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@jaquiray
“To me it is really important to live in what I call the space in-between. Bus stations, trains, taxis or waiting rooms in airports are the best places because you are open to destiny, you are open to everything and anything can happen.”
— Marina Abramović
Ich wünschte mir, er könnte sich nur einen Tag mit meinen Augen sehen.
Julia Engelmann, Wunschliste (via wechselbad-der-gefuehle)
Manchmal scheint unsere kleine Welt hier wie so eine Seifenblase, weißt du, die fliegt höher, immer höher, bis sie dann platzt. Pass auf deine kleine Welt auf, lass sie nicht zerplatzen.
Jaquiray.tumblr.com
(Aus einem neuen Projekt von mir was ich vielleicht hier hochlade.)
And I realized that there’s a big difference between deciding to leave and knowing where to go.
Robyn Schneider (via quotefeeling)
Die Königin der Träume
(Hier ein Mal eine kleine anteasernde Kurzgeschichte für einige, spätere Projekte. Lasst euch einfach drauf ein. Es geht um Aribeth Zaccheus, eine Vampirin welche äußerlich sehr verrückt und durchgedreht ist, aber innerlich genau weiß was sie tut. Die ganze Geschichte ist ihr Leidensweg und Werdegang, vielleicht werde ich hier noch mehr veröffentlichen.)
Schon als Kind war es da. Dieses... Ding. Aribeth fragte sich immer, was es darstellen sollte, doch es sah nur aus wie... ja wie was eigentlich? Zur heutigen Zeit würde man dieses Wesen, bestehend aus sich immer wieder neu formatierenden Blöcken als „Pixelfehler“ bezeichnen, doch es wechselte sekündlich seine Form. Manchmal glich dieser rauschende Haufen einem Tier, manchmal auch einem Menschen, nur manchmal schaffte es sich zu festigen und ein klares Bild zu zeugen. Meistens geschah dies in Aribeths Träumen. Da erschien es ihr als eine wunderschöne Frau, mit wallendem, silbernen Haare und schillerndem Kopfschmuck, fast so wie ein Regenbogen. Ihre Gewänder waren Chiffon und Tüll, glänzend wie ein klarer Himmel aus Sternen. Und sie sprach zu ihr, wie eine Göttin zu einem Jünger, auf einer Sprache, welche sie erst viel später zu sprechen vermochte, die Sprache der Vergessenen. Als sie zu ihr trat, durch staubige Wüsten und wehende Sandstürme, leuchtend über die Unreinheit der Welt emporsteigend, da lächelte sie, und die junge Frau fühlte sich wohl. Sie wusste, nur in ihren Träumen war sie ihr so klar wie noch nie. Sie verstand früh, diese Frau war ein Teil von ihr, ein Wesen, welches sie begleitete und ihr folgte. Doch das war nichts Besonderes, seitdem ihre gesamte Familie solche Talismane besaß. Was jedoch suspekt wirkte, war der Nutzen dieser Frau. Ihre Verwandten erzeugten Stürme, Naturkatastrophen, welche ganze Völker unter sich begruben und Babylon sowie Rom in Flammen setzen könnten. Was konnte diese... Frau? Aribeth vertraute nicht auf sie. Sie war nur eine Halluzination, vielleicht war sie auch gar nicht wahrhaftig eine Zaccheus, dachte sie. Vielleicht war sie ohne so einen Beschützer geboren. Sie sah in ihrer Jugend diese Wolke, bestehend aus verzerrten Bildern und abgehackten Tonfragmenten, nahezu überall, wachend hinter jeder Ecke. Dennoch schien es nichts zu machen, selbst wenn Aribeth in Gefahr schien. Es sendete nur weiter seine Frequenzen aus, ohne eine klar erkennbare Bedeutung. Niemand anderes außer sie konnte es sehen. Wurde sie verrückt? Die Wahrheit offenbarte sich in einer stürmischen Dezembernacht. Von der Schneiderin frisch eingekleidet lief Aribeth zu ihrem Haus zurück. Die feinsten Stoffe hatte sie sich gekauft, hatte sich eine prachtvolle Robe zusammen nähen lassen, fast so wie die ihrer Begleiterin in ihren Träumen. In der Dunkelheit huschte sie durch die Gassen der Stadt, noch zu dieser Zeit war jeder Winkel voll mit Menschen, meist vor den Kneipen und Tavernen, sich freudig unterhaltend und den Abend genießend. Während sich die Vampirin als „zu alt zum Trinken“ betitelte, hielt sie sich lieber von diesen Zusammenkünften fern. Vielleicht war es auch richtig so, sie würde schließlich nicht einschätzen können, wie sie reagieren würden. Menschen waren in dieser Hinsicht doch etwas...engstirnig. Es gab nur sie und keinen anderen, doch das war nicht der richtige Weg zu denken. Es gab doch zich verschiedene Arten von Hunden, Katzen, Tieren im Allgemeinen. Wieso sollte es auch nur eine einzige Variante des Menschen geben? Menschen belustigten Aribeth. So klein und unwissend, nur wenige von ihnen hatten den Vorsatz mehr zu werden. Mehr als nur ein „Mensch“. Ebenso wollte Aribeth „mehr“ werden. Mehr als ein Vampir sein konnte. Sie wollte mehr wissen als all ihre Artgenossen, dachte sie. Doch würde sie damit Erfolg haben? Das stand in den Sternen. Sie wollte ihren Göttern ein einmaliges Opfer darbringen, das Wissen über sie selbst. Über die Götter. Die Götter selbst wussten doch gar nicht was sie wären. Das was Aribeth von ihnen sah, war genug um zu wissen, das jeder Gott blind war – sie wollte ihnen eher helfen als ihnen zu dienen. Als sie den Cyric sah, mit seinem brennenden Schwert, Messers Schneide, wie er dort stand, sie ansah, wie als wüsste er nicht das ein Jünger seiner Selbst vor ihm stand... Sie wusste das er unwissend war, gefangen in seinem Heiligtum, verborgen im Kult der um ihn herrschte. Deswegen war es ihre Aufgabe, ihnen Wissen darzubringen, so viel wie möglich, so schnell wie möglich. Denn niemand wusste wann es Zeit werden würde. Zeit, das die Götter sterben müssten. Im Glauben an Cyric und Shar, Heiligtümer des Verfalls, müssten sie irgendwann selbst fallen – doch dies wäre keineswegs der Untergang. Wenn dieser Zeitpunkt käme, würde ein neuer Cyric, eine neue Shar, aufsteigen und den Thron besetzen, um eine neue Generation von Dienern hervorzubringen, welche ihn ebenso enthaupten sollten. So lang sollte es gehen, bis keine Diener mehr übrig oder würdig wären. Aribeth musste lächeln. Vielleicht überlebte sie es bis dahin, vielleicht würden die Götter ihr Opfer anerkennen, vielleicht würde sie selbst zu einem Gott werden. Dann wäre das Kriegsspiel auf der Erde ein für alle Mal Geschichte. Sie würde aufsteigen, als Zeugnis eines gewonnenen Kampfes. In Gedanken versunken übersah die junge Frau eine Stufe auf der gepflasterten Straße, woraufhin sie auf die Knie fiel, das Gewand flog in seiner Verpackung aus Papier und Stoff in einem Hohen Bogen vor sie. Wortlos richtete sie sich auf und langte nach dem Päckchen. Doch plötzlich. Ein Stiefel trat auf das Bündel, als sie es wegziehen wollte. Das maskierte Gesicht des Mannes griente die Vampirin an. „Wer geht denn so spät noch einkaufen?“ säuselte er und die nackte Angst packte die junge und zu der zeit recht unerfahrene Aribeth, denn ihre beiden Degen lagen noch unter ihrem Kopfkissen, wohl behütet zu Hause. „Ich...“ fing sie an, doch verstummte, als hinter ihm zwei ebenso maskierte Gestalten auftauchten. „Haben wir noch eine?“ krähte die Gestalt links vom Maskierten. Er nickte nur, während seine Holzmaske in der Form einer grinsenden Katze einige Schatten einfing. „Die hat sich eben irgendwas geholt, war doch kein Griff ins Schwarze.“ „Die sieht doch nicht mal aus wie so einer...“ „Schau, die Zähne!“ Aribeth rappelte sich auf, doch fast lächerlich gelassen Griff der Mann nach ihrem Handgelenk, drückte es so fest das sie kurz scharf die Luft einzog. „Wo wollen wir denn hin?“ Ihr Herz schlug so fest wie noch nie, das Blut pulsierte in ihren Ohren, sie brauchte einen Plan. Einen Plan, einen verdammten Plan... Doch sie wusste nicht mal, auf was die Männer aus waren. Waren sie auch Vampire? Vertrieben sie sich ihre Zeit? Hals über Kopf riss sie sich von dem Mann los, doch wollte nicht ohne einen Kampf aufgeben, obwohl es schlauer wäre, ihr Päckchen zurück zu lassen. Aribeth packte der Wahn, sie wollte Kämpfen. „Oh, sie wird aufmüpfig“, gackerte einer. „Eigentlich wollten wir sie ja nur mitnehmen, aber ich mag keine aufmüpfigen Weiber.“ Der mit der Maske nickte, Aribeth wurde nur noch wütender. „Nenn' mich nicht Weib!“ schrie sie ihn an, als die furiose Wut sie packte. „Sieh dich an, armes kleines Ding, musst 'Weiber' beklauen?“ Als sie zu einem Schlag aufholte, um ihr Päckchen wieder zu bekommen, hielten sie seine zwei Freunde einfach fest, woraufhin sich ihr Wahn in ihre Augen einbrannte und Tränen vor Wut und Zorn beschwor. Und dann passierte es. Kurz nachdem er eine Machete zog, erschien es. Dieses... Ding. Es florierte weiter und weiter über Aribeths Kopf, wie eine Regenwolke, jedoch gab es Wörter und Töne von sich, schwebte neben sie nach einer Zeit und sammelte sich zu einer richtigen Form zusammen, wie in ihren Träumen. Die Frau erschien. Die Königin ihrer Träume. Doch dieses Mal hatte sie ein entzürntes Gesicht, ihre Augen schwarz vom Hass auf die drei Angreifer. Wortlos strahlend, wie ein Ritter in der weißen Rüstung, zog sie ein Schwert hinter ihrem Rücken hervor und hob es in die Höhe. Die Augen unter der Katzenmaske wurden riesig und verzerrt vor Angst, doch es tat sich für einen Moment nichts. Für einen Moment herrschte Stille, alle starrten nur auf die weiße Ritterin, schillernd in allen Farben des Regenbogens. „Ich... mein Leben...“ fing er an zu stammeln, nahm seine Maske ab und ein vernarbtes, verschwitztes, fettes Gesicht sah mit leeren Augen auf zu ihr. „Ich... ziehe es vor mein Leben zu beenden.“ Aribeth riss ihre Augen auf. Wieso kam er dazu? Sie war verstört. Er hatte diesen leeren Blick in seinen dunklen Augen, wie als wäre seine gesamte Familie gestorben. Jedoch verstörte es sie noch mehr, was er danach tat. Sie sah gar nicht schnell genug, was er dann tat, doch die Machete steckte in seinem Kopf und er sackte zusammen. Ohne das sich irgendwer bewegt hatte. Seine zwei Freunde nahmen ebenso ihre Masken ab, jedoch hatten sie die nackte Angst in ihren Gesichtern. „Gott urteilte zu uns!“ schrien sie wild, während sie sich an Aribeth vorbeidrängten und um ihr Leben rannten. Doch damit war es nicht getan, selbst als sie vollkommen verstört ihr Paket aufhob und zum gehen ansetzte, hörte sie die Schreie – es wurden immer mehr. Als sie auf die Hauptstraße trat, mit der Königin im Schlepptau, schrien alle durcheinander, sie schrien, das ein neuer Gott auf die Erde geschickt wurde, das das Ende der Welt bevorstehen würde, manche fingen sogar jetzt schon Schlägereien an, sie erkannte das eigentlich friedliche Städtchen nicht mehr wieder. Skeptisch und gemischten Gefühls wandte sie sich zu der Gestalt hinter ihr. „Wieso hast du das getan?“ Doch es hatte den selben Effekt, wie als würde man etwas zu einem Hund sagen. Die schwarzen Augen des Wesens schillerten nur etwas, wie als würde sie es nicht verstehen. Aribeth wusste nicht, was sie ihnen gezeigt hatte, welche Grausame Seite der Welt die Geister dieser Menschen in komplette Panik versetzt hatte, doch sie wusste nun, zu was ihr Begleiter fähig war. Und um ehrlich zu sein war es besser als jede Naturkatastrophe, dachte sie und grinste in sich hinein. Hysterie bewegte schließlich auf der Welt mehr als man denken könnte.
