Hasspropaganda ist Gift für die Demokratie. Stoppt Hasspropaganda! Infos dazu auf dieser Website in der Menü-Liste direkt unter diesen Zeilen und im Blog.
"Silencing" oder Einschüchterung im Netz bezieht sich auf verschiedene Strategien, die darauf abzielen, die Meinungsäußerung oder das Engagement von Individuen oder Gruppen zu unterdrücken. Dies kann durch Drohungen, Belästigung, Mobbing oder andere Formen von Druck geschehen, die Menschen dazu bringen, sich nicht zu äußern oder ihre Ansichten zurückzuhalten.
Hass im Netz fördert Silencing
Solche Taktiken sind häufig in Online-Foren, sozialen Medien und Kommentarbereichen zu beobachten, wo Anonymität es den Tätern erleichtert, aggressive oder einschüchternde Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Die Auswirkungen von "silencing" können erheblich sein, da sie nicht nur die betroffenen Individuen, sondern auch die allgemeine Diskussionskultur und den Austausch von Ideen im Internet beeinträchtigen.
Hier gibts mehr zum Thema Silencing und Einschüchterung im Netz.
Das Landgericht Berlin verwechselt übelste Beleidigungen mit sachbezogener Kritik. Die Justiz kann, ja, muss die Freiheit besser schützen.
Ein Kommentar von Jochen Bittner auf “Zeit Online” zum skandalösen Urteil des Landgerichts Berlin, das vor kurzem zum Schluss kam, es sei keine Beleidigung, die Grünen-Politikerin Renate Künast als "Stück Scheiße" zu beschimpfen, und die Bezeichnung "Sondermüll" als "sachbezogene Kritik" beurteilte.
Dieses Gericht hat offensichtlich nicht begriffen, wie zerstörerische Hasskommentare wirken können.
Alliance F, der Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, hat ein Projekt gestartet zur Eindämmung von Hassrede im Internet.
Das Pionierprojekt will einem spezifisch digitalen Problem mit einer Verbindung von technischen und zivilgesellschaftlichen Ansätzen begegnen. Durch den Aufbau einer sprachübergreifenden Freiwilligen-Community soll direkt in die von Hate Speech betroffenen Diskussionen eingegriffen werden.
Falschmeldungen könnten erstmals bei der Bundestagswahl eine große Rolle spielen. Insbesondere Populisten nutzen sie, um Wähler zu beeinflussen, sagt eine Expertin. Doch Rechte sind nicht die einzigen, die gezielt Halbwahrheiten verbreiten.
Ein informatives Interview mit Ingrid Brodnig, Autorin der Bücher “Hass im Netz” und “Lügen im Netz”.
“Corinna Milborn zu Hassbotschaften gegen Frauen im Internet.
Für viele Hassposter sind Frauen nicht satisfaktionsfähig. Sie werden in sexualisierter Form herabgewürdigt und zum Objekt gemacht. Das Opfer sexualisierter Gewalt sieht aus gesellschaftlichen Gründen die Schande bei sich. Deswegen wenden sich Frauen seltener an die Öffentlichkeit und ziehen sich zurück.”
EU-Parlamentspräsident Schulz fordert europäische Regelung gegen Fake News
Die ungehinderte Verbreitung von Fake News soll für Unternehmen wie Facebook hohe Strafen nach sich ziehen.
Wenn eine freiwillige Selbstverpflichtung nicht ausreiche, müsse "der Gesetzgeber tätig werden – und zwar nicht nur national, sondern europäisch", äusserte sich der SPD-Politiker gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er sei dafür, die Opfer zu schützen in einer strafbewehrten Form. Sogenannte Fake News sollten für Unternehmen wie Facebook "richtig teuer werden, wenn sie die Verbreitung nicht verhindern, sagte Schulz.
Quelle: derstandard.at
Konzerne wie Facebook und Twitter müssen die Verantwortung übernehmen für Hasskommentare und Falschmeldungen auf ihren Plattformen. Sie dürfen sich nicht auf den bequemen Standpunkt zurückziehen, dass sie ja nur Informationen vermitteln, die nicht von ihnen stammen. Hasskommentare und Falschmeldungen sind wie Waffen. Wer eine Waffe zum Tatort trägt, ohne dort selber zu schiessen, hängt auch mit drin. Facebook und Twitter machen Geschäfte mit dem Transport von Hasskommentaren und Falschmeldungen. Also sollen sie sich auch um die zum Teil brutalen Folgen kümmern, die diese Produkte haben können.
