Back from the Outback | Australien Teil 4
Es ist Punkt 1:48 Uhr nachts - die Zeit, zu welcher mein Biorhythmus noch mal richtig Energie frei gibt. Gerade saß ich noch über der Bildbearbeitung für einen guten Kunden und da schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass der Australien-Abschlussbericht immer noch ein offener Posten ist. Da meine Heimkehr nun schon 6 Monate zurück liegt, wird es höchste Zeit, die Dinge noch mal Revue passieren zu lassen. Los geht´s: Weil die Farm nun doch nicht so prickelnd war und ich dort die meiste Zeit alleine mit Lawrence, einem ziemlich schrägen Vogel, von der Außenwelt abgeschnitten war, hatte ich die vorzeitige Abreise von dieser Tristesse in die Wege geleitet...
Rückblickend konnte mir nichts besseres passieren. Das neue Ziel war Cairns - eine Art Backpackerhauptstadt, zweieinhalb Stunden Inlandsflug von Melbourne entfernt. Schon am ersten Tag habe ich im Hostel einen Haufen toller Leute kennen gelernt und mit den neu gefunden Freunden die Umgebung erkundet. So ging es dann mit dem Schnellboot zum Schnorcheln ins Great Barrier Reef, auf Wasserfall-Tour durch den Daintree Regenwald und auf lange Wanderungen über die umliegenden Inseln. Nach einer Woche musste ich dann leider aus dem Hostel raus, weil die Zimmer schon ausgebucht waren.
Aber wieder mal hatte ich Glück, denn die neue Unterkunft, das Tropic Days Backpacker Hostel, war sogar noch besser... Noch mehr coole Leute, noch billiger und eine geschmeidige Atmosphäre. Wir waren den ganzen Tag mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigt: Billard spielen, im Pool treiben lassen, im ortsansässigen Spielcasino Geld anlegen und die Nächte im Tanzschuppen ausklingen lassen. Das hätte ewig so weiter gehen können... Doch dann kam mein treuer Zimmergenosse Lukas auf die Idee, einen Campervan zu mieten und ein paar tausend Kilometer ins Outback zu fahren. Ich dachte, das kann ja nicht schaden, wenn man schon mal hier ist. Ich muss zugeben, in den Nächten an allen möglichen Highway-Raststätten, auf einer unbequemen Pritsche in unserem Toyota, habe ich oft von einem richtigen Bett geträumt. Aber dieses ganz besondere Outback-Feeling von unendlicher Freiheit, hat die Strapazen locker wettgemacht.
Man hatte uns gewarnt, auf keinen Fall nachts zu fahren, weil dann ein Unfall mit einem Känguru vorprogrammiert ist. Die vielen toten Tiere am Straßenrand haben uns auch überzeugt, das zu unterlassen, obwohl unsere Reichweite dadurch sehr eingeschränkt wurde. An einer Raststätte konnten wir auch mal einen dieser Road Trains genauer inspizieren. Diese Straßenzüge sind ellenlange Überlandtransporter, die beim Vorbeifahren wie ein metallgewordenes Monster die Straße zum beben bringen und unseren kleinen Van jedes mal fast vom Highway geblasen haben. Unser Ziel war die Minenstadt Mount Isa. Angeblich die flächenmäßig größte Stadt auf unserem Planeten. Leider eine ziemlich trostlose Gegend. Sobald man das klimatisierte Auto verlässt, schlägt einem eine Wand aus glühend heißer Luft entgegen. Kein Wunder, dass die Selbstmordrate in diesem von Flachbauten und einem Industriekomplex dominierten Ort eine der höchsten in Australien ist. Ich war ganz froh, von dort aus die Rückreise Richtung Cairns mit einem Abstecher in die Küstenstadt Karumba anzutreten.
Laut Versicherungsbedingungen hätten wir mit dem Wagen gar nicht so weit ins Landesinnere fahren dürfen. Der Vermieter wurde dann auch echt stutzig, als er die vielen zerborstenen Insekten am Auto gesehen hat, die es nur draußen im Outback gab. Dass Lukas beim Abgabetermin auch noch sein "I love Mount Isa" T-shirt aus dem Fanshop im Stadtmusem an hatte, haben wir auch erst danach realisiert. Ist aber noch mal gut gegangen... Nach 8 Tagen, 2400 Kilometern und unzähligen Eindrücken, die ich bis heute noch nicht ganz verarbeitet habe, war unsere aufregende Tour schon wieder vorbei. Und langsam lief auch der Countdown zum Ende meiner Reise. Weil ich einen Teil meines Gepäcks aus Gewichtsgründen auf der Farm zurück gelassen hatte, musste ich irgendwann dahin zurück. Ich hatte deshalb der Farmerin noch ein paar Tage Arbeitseinsatz versprochen. Bis zu meinem Rückflug nach Melbourne konnte ich aber noch einige entspannte Tage mit der Truppe im Hostel verbringen. Diese Zeit vermisse ich am meisten... Zurück auf der Farm ging es noch mal richtig scharf. Für Peter, den sehr sympathischen Farmersohn, habe ich das Videoüberwachungssystem auf dem Gelände repariert und ordentlich aufpoliert. Er hat eine Computerfirma und wurde sofort hellhörig, als ich von meinem damaligen Job als Computersystemadministrator erzählte. In dem Bereich bekam ich dann entsprechend meiner Qualifikation noch weitere Aufträge. Außerdem hatte ich das Vergnügen mit Jeff, einem witzigen 120-Kilo-Hühne deutscher Abstammung, einen neuen Schuppen aufzubauen. Immer wenn Jeff los musste um Material zu holen, habe ich die Zeit für Schießübungen mit seiner Nagelpistole genutzt. Bis er dann noch mal los musste weil die Nägel alle waren...
Ich gebe zu, ich hatte schon irgendwie Heimweh und war froh nach der erlebnisreichen Zeit wieder in die Heimat zu fliegen. Am Abreisetag hatte ich mich zu einem Abschieds-Abendessen bei meiner ersten Gastfamilie eingeladen. Das war noch mal ein sehr schöner familiärer Moment inklusive gemeinsamer Fahrt zum Flughafen. Nun bin ich wieder hier und stelle so Einiges in Frage. Wenn man ein viertel Jahr mit einem Besitz, der komplett in einen 15 Kilogramm-Rucksack passt, wunderbar leben kann, gibt das schon zu denken...