Der zweite Wille - oder auch: die Sage von Mutter Natur
Die Stille übernahm alles, wie ein Schleier legte sie sich über die noch brennenden Körper beider Seiten, inmitten von verkohltem Holz und gestorbenem Wald. Der knorrige Stock des alten Weibes tastete sich Schritt für Schritt ein weiteres Bisschen nach vorn, ihre Schuhe, aus Fell, Leder und Rinde bestanden sie, knirschten unter der vergorenen Erde. Kein Rauschen war mehr zu hören, nur noch einzelne Dornen und Sträucher überlebten dieses Massaker an Mensch und Natur - doch sie schien keineswegs niedergeschlagen. Es gab für Leben immer die Chance, neu zu erwachen, neu zu beginnen. Während sie summend über das Schlachtfeld schritt, schien sie zu suchen. Bedächtig flogen die blau schimmernden Augen, umgeben von grünlicher, kränklich aussehender Haut über die weite Fläche voller schwarzer Skelette, sowohl von Menschen, von Tieren, von Maschinen und von Bäumen. Während der Wind die Asche aufwirbelte, ging die Alte weiter in Richtung der Mitte dieser Katastrophe. Mit humpelndem Schritt erreichte sie ihr Ziel in einigen Minuten der Stille. Sie setzte sich neben einen noch besser erhaltenen Baum, dessen Äste noch vom Feuer geplagt wurden und begann seelenruhig ihren Beutel auszupacken. Neben einigen Kräuterbündeln war auch eine Knospe zu sehen, die sie um ihre Hand schlang, während der andere Plunder im Beutel den staubigen, von Asche ergrauten Boden traf. Sie legte keinen Wert auf diese weltlichen Besitztümer. Geld hatte sie nicht. Sie lebte nur von dem was ihr jene Seelen gaben die nun mit dem Wald das Ende im Feuer gewählt hatten. Ihre Hand führte sie zum Baum, woraufhin sich die Sprossen um ihn schlangen und sich ein Wunder vollbrachte. Knarzend und knurrend bog sich das Holz, die Rinde splitterte und der Baum wurde von der heilenden Energie des Keimes genährt. Binnen einiger Minuten wuchs das Gras wieder, die ersten Blumen suchten sich ihren Weg durch die verkohlte Erde. Diese Bestien von Tätern suchten mit ihren Kriegsspielen die Zerstörung, doch aus Feuer ergab sich bekanntlich der nährstoffreichste Boden den man finden könnte. Mit einer ausreißenden Geste schossen die Pflanzen auf ihr Kommando wie ein Virus über das ganze Schlachtfeld, umrangen jeden Kopf, jedes Haar, jeden Knochen der auf diesem Grunde zu faulen begann. Und so erhob das alte Weib seine Stimme, welche die Ruhe durchbrach und die Seelen der Toten erreichte: "Ihr, die auf meinem Grunde gefallen seid, habt uns nie ein Leid zugefügt. Ihr werdet wiedergeboren. Wiedergeboren in meinen Reihen, als Teil dieser Welt." Während sie die Stimme erhob, entstanden aus aufgewirbelter Asche die Gestalten der Gefallenen. Die Seelen der Unschuldigen, die für ihr Hab und Gut kämpften. Sie würden nie wieder Hab und Gut besitzen, doch würden sie leben. Sie würden auf andere Art und Weise Glück erfahren. Die Geister die zuerst ihren Weg in das Feld fanden, verwandelten sich in allerlei Tiere, ein Schwarm von Krähen, ein Rudel an Wölfen, eine Herde an Rehen. Die zweite Welle an Gefallenen wurde zu Gestalten der Mutter, jene Kinder die den Wald beschützen sollten mit allem was ihnen lieb war. Und die dritten? Für sie war keine Hoffnung übrig, denn sie schändeten die Natur. Sie flehten nach der Hand der Mutter, nach ihrem zweiten Willen, auf Hoffnung der erneuten Macht über Natur und Gezeiten. "Ihr", entzürnte ihre Stimme. "Ihr werdet verdammt. Ihr werdet Stein und Stock mit denen Jünglinge spielen. Ihr werdet Baum und Fluss in denen die Weiber ihre Wäsche waschen, ihr werdet zu nichts, verdammt sollt ihr sein!" Mit lautem Geschrei, tosenden Gebrüll und leidenden Weinen entschwanden sie in die Zivilisation.
Doch der Wald erblühte wieder. Jedoch würde es Jahre dauern bis er wieder der Alte war.
(Eine kleine, mittelalterliche Fantasygeschichte, die ich mal geschrieben habe, damals habe ich mich sehr mit der Sage um “Mutter Natur” und der Natur an sich beschäftigt.)
Die Großmagierin (Schilderung, Unfertig)
(Eine noch unvollständige Schilderung/Kurzgeschichte. Ich weiß nicht wann ich sie vervollständigen werde, aber hier habt ihr schon mal anderthalb Seiten.
ACHTUNG!! Diese Schilderung ist etwas grafischer!)
Als die Dame sich setzte, rieselte feinster Staub auf das alte Holz des Tisches. Durch die riesigen, einer Kathedrale gleichenden Fenster wurde ihr die nötige, blau gefärbte Beleuchtung gegeben, um mit ihrem falschen Handwerk anzufangen. Jahre, etliche Jahrzehnte lang hatte sie auf diesen Moment gewartet. Hatte gebrütet und gearbeitet, um diesen Fluch welcher auf ihr lastete, zu einem Segen zu machen. Damals, als sie ihn zu sich nahm, da war sie noch in Gefangenschaft, zehn Meter tief unter der Erde und versiegelt. Doch nichts sollte für die Ewigkeit halten, und der Magie einer Geübten alten Frau hielt auch der letzte Rest eines verdorrten Bunkers nicht Stand. Das bläuliche Haar floss um die von der Robe bedeckten Schultern herum, endete wie mit einem Lineal gemessen fast symmetrisch an ihrem Steiß. Keine Strähne saß an einem nicht vorhergesehenen Platz. Sie wirbelten umher, als sie ein Buch knapp über dem Tisch erscheinen ließ und es nahezu achtlos auf der alten Tischplatte aufprallen ließ. Ächzend krachte das Holz irgendwo, doch es war dem weisen Geist egal. Als sie das Buch aufschlug krochen die Maden aus seinen Seiten. Wortlos quittierte sie diese Sauerei, wenn auch mit ekel in den hellen Augen. Sie hätte dieses alte Stück weniger nachlässig behandelt, wäre sie nicht so lang weg gewesen. Ohne die Seiten zu berühren, bewegten sie sich. Einfache Zauber, die den Alltag erleichterten und sich hier und dort für eine Flucht aus einer Kneipe eigneten – mehr nicht. Eigentlich war dies auch nicht ihre Behausung – doch es würde ewig dauern, bis der Besitzer zurückkommen würde, denn aus einer anderen Dimension konnte man nicht so leicht fliehen. Wenn sie Lust hätte, würde sie ihn auch wieder hinaus lassen. Das Problem? Sie hatte weder Lust noch Zeit, um für so eine Arme Seele Mitleid zu empfinden. Für die Ewigkeit war er sowieso nicht gedacht, dachte sie. Zu viele Banden im Umkreis, die einem das Leben schwer machen wollten. Ein Normalsterblicher würde diese Halunken nur mit Training um die Ecke bringen, so stämmig sah dieser Bube nicht aus. Schon etwas komisch, sich von einer Frau überwältigen zu lassen, nicht? In dieser Welt dominierte doch sowieso nur der mit den meisten Waffen. Derjenige, der am schnellsten reagieren konnte und seine Magie am besten beherrschte. Das konnte sie, als einziges Talent was sie sich neben ihrem enormen Wissen jemals auf die Fahne schreiben könnte: sie konnte überleben. Die Lederstiefel hinterließen ihre Töne auf dem uralten Holzboden, welcher ebenso schon von einer Schicht Staub bedeckt war. Komisch mochte es schon aussehen, doch das waren die Spuren der Magie. Während sie sich weiterentwickelte, verdorrte alles andere, der Staub war nur ein Nebenprodukt. Was der Jüngling nicht wusste? All diese Bücher waren magisch. Jedes von ihnen beinhaltete bei genauerer Handhabung Zauber, die Wunder vollbringen konnten. Jedes von ihnen ließ Welten sterben und in deren Staub etwas neues auferstehen. Ihre Gestalt bewegte sich katzenartig durch das blau schimmernde Licht, hektische Schritte hallten durch den runden Saal. Wie gespenstische Skelette ragten die großen Bücherregale mit ihrem uralten Inhalt dem kirchenartigen Dach entgegen, wie als würden sie sich über dem Kopf des Betrachters biegen und hämisch auf den einzelnen Besucher hinunter lachen. Sie atmete den Staub ein, welcher sich schon in ihrer Lunge abgesetzt hatte. Sie war an ihn gewöhnt. Ebenso an den muffigen Geruch und an die trockene, stickige und trotzdem kalte Luft. Ihre Augen suchten aufmerksam das Regal ab, und fanden anscheinend was sie suchten: ihre feine Hand mit den langen, schwarzen Fingernägeln fand einen anthrazitfarbenen Einband, mit silbernen Lettern geschmückt, aus alter Zeit. Ein schiefes, schmales Grinsen durchzog das Gesicht, welches nur von leichten Falten begrenzt wurde. Es entblößte weiße, gepflegte, spitze Eckzähne. Mit nahezu schauderndem Atem nahm sie das Relikt an sich. Sie ging gewandt wie in ihren jüngsten Jahren zum mit Kreide gezogenen Opferkreis, welcher mit Feuerschalen übersät war. Es begann. Sie ließ die Robe fallen. Wie schwarzes Pech breitete sie sich um sie herum aus, ihr Kopf senkte sich. Der Mond küsste die vielen Narben an ihrem dürren Körper, umschmeichelte die vielen, groben Zeichnungen auf ihrer Haut, welche sich um ihren gesamten Körper schlangen – wie die Fesseln einer Sklavin, die sich von Jahr zu Jahr vermehrten. Bei diesen Zeichnungen handelte es sich um Ranken, bestückt von Dornen, langen, langen Dornen, welche man nicht ein mal an den wildesten Hecken fand. Sie waren länger und gefährlicher. Nicht für andere, für sie. Sie war als einzige betroffen. Nur sie trug diesen Fluch, diese Schmerzen unter ihrer Haut. Während sie, von größter Pein geplagt, das Buch öffnete und es neben das andere legte, blieb sie ganz still. Nur die Stille konnte ihr helfen, wie in so vielen anderen Dingen auch. Die Stille half ihr, war ihr bester Freund. Denn nur in der Stille erkannte man das leise Flüstern der Welt. Es schrie nach ihr. Leise und still schrie sie nach ihr, in den leisesten Stunden. Nachts wenn sie wach lag, konnte sie die Welt klagen hören, ehe sie ihre eigenen Klagen verstummen ließ. Jetzt saß sie in der Mitte des Kreises, kratzte okkulte Symbole aus alten Sprachen auf den Boden, flüsterte dabei Glück bringende Worte, welche ihr einst ihre Mutter zuflüsterte. Sie war nie eine Frau gewesen, welche viel redete. Doch hatte sie damit viel bewegt. Und vor Allem: sie hatte überlebt.
Diese Fluch würde sie auch überleben, sie würde ihre Kinder und deren Kinder überleben, bevor sie sich zur Ruhe setzte und dahin schied. Denn sie, die Großmagierin, hatte die Aufgabe alle zu überleben. Ihre Fingernägel schmerzten, einige waren schon abgebrochen, doch sie kratzte still weiter, während die Schlieren von Blut auf dem Boden einzogen. Die Holzdielen fraßen die Flüssigkeit gierig, saugten sich voll mit blutrotem Liquid.
Trapped (TVP Fanfic)
(Diesen Text hab ich vor Urzeiten mal bei einem Forum eingereicht, damals als die Tribute von Panem noch ein Ding war, trotzdem denk ich mal das er hier nicht falsch aufgehoben ist. Have fun.)
Es war eine Falle.
Das war das Einzige was ich mir heute noch vorwarf. Eine einzige, große Falle. Ich hätte dort sterben sollen.
Egal wie oft ich es in Gedanken durchlebte, es wurde nicht besser. Wie eine Odyssee, eine endlose Reise, die niemals aufhört, selbst nicht wenn ich zu Bett ging. Meine Eltern weinten, als ich ausgesucht wurde, sie weinten so verbittert, hatten Angst dass ihr einziger Sohn dort sterben würde – was rede ich von Angst, sie wussten es. Als ich dann wie in Trance von ihnen weggezerrt wurde, da ging alles so schnell. Die Tage im Kapitol hatte ich schlaflos verbracht, machte kein Auge zu und trainierte. Selbst als sich meine gesamten Glieder nach Schlaf sehnten, selbst dann wollte ich es nicht. Ich hatte zu viel Respekt, zu viel Angst vor dem Tag an dem es passieren sollte, an dem ich auf diesem verdammten Podest stand und meinem Tod ins Auge blickte. Aber die Zeit schien sich nicht anhalten zu lassen, egal wie lang ich wach blieb. Am Tag Null, dem Tag an dem ich weggeschafft wurde wie wertloses Vieh, bereit in dieser Arena mein Ende zu finden, habe ich mich vorher mit Medikamenten eingedeckt. Ich habe gegessen, getrunken und genau eine halbe Stunde geschlafen. Es war der ruhigste Schlaf meines gesamten Lebens, denn davor und danach war ich nie ein Mensch der viel davon hielt, ordentlich zu ruhen. Ich arbeitete im Geschäft meiner Eltern, einem Gemischtwarenladen. Wir verkauften alles, was man in unserem Distrikt in die Finger bekam, was die Menschen brauchten. Ich sollte es später übernehmen, sagten sie. Eigentlich sollte ich später eine wunderbare Zukunft haben. Doch als ich aus meinem schier endlosen Delirium erwachte, da pfiff mir schon kalter Wind um die Wangen, schnitt wie ein Messer an meinem Gesicht. Der Countdown lief in einiger Ferne herunter, bald würde diese verdammte Kanone ertönen, würde alles was ich bisher gelernt und geplant habe verwerfen und mich der Erde gleich machen. Neben mir fing ein Mädchen an zu heulen, mein Blick fixierte sich sofort auf sie. Sie war so schmächtig, so unscheinbar, die dunkelgrüne Jacke wurde vom Wind verweht, sie hatte wohl vergessen sie zuzumachen. Ihr schütteres, rotblondes Haar war zu zwei Zöpfen geflochten, die sie aber nicht frisch gemacht hatte, dafür waren sie zu unsauber. Sie schien sie vor einigen Tagen geflochten zu haben. Wieso mein Blick so klar war und ich auf solche Details achtete, wusste ich auch nicht unbedingt ganz. Der Countdown stand gerade mal auf zwanzig. Ein Gedanke kam mir, wieso sollte ich einen grausamen Tod sterben wollen, durch andere Hand? Ich könnte mich auch einfach nach vorn fallen lassen, dann würden mich diese verdammten Mienen hochjagen und ich wäre raus. Ja, für einen Moment war dies echt meine beste Idee. Egal wie kräftig ich nun mal war und wie viel ich von meinen taktischen Fähigkeiten hielt, ich wollte nie kämpfen. Ich wurde dazu gezwungen. Und je inständiger ich mir meinen Tod herbeiwünschte, desto langsamer schienen sich die Zahlen zu minimieren. Der Wind schien mir nun viel kälter als sonst, aber als der Zähler auf fünfzehn sprang, schaltete sich mein Wunsch zu sterben förmlich komplett aus, aus welchen Gründen auch immer. Ich hatte nie Zeit mich mit mir selbst zu beschäftigen.
Meine Augen suchten den dichten Nadelwald ab, hinter dem die Berge wie dunkle Skelette im Nebel der Höhen thronten. Der Himmel war von dichten, dunkelgrauen Wolken zugestellt, die sich wie ein dickflüssiger Schleier über die Sonne ergossen. Mein Blick flog nach unten. Das Füllhorn. Über ihm der Countdown auf zehn.
Gleich wäre meine Zeit gekommen. Doch mein Herz schlug mir bis zum Hals. Mein einziger Weg zu überleben ging über das Morden.
Blicke wurden ausgetauscht, zwischen Freunden, Feinden, Fremden. Feindselige, ängstliche Blicke, die man sonst nirgendwo sah. In wenigen Tagen würde nur einer von uns hier herauskommen. Fünf. Alle Muskeln in meinem Körper spannten sich an. Vier. Mein Puls erreichte seine Höchstleistung. Drei. Mir wurde schwindlig, doch ich beugte mich vor.
Zwei. Mein Blick fixierte die Klinge von einer Machete. Eins. Danach den Rucksack mit dem Nötigsten. Ich wollte überleben. Würde alles geben um zu überleben.
Ich wollte meine Familie wiedersehen.
Als der Schuss ertönte, schalteten sich meine Sinne aus. Ich spürte nur wie ich anfing, wie verrückt um mein Leben zu rennen. Meine Hände krallten sich die Machete, dann spürte ich heulenden Schmerz in meinem Arm. Meine Augen fanden dieses Mädchen, welches mir mit irgendwas durch die Jacke gestochen hatte. Ich wollte meine Machete schon ziehen, doch ein blutiger Pfeil zog sich an meiner Wange entlang.
Meine Hände packten die Machete, ich schlug ein mal um mich, verschaffte mir Platz und sprintete zu meinen Sachen.
Von dort aus rannte ich so lang, bis meine Füße den weichen Nadelboden vernahmen und das Geschrei am Füllhorn leiser wurde. Erst jetzt bemerkte ich diesen Schmerz wieder. Mein Arm drehte sich wie von selbst, sie hatte mir glatt ihr Messer hindurch gerammt. Ich würde jetzt schreien, doch dafür blieb keine Zeit. Also hielt ich den Arm still, erinnerte mich an die Worte meines Vaters. 'Manchmal muss man auch stark sein, Gabe.' Und jetzt war mein Moment, der Moment an dem ich es ihm endlich beweisen könnte. Ich blickte zum Himmel hinauf, irgendwo mussten dort Kameras sein. Egal wie verzerrt diese Aufnahme im Geschäft meines Vaters ankam, wie verzögert, er würde sie auch in der Nachtschicht ansehen, einfach weil er um mich fürchtete. Also blickte ich nun zum Himmel, zeigte meinen durchbohrten Arm nach oben in das Dach aus fahlen, grauen Wolken und warf einen Luftkuss entgegen irgendwelcher Kameras, die das bestimmt filmen würden. Dann zögerte ich keinen Moment, packte das Messer und zog es hinaus, der Schmerz der dabei freigesetzt wurde betäubte mich fast, aber ich blieb standhaft. Standhafter als ich jemals war. Vater wäre Stolz auf mich.
Das Messer packte ich an meinen Gürtel, doch ich spürte, wie das Blut durch die Jacke sickerte. Provisorisch versteckte ich mich hinter einem Baum, wenn doch jemand vorbeikommen sollte. Ich lehnte meinen Kopf flach an die Rinde und zog wieder das Messer. Unbeholfen riss ich damit einen Streifen Stoff von meinem Shirt ab, streifte die Jacke nach oben und bastelte mir einen improvisierten Druckverband, woraufhin auch der Schmerz mehr oder minder ausgeglichen wurde. Irgendwo musste ich Wasser suchen, das war meine nächste Aufgabe. Ich hievte mich auf die Beine, schwang mir den Rucksack über den Rücken und drapierte meine verletzte Hand am Griff, damit sie mir nicht in die Quere kam. Wachsam und mit gezogener Waffe schlich ich durch den immer dunkler werdenden Wald, zuckte bei jedem Geräusch zusammen. Ich würde nicht schlafen. Die Medikamente verbaten es mir, genauso wie mein Verstand. Vor mir gähnte nach einiger Zeit ein riesiger Abgrund, eine Schlucht.
Jedoch plätscherte irgendwo ein Fluss. Ich beugte mich etwas nach vorn, sah in den Tiefen etwas glitzern. Da unten war Wasser.
Und eine bröckelige Steintreppe führte an der Seite herunter. Okay, Gabe, alles oder nichts. Du brauchst was zu trinken... Ein Zischen störte meine Ruhe. Daraufhin ging ein Pfeil in den Baum neben mir. Ich riss den Kopf herum, dieses rothaarige Mädchen stand hinter mir. „Hey!“ rief sie, woraufhin es durch den Wald schallte. Doch ich begann zu rennen, ich sprintete schnell bis zur Treppe, ließ mich auf die Stufen fallen und hastete die Serpentinen herunter. Meine Lunge begann zu brennen, je tiefer ich rannte, desto dunkler wurde es, aber desto näher kam das Wasser.
Ich konnte Schwimmen, also selbst wenn es ein einziger Sturzbach wäre, ich könnte vor diesem Mädchen fliehen.
Mein Arm begann wieder weh zu tun.
„Hey!“ gellte es wieder durch die Schlucht, woraufhin einige, feine Bröckchen vom Stein abfielen, doch ich rannte weiter, die letzten Meter zum Wasser sprang ich einfach herunter. Für einen Moment war ich mir sicher, endlich in Frieden zu sein, die Strömung war auch nicht besonders mitreißend. „Hey! Du da!“ brüllte sie wieder, ich sah, wie sie die Stufen heruntergehastet kam. „Weg da! Komm her! Komm her!“ „Wieso sollte ich dir vertrauen? Du hast meinen Arm beinahe abgeschnitten!“ Sie sah nahezu ängstlich die Schlucht entlang, dann zu mir, dann sah sie wieder ernster aus, aber immernoch gehetzt. „Komm jetzt her!“ rief sie nach einem zögern. „Wieso das? Hä? Wieso das denn?“ Ich war echt verwirrt über ihr Verhalten. Ich war sehr perplex um ehrlich zu sein. Das Mädchen schien es eilig zu haben, während ich mich rudernd im recht warmen Wasser an Ort und Stelle hielt.
Noch ein Zischen. „Falle!“ kreischte sie. „Komm da raus! Falle! Falle!“ Sie wich zurück drückte sich an den Stein und die Panik packte mich, als meine Hosenbeine zu zischen begannen. Ich hastete aus dem Wasser, rettete mich auf die Stufen und sah verstört auf den Dampf der aus meinen Klamotten stieg. „Falle“, flüsterte sie nur neben mir. Ich nickte langsam, verstehend, während das Wasser zu dampfen begann. „Man nennt es Säure.“ sagte sie leise und sank auf die Knie. Ich nickte wieder, davon hatte ich was gehört. „Ich wollte dich nicht verletzen.“ erklärte sie. „Ich war nur im Stress.“
„Passt schon“, bemerkte ich und seufzte. „Na komm“, schlug sie vor. „Ich kann dir neue Klamotten besorgen.“
Etwas überrascht sah ich auf, ich hatte nicht damit gerechnet mir hier Freunde zu machen. Trotz aller Zweifel nahm ich ihre Hand an, sah wie zerfressen mein Jackenärmel war. „Gehen wir.“
Die Tage ohne dich (Slam Poetry)
Vier fünf sechs Tage ohne dich, Mittwoch
Vier fünf sechs Tage ohne Essen, ich fühle mich leer
meine Freunde sagen es ist nicht gut so,
sie sagen es wäre falsch
doch was will ich denn tun?
Sag mir, mit was vertreibe ich das?
Ich versuche zu Lesen, ich versuche zu sprechen
aber es kommt nur Hm und Hä und achso
Vier fünf sechs sieben Tage ohne dich, Donnerstag
und ich denke ich sterbe
ich frage mich was bleibt außer einer eindrückten Seite in meinem Bett
Die Alten Leuten sagen ich weiß noch nichts von Liebe
doch wieso
fühlt es sich so an wie es sich anfühlt?
Wieso fühle ich so viel obwohl sie mich als gefühllos degradieren?
Als Kindisch und zu Jung und zu unwissend für diese Gefühle?
Doch wieso fühle ich so viel? Es sind jetzt vier fünf sechs sieben acht neun Tage ohne dich, Samstag
Und ohne auf das Genörgel und die Streitereien der Alten Leute zu hören
gehe ich auf eine Party
ich
mach' mich hübsch, ich ziehe mir das Schönste an was ich habe
ich will endlich hier raus
und zum ersten Mal fühle ich mich frei
raus aus dem goldenen Käfig, den Gittern meines Zuhauses, laufe durch die Nacht
Und dann am Platz des Geschehens da bin ich wie ausgewechselt
wenn ich den Bass unter meinen Füßen spüre, wenn mein Herz vibriert,
ja dann fühle ich mich freier als zuvor.
Wenn ich nichts weiter höre außer den Puls der Boxen kann ich diese Stimme in meinem Kopf
ausblenden die mir sagen will dass du dies oder jenes oder sonst was gemacht hast
dass du es nicht so gemeint hättest und ich nicht aufgeben sollte
doch ich trinke, ich tanze und ich will nichts von dir hören!
Es sind jetzt
sieben acht neun zehn Tage ohne dich
und ich wache morgens auf, weiß nicht wo ich bin
meine vier Wände lächeln mich an
und der Gedanke an dich kommt zurück
und jetzt kommt es mir vor wie ein schöner, schöner Traum,
ganz weit weg.
Aber
das sagen die alten Leute doch immer,
Träume sind dafür da um gelebt zu werden
oder?
Du sagst ich habe mich verändert du sagtest ich wäre jemand anders' geworden. Ich sage das der Samen nicht so aussieht wie die Rose selbst.
jaquiray.tumblr.com
Wieso
Diese Frage brennt auf meiner Seele
so stark, dass ich sie wiederhole,
immer
und immer
wieder
Wieso
Wie eine Melodie,
wie ein
Ticken
einer Uhr Wieso Wieso Wieso
Ich denke
mein Kopf
enthält bald nur noch
dieses eine Wort
Wieso
Sirenen
[ine Sirene (griechisch Σειρήν Seirēn) ist in der griechischen Mythologie ein weibliches Fabelwesen (Mischwesen aus ursprünglich Frau und Vogel, später auch Frau und Fisch), das durch seinen betörenden Gesang die vorbeifahrenden Schiffer anlockt, um sie zu töten. ]
Ich schrieb ein Mal ein Gedicht über eine Sirene. Wie sie einsam auf ihrem Stein saß und nach Schiffen Ausschau hielt, ihr goldenes Haar kämmte und sang. Manchmal verband ich diese, meiner Meinung nach, mysteriösen Wesen auch mit mir. Aber diese Geschichte steht auf einem anderen Blatt. Doch wieso verteufeln die Menschen die Sirenen denn nur? Ich dachte mir immer, vielleicht kann sie auch nichts anderes als Singen. Vielleicht sucht sie nur einen Mann der ihr gewachsen ist. Ich werde immer viel zu emotional in meiner Phantasie. Vielleicht suchen die Sirenen nur starke Männer, die sich ihrem Gesang widersetzen können. Vielleicht kann sie nicht von ihrem Stein und singt um Hilfe? Wie einsam muss so ein Leben als Sirene sein... von allen angehimmelt, verteufelt, doch niemand weiß wer du wirklich bist. Alle sehen die Schönheit, die Gefahr, doch nie deinen Charakter. Sie hören deine Stimme, das Schönste was sie jemals gehört haben, doch niemand hört deine Schreie nach Hilfe. Sie wollen alle nur diesen Gesang hören, wollen das dieses kleine Vögelchen weiter zwitschert, nicht das es vor Angst zirpt und quietscht, das wäre doch nicht adäquat. Um ehrlich zu sein Identifiziere ich mich oft mit diesen Wesen, nicht das ich wunderschön wäre, doch jeder hört mich singen, doch keiner versteht den Sinn. Jeder liest diese Wörter, doch ich bezweifle das jemals jemand wirklich ihren Sinn versteht. Ich stelle sie mir vor, die Sirenen, wie sie leise darüber weinen, das jedes Schiff an ihrem Stein zerschellt und in den Fluten versinkt. Aber, so wie es auch im wirklichen Leben ist, gibt es noch einen Haken an der Sache: es gibt immer jemanden der schöner ist als eine wunderschöne Sirene. In diesem Fall waren es die Musen, zumindest in der Griechischen Mythologie. Der Mythos besagt, das die Göttin Hera einen Wettstreit zwischen den Sirenen und den Musen anleitete, darum, wer besser singen könnte. Die Sirenen verloren und mussten ihre Schuppen oder besser gesagt, Federn an die Musen abgeben, aus denen diese dann Kränze flochten. Also, es gibt immer jemanden der schöner ist, der besser in dem ist was du gut kannst. Deswegen tue ich mich auch so schwer immer diese Texte zu schreiben. Das ist wirklich demotivierend, wenn man darüber nachdenkt. Wenn einem so etwas im Nacken sitzt fällt einem die Kreativität wirklich schwer. Zu Zeiten von Instagram, wo der Schöner sein will wie der andere, verlieren wir meist unsere Qualitäten, unsere Makel, Ecken und Kanten. Jeder will diese schöne Muse sein, einfach weil der Titel „Sirene“ zu abtrünnig wäre. Wer wäre denn schon freiwillig auf dem zweiten Platz?
Heutzutage niemand mehr. Damals auch niemand. Jeder Mensch wollte schon immer der Erste, der Beste sein, egal bei was. Instagram, Snapchat und Facebook haben uns nur einen Maßstab für das alles gegeben. Du bist eine Muse wenn du zwanzigtausend Abonnenten hast, oder zumindest so aussiehst. Wieso will keiner mehr eine Sirene sein? Nun, ich denke das es einfach daran liegt das niemand eine schlechte Qualität auf seiner Stirn geschrieben haben will. Niemand will es in Kauf nehmen, das man seine Defizite direkt sehen kann. Wieso, frage ich mich immer, wieso will das keiner? Früher oder später erfährt man es sowieso. Ich habe die Sirenen immer mehr gemocht als die Musen, einfach weil sie für mich ehrlicher erschienen. Sie machten sich keinen Hehl draus, zu zeigen wer sie wirklich sind. Musen waren nur schön, konnten alles gut und wurden von allen bewundert. Solche Menschen wirken auf mich sehr... fremd? Ja, ich denke das ist das richtige Wort. Oder eher beschämend.
A + S
Einmal kam ein Mädchen in meine Welt. Sie war ganz schüchtern, ganz nervös und misstrauisch, als ich sie zum ersten Mal hörte und sah. Doch ich und sie wussten, wir waren Schwestern. Zwei Seelen, die irgendwann vor tausend Jahren zusammen waren und seitdem auf der Suche nach einander waren. Wir hatten beide unsere Laster, unsere Vorstellungen der Dunkelheit waren jedoch identisch. Wir beide hatten die selbe, schwarze Wolke über dem Kopf schweben, wenn wir uns trafen. Wir beide, ja, wir waren zwei Personen, die von dieser Wolke nahezu erdrückt wurden. Doch, das was wir taten war wirklich nicht üblich für Menschen, die vom Leben in die Knie gezwungen wurden. Wir reichten der jeweils anderen einen Regenschirm, ignorierten die Regenwolken und tanzten in den Pfützen, bis die dunkle Nacht vorüber war. Und immer dann wenn er wiederkehrte, dieser gewaltige Monsun, da nahm sie mich an die Hand und sagte mir komm. Sie sagte mir gehen wir, hier ist es viel zu düster.
Und ich sagte Ja. Ich sagte immer Ja.
Ich folgte ihr bis in die tiefsten Winkel unserer Welt, in den verschiedensten Gewändern, die die Erde so für uns hergab. Ich folgte ihr, auch wenn wir uns jemals aus den Augen verloren – wir wussten den anderen zu finden. Manchmal brachte ich Gäste mit auf unsere Reisen, Gäste, die aber nicht unbedingt lange mit uns liefen, bevor sie ihren eigenen Weg einschlugen. Sie brachte mir alles bei, was sie konnte, beschützte mich vor all den Dämonen in den tiefsten Wäldern und ließ mich nie im Stich.
Denn das war das was wir uns schworen, von Anfang unserer Reise an. Zwei rastlose Seelen, immer auf der Suche nach dem richtigen, ohne zu wissen was das richtige Überhaupt ist. Wir würden Schwestern bleiben, egal was käme. Wir würden das bleiben, was wir vor tausenden von Jahren waren. Schwestern.
Unzertrennlich auf Lebenszeit.
Für Mama
Seit Jahrzehnten kenne ich jetzt schon eine junge Frau. Sie ist der mit Abstand ehrlichste und liebevollste Mensch, den ich bisher kennenlernen durfte. Ich sah sie weinen, vor Glück und vor Trauer. Sah sie lachen, sah sie toben. Die gesamte Last unserer kleinen Welt trägt diese Frau auf ihrem Rücken, sie sorgte sich um mich, als ich es selbst nicht konnte. Sie hatte den Mut, den Willen und die Stärke, sich um mich zu kümmern, mir immer Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf geben zu können. Sie arbeitete manchmal so lang, dass ich sie nicht sah, aber auch nur, weil ihr andere Menschen so nahe lagen wie ihr eigen Fleisch und Blut. Sie kümmerte sich aufrichtig um die Alten, die Kranken, die Schwachen. Nur sie hatte die Geduld und die Liebe zu geben, um diesen Menschen den Lebenswillen wiederzugeben und sie wieder in selbiges zurückzuholen.
Nur sie war diejenige, die mich kannte, mit all meinen Seiten, meinen Problemen. Diejenige die immer an mich glaubte und mir immer vertraute, egal wie viele Fehler ich zuvor begangen hatte. Egal, was ich ihr manchmal an den Kopf warf und zu was ich sie beschuldigte, sie nahm es mit aller Menschlichkeit auf, versuchte mich ständig zu fördern und zeigte mir immer die schönen Seiten des Lebens auf. Ich sah sie an ihren Tiefpunkten. Da, wo kein Mensch jemals allein herausgekommen wäre – sie schaffte es, sie schaffte es allein, mit so viel Stärke, dass ich immernoch fasziniert bin, zu wie viel sie noch fähig ist. Diese Frau ist meine Inspiration, das Bild des Menschen, der ich werden will – ehrlich, stark, zuverlässig, geduldig und immer mit so viel Courage und Engagement bei der Sache, dass es anderen die Sprache verschlägt. Auch wenn ich dem Papier emotionalere Reden erzähle, als ich sie jemals zu ihr sagte, muss sie immer wissen, dass ich sie als die beste, klügste und bewundernswerteste Person ansehe, die ich in meinem Leben treffen durfte und ich will, dass sie wieder so glücklich wird wie sie es mal war. Ich will, dass sie so überglücklich wird, das sie nicht mehr aufhört zu grinsen.
Ich will, dass sie für immer glücklich wird. Das ich sie stolz mache. Das ich so wie sie werde.
Für L
Einmal lief mir so ein Mädchen über den Weg. Ich war von Anfang an verzaubert von ihrer fröhlichen Art, dass ich auch sofort mitlachen musste, wenn sie lachte. Sie machte aus mir das, was ich sein wollte, auch wenn sie nur lachte. Ein wenig erinnerte sie mich an den Jungen aus dem Kindergarten, mit ein paar Worten konnte sie mir den Tag versüßen, auch wenn sie das nicht unbedingt wusste.
Wochen vergingen, ich merkte, dass hinter dem Frohsinn auch etwas ernstes lag. Etwas, was sie auf der einen Seite so sehr zur Schau stellte, was aber niemand so richtig ernst nahm.
Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich wie die einzige, die sie richtig verstand, auch wenn ich es nie richtig sagte. Ich fühlte mich wie jemand, der hinter eine Scheibe Milchglas schauen konnte und fühlte mich gut. Sie erzählte mir und meinen Freunden alles. Wie traurig sie eigentlich war, das machte mich ebenso traurig. Doch was ich an ihr bewunderte, war ihr Mut. Ihre mitfühlende Art, ihr immer offenes Ohr für mich und andere, wie ich es immer bei anderen bewunderte. Lächelnd hörte ich ihr zu, wie sie sich leidenschaftlich über alles und jeden aufregte und herzhaft ihren Sorgen und Problemen Luft machte, ich fühlte mich in ihrer Gegenwart wie ein anderer Mensch. Wie jemand, der fröhlicher war, ihre positive Ausstrahlung war ansteckend. Und wenn wir auf meinem Bett saßen, eine Zigarette rauchten und dann nur erzählten, dachte ich, auch für die letzten meiner Sorgen den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben. Ich habe Angst, das diese Freundschaft einschläft, dass wir uns aus den Augen verlieren. Bitte, sage ich so oft,
bitte lass das nie geschehen.
Für Papa
Da war einst eine Person, der ich so vieles zu verdanken habe. Sie erzählte mir Witze, erzählte mir so vieles, was ich heute noch gebrauchen kann. Er war bei allem keine perfekte Person, aber auf das legte ich es nie an. Ich wollte nie das er perfekt ist. So wie er war, war er perfekt. Ich konnte ihn manchmