dir, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass es einfacher ist mit jemand âfremdenâ zu reden
Und ich kann dir sagen warum
Zum einen ist er nun mal fremd
Er gehört nicht zur Familie, also hört er nur deine Geschichte und hilft dir deinen Schmerz zu lindern
Zum andern, er gehört nicht zur Familie oder engeren Umkreis
Er kann nicht âlĂ€sternâ, schon alleine Weil er Schweigepflicht hat
Er nimmt alles so wertfrei wie möglich auf und hilft selbst DenkanstöĂe zu finden und Dinge zu Ă€ndern
AuĂerdem ist er der Psychologe
Ihn darf man mit Last, mit Gedanken, mit Wut und Schmerz regelrecht bewerfen, das dauert natĂŒrlich paar Sitzungen, aber wenn es soweit ist, befreit es einen von unterdrĂŒckten GefĂŒhlen und man kann aufatmen
Man hinterlÀsst keine Last beim engeren Umfeld
Zudem nimmt er einen Ernst
Egal was man sagt, wie dumm es auch klingen mag
Man darf alles sagen, egal wie egoistisch es ist, egal wie dumm und naiv es ist
Man darf man selbst sein und seine Fassade fallen lassen
AuĂerdem kann man seinen GefĂŒhlen freien Lauf lassen, sagen wenn es einem scheiĂe geht, man darf schreien, weinen, in Panikattacke verfallen oder WutanfĂ€lle bekommen
Ihn schreckt nichts ab
Er macht einen klar, wie schlimm es ist, an welcher âstelleâ man steht, hilft Dinge anzunehmen
Man denkt nach ĂŒber das Gesagte
Sehr viel und macht sich Gedanken ĂŒber Lösungen
Er degradiert nichts und stellt deinen eigenen Schmerz auf die richtige Stelle der Waage
Man muss nichts, man darf gehen, man darf schweigen und alles andere
Es war die beste Entscheidung meines Lebens, nach meinem Partner
Und bin froh, dass ich das ein Jahr schon mache
Es waren kleine Fortschritte, ja
Aber es waren welche
Und er hat mich gelehrt, dass jeder einzige Fortschritt, was Tolles ist, worauf ich stolz sein kann.
~ Text an meine kleine Schwester â€ïž
Depressionen
Ja, Depressionen hauen rein. Und zwar ziemlich.
Sie schmerzen im Herzen, im Kopf, in der SeeleâŠeigentlich im ganzen Körper.
Bei mir treten sie seit 2015 auf; das sind jetzt 4,5 Jahre. Meistens habe ich monatelang Ruhe und dann ganz plötzlich âohne bestimmten Grund- kommen sie und bleiben fĂŒr Wochen. Ungebetene GĂ€ste, die hinter meiner SchlĂ€fe in meinen Gehirnwindungen sitzen. Es sind Tiere aus der Schattenwelt. In der Psychologie heiĂt mein ungebetener Gast Rezidivierende depressive Störung.
Das Aufstehen als solches fĂ€llt mir nicht sonderlich leicht (auch in der âgesunden Zeitâ bin ich kein Morgenmensch), aber dann bin ich stĂ€ndig mĂŒde. Ich kann mich nicht dazu aufraffen zu lesen, schaue stattdessen stundenlang YouTube. Ich bin unglaublich schnell genervt und deprimiert, aufgekratzt und angepisst. Der bloĂe Gedanke daran Menschen zu sehen und mit ihnen zu sprechen, macht mich schon fertig. In jeder Beziehung, die ich habe (freundschaftliche, familiĂ€re, romantischeâŠegal) sehe ich das schlechteste und denke von jedem, dass er mich hasst, verabscheut und bei der nĂ€chstbesten Gelegenheit loswerden möchte.
Ich will mich einfach nur an einem Ort verkriechen, an dem ich alleine binâŠzugleich aber durste ich nach körperlicher NĂ€he, wie sonst kaum. Ich sehne mich danach gehalten zu werden, wĂ€hrend ich zugleich daran denke jetzt und hier hintergegangen worden zu sein. Das ist wahnsinnig beschissen.
Diese Zerrissenheit macht mich fertig.
An vielen, wenn nicht sogar allen, Tagen in dieser depressiven Episode stehe ich immer kurz vor dem Weinen. Ein falscher Gedanke und ich heule fĂŒr Stunden, wegen Nichtigkeiten.
An einigen fĂŒhle ich aber auch gar nichts und muss mĂŒhsam um jedes LĂ€cheln, jede Freundlichkeit, jede Gesichtsregung kĂ€mpfen.
Beides ist hÀufig nicht auszuhalten.
Ich fĂŒhle mich nicht leer, nicht immer jedenfalls. Es ist ein Auf und Ab zwischen zu vielen Emotionen und zu wenigenâŠund manchmal ist da dann ein Lichtblick in diesen dĂŒsteren Tagen. Manchmal schaffe ich es mich daran zu erinnern, wie es davor warâŠwie glĂŒcklich ich sonst immer bin, wie sehr ich mich auf das Leben freuen kannâŠund dann kann ich nochmal durchhalten, bis zum Ende dieser EpisodeâŠoder erstmal nur bis zum nĂ€chsten Tag, bis zur nĂ€chsten Woche âdas reicht.
Dann irgendwann geht es bergauf.
[09.08.2019]
RealitÀt
RealitĂ€t. Was ist das eigentlich fĂŒr ein eigenartig konfuses abgefahrenes Konstrukt? Wenn real ist, was jetzt und hier ist, warum nehme ich die Welt vor einer Woche anders wahr als jetzt. Wieso verĂ€ndert sich mein Empfinden, mein GefĂŒhl zu dem was mich umgibt, wenn es doch immer gleich bleibt? Denke ich nur, ich nehme es anders wahr? Werde ich gedacht? Habe ich Einflusz auf meine Gedanken und wenn ja, wie und welchen? Sind wir Menschen tatsĂ€chlich so komplexe Wesen? Entscheide ich darĂŒber, was real ist oder wer tut das? Wenn real gleich Subjekt ist, also alles was ich anfassen, sehen, riechen, fĂŒhlen, schmecken, mit meinen Sinnen wahrnehmen kann, wieso sollte es dann nur eine RealitĂ€t geben? Die ist doch dann so vielfĂ€ltig wie wir Menschen sind - weil jeder unterschiedlich wahrnimmt. Mal ganz abgesehen von den Sinnen, die nicht subjektiv sind. Also Ahnung, Intuition und dergleichen. So leben wir alle in verschiedenen RealitĂ€ten, letztlich in völlig voneinander mehr oder weniger getrennten Welten. Getrennt durch die Wahrnehmung, durch das Denken und FĂŒhlen, all das was uns zu Menschen, zu sensitiven und auch mitfĂŒhlenden Wesen macht. Wie mag es mir dann gelingen, Verbindung aufzubauen, wenn ich mir selbst in dieser individuellen RealitĂ€t doch so unsicher bin? Wie kann ich eine Absicht langfristig verfolgen, wenn sich mein GefĂŒhl und meine Gedanken bezĂŒglich der eigentlich manifestiert scheinenden Umgebungsaspekte stetig Ă€ndern - manchmal stĂŒndlich? Wie soll ich mich so sicher fĂŒhlen? Woran kann ich mich festhalten?Â