Der Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin regt Islamisten auf Facebook zur Relativierung und sogar zur Unterstützung an. Das geschieht auch auf Facebook-Seiten, die öffentlich einsehbar sind.
Marcel Leubecher berichtet darüber auf N24.de.
Er zitiert den CDU-Politiker Felix Leidecker, der sich seit Monaten mit islamistischen Umtrieben im Internet beschäftigt:
“Wir diskutieren viel über Hate Speech im Internet, wenn sie vom rechten Rand kommt. Vor Hate Speech vom islamischen Rand verschließen die Verantwortlichen rund um Justizminister Heiko Maas (SPD) leider die Augen."
Leidecker, der auch Kreisvorsitzender der Jungen Union Mainz ist, sagt weiter:
"Das Problem sind nicht nur die wenigen, die tatsächlich Menschen töten, sondern die Ideologie des radikalen Islam, die Andersgläubige als weniger wertvoll betrachtet und ihre Unterwerfung und Terrorisierung legitimiert."
Widerstand sei nötig gegen die, die pöbeln und agitieren, schreibt Martina Fietz auf focus.de.
Im Internet zeige sich eine Hemmungslosigkeit und Skrupellosigkeit, die fassungslos mache. Jeder Anstand scheine verloren.
“Natürlich sind Hetze und Aggression so alt wie die Menschheit. Mit Hilfe der neuen Kommunikationswege aber sind sie spielend hunderttausendfach geteilt, finden sie in Windeseile Zustimmung und schaffen eine Stimmung voller Konfrontation.
Und das alles, ohne dass irgendeiner die eigenen vier Wände verlassen müsste. Gleichgesinnte muss man nicht suchen oder gar pflegen. Sie werden frei Haus geliefert, ohne dass sich die wahren Beweggründe jedes einzelnen ergründen ließen. Masse macht nicht nur gemein, sondern auch stark. Anonyme Masse verhilft offenkundig zu einem Machtpotential, an das die, die sich daran ergötzen, im wirklichen Leben nicht denken können.”
Das Phänomen an sich sei besorgniserregend. Fietz stellt die Frage, ob es auf eine Destabilisierung des gesellschaftlichen Zusammenhalts angelegt sei.
Es bleibe nur die Hoffnung, dass die Zahl der mündigen Bürger, die sich breit informiere und die Seriosität von Nachrichten einzuschätzen wisse, nicht zu sehr schrumpfe, angesichts einer sich immer breiter auffächernden Informationslandschaft und der Tendenz, zunehmend solche Quellen zu nutzen, die den eigenen Standpunkt bedienen.
“Der Gesetzgeber mag sich Maßnahmen ausdenken, um die Betreiber von Internetplattformen zu verpflichten, so genannte Fake News zu löschen.”
Das sei aber kein einfaches Unterfangen, wie die Beharrungskräfte globaler Unternehmen wie Facebook zeigten.
Es werde also darauf ankommen, denjenigen, die am lautesten pöbeln und am dreistesten agitieren, Paroli zu bieten:
“Es gilt, die Demokratie zu verteidigen.”
Quelle: focus.de
Was Martina Fietz in ihrem Artikel leider nicht bietet sind konkrete Vorschläge, wie dieses Paroli bieten aussehen könnte. Nötig wäre hierzu meines Erachtens die Vernetzung von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die dazu eine Strategie entwickeln würden.
Und ja: Drohungen und Hassmails zielen auf die Destabilisierung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Thomas Purwin aus dem münsterländischen Bocholt erinnert sich noch ganz genau daran, wie er im Oktober in seinem Postfach die E-Mail mit dem Absender ´Adolf Hitler´ öffnete. ´Das war ein echter Schockmoment´, sagt der nun ehemalige Chef der lokalen SPD. Die Nachricht war die erste einer ganzen Reihe von Hassmails, die anonyme Schreiber dem 35-jährige Ex-Kommunalpolitiker schickten.
Für den Standesbeamten der Stadt Bocholt war allerdings erst eine Grenze überschritten, als die Hassmailschreiber nicht nur ihm, sondern auch seiner Lebensgefährtin und seiner kleinen Tochter aufs Übelste drohten. Daraufhin trat er zum Schutz seiner Familie von seinem politischen Ehrenamt zurück.
Purwin ist kein Einzelfall. Politikerinnen und Politiker berichten gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik von Beleidigungen und Bedrohungen, die sie fast täglich per Post, E-Mail oder über Soziale Netzwerke wie Facebook bekommen.
Professor Oliver Zöllner ist Leiter des Instituts für Digitale Ethik in Stuttgart. Er sagt, gerade Politiker würden im Netz durch ihre relative Prominenz schnell zu einer Zielscheibe: "Dazu kommt - das hat uns der US-Wahlkampf gezeigt - dass es einen Hass auf vermeintliche Eliten und Funktionsträger gibt."
Um die Bedrohung von Kommunalpolitikern wirksamer verfolgen und bestrafen zu können, verlangt der Städte- und Gemeindebund NRW, "Politiker-Stalking", bei dem Mandatsträger bedroht und eingeschüchtert werden, zu einem Straftatbestand zu machen. Hauptgeschäftsführer Bernd Jürgen Schneider sagt dazu:
"Wenn es uns nicht gelingt, die Menschen zu schützen, die sich vor Ort für die lokale Demokratie und ein funktionierendes Gemeinwesen einsetzen, gefährden wir die demokratische Kultur in unserem Land.”
Quelle: focus.de
Die Handlungen und Entscheidungen von Politikerinnen und Politikern können jederzeit mit Argumenten kritisiert werden.
Drohungen sind eine ganz andere Kategorie. Sie untergraben die demokratische Kultur. Eine wehrhafte Demokratie muss deshalb Drohungen mit allen rechtlich zulässigen Mitteln bekämpfen und betroffene Politikerinnen und Politiker schützen. Hier muss nachgebessert werden.
Die dunkle Seite des Internets habe 2016 eine steile Karriere hingelegt, schreiben Eva Wolfangel und Gregor Honsel auf heise.de:
“Den Anfang machten hasserfüllte Kommentare oder Posts, dann folgten im Zuge des US-Wahlkampfs gefälschte Nachrichten. Was hilft gegen Hass und Lüge im Netz?”
Mit dieser Frage hat sich Zahed Amanullah vom Londoner Institute for Strategic Dialogue (ISD) intensiv auseinandergesetzt.
Mit Löschen komme man kaum hinterher, weil die Inhalte sich zu schnell verbreiten, sagt er.
Das ISD versucht es deshalb auf einem anderen Weg: Durch Gegenrede.
Die große Herausforderung sei dabei allerdings, Positionen gegen extremistische Haltungen und Unwahrheiten möglichst effizient zu verbreiten. Ohne Hilfe der großen US-amerikanischen Digitalunternehmen und deren Algorithmen sei das nahezu unmöglich, befand das ISD, und startete dazu ein Projekt. Seit März bekommen nun beispielsweise Facebook-Nutzer, die von einem Algorithmus als offen für problematische Inhalte erkannt wurden, Links zu korrigierenden Informationen in ihre Timeline gestellt.
In vier Monaten habe man damit 2,5 Millionen Nutzer in Deutschland, Frankreich und Großbritannien erreicht, sagt Erin Saltman vom ISD. Das sei eine grosse Zahl. Und “dank Targeting wissen wir, dass wir die richtigen Leute erreichen."
Ein ähnlich funktionierendes Projekt des ISD gibt es mit YouTube. Junge Nutzer, die sich in Google-Suchen als anfällig für IS-Propaganda gezeigt haben, bekommen dabei Videos von IS-Aussteigern präsentiert.
Ob das nicht Manipulation sei, wenn auch für einen guten Zweck, fragen die Autoren. Amanullah sagt dazu: "Wir tun nur das, was die Marketingindustrie auch macht.”
Quelle: heise.de
Interessante Strategie. Zwei Punkte scheinen mir aber wichtig:
1. Den Aufwand für diese Gegenstrategie müssen die Konzerne wie Facebook, Twitter und YouTube tragen. Sie verdienen am Hass, also sollen sie auch die Gegenstrategien finanzieren. Es wäre unverständlich, wenn sie sowohl mit dem Hass als auch mit den Gegenstrategien Geld verdienen.
2. Ob diese Gegenstrategie wirklich zu Verhaltensänderungen führt, müssten unabhängige Untersuchungen noch belegen. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Impfgegner ihre Meinung nicht unbedingt revidieren, wenn sie mit Informationen zum Nutzen der Impfungen konfrontiert werden. Manchmal verhärtet sich die Ablehnung sogar noch. Es braucht viel Glaubwürdigkeit und Wiederholung, damit eine Information, die dem eigenen Weltbild widerspricht, aufgenommen wird.
SPD-Chef Thomas Purwin im münsterländischen Bocholt muss schon seit längerem üble Beschimpfungen ertragen. Doch nun richten sich die Hass-Mails auch gegen seine Lebenspartnerin und ihre gemeinsame kleine Tochter. Der Politiker tritt deshalb zurück. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.
Die Verfasser der Hass-Mails hätten "eine Grenze überschritten, teilte Purwin mit. Als Familienvater könne er das "auf keinen Fall hinnehmen" und ziehe sich deshalb "schweren Herzens aktuell aus der Bocholter Lokalpolitik" zurück.
Purwin ist Leiter des Standesamts der Stadt Bocholt.
Er habe gelernt, mit den Mails gegen ihn umzugehen, erklärte der SPD-Politiker. Die Hass-Mails richteten sich nun aber "gegen meine Lebensgefährtin und insbesondere gegen meine Tochter, der man das Übelste wünscht".
André Stinka, der Generalsekretär der NRW-SPD, nannte die erneuten Drohungen und Hass-Mails beschämend: "Sie richten sich gegen alle Demokratinnen und Demokraten." Die Partei respektiere Purwins sehr persönliche Entscheidung, auch wenn sie diesen Schritt sehr bedauere. Die Täter müssten schnell identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Stinka.
Auch FDP-Chef Christian Lindner äusserte sich zum Rücktritt Purwins: "Es ist schrecklich, dass wir so weit sind, dass Politiker, die für die Demokratie tätig sein wollen, sich nicht nur mit Herabwürdigung konfrontiert sehen, sondern sogar um ihr Leben fürchten müssen."
Purwin und andere Bocholter Kommunalpolitiker hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Hassmails hauptsächlich mit fremdenfeindlichem Charakter erhalten.
Bereits im Oktober hatte Purwin nach einer Welle von Beschimpfungen per Mail und bei Facebook einen Parteitag der Bocholter abgesagt.
Quelle: rp-online.de
Drohungen gegen Andersdenkende sind Gift für die Demokratie.
Demokratie lebt davon, dass Standpunkte und Argumente ausgetauscht werden können, Wer mit Gewaltdrohungen und Beschimpfungen andere einzuschüchtern versucht, ist ein Feind der Demokratie und muss zur Verantwortung gezogen werden.
Die Justiz, asoziale Medien wie Facebook und Twitter, aber auch der demokratisch gesinnte Teil der Zivilgesellschaft sollten dieses Problem sehr viel ernster nehmen.
Der Aargauer FDP-Ständerat Philipp Müller ist Zielscheibe übler Hetze auf Facebook. «Weltwoche»-Chef Roger Köppel streitet Zusammenhang mit seiner Müller-Attacke ab.
Köppel zündelt und stachelt an, um sich dann von Gewaltandrohungen zu distanzieren. Das ist unglaubwürdig. Warum ist SVP-Nationalrat Köppel nicht in der Lage, seine Kritik an der Politik Phillip Müllers sachlich und argumentativ zu formulieren? Sicher ist wohl, dass ein polemischer Stil mehr Leser bringt.
Matthias Meisner beschreibt auf zeit.de, wie lasch Strafverfolgungsbehörden, Facebook und Twitter mit Hetze und Gewaltdrohungen im Internet umgehen.
Er schildert die Erfahrungen des Grünen-Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu, der im Internet und auf Facebook und Twitter üblen Beschimpfungen und Drohungen ausgesetzt ist.
Quelle: zeit.de
Das muss sich ändern. Hetze und Gewaltandrohungen im Internet und insbesondere auf den asozialen Medien Facebook und Twitter stellen die Grundlagen der Demokratie in Frage. Strafverfolgungsbehörden müssen solche Delikte konsequent ahnden und dazu mit den nötigen Ressourcen ausgestattet werden. Facebook und Twitter müssen gezwungen werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Geld zu verdienen mit der Verbreitung von Hass und Gewaltandrohungen, wie es zum Geschäftsmodell dieser Konzerne gehört, ist verwerflich und sollte juristisch und gesellschaftlich geächtet und sanktioniert werden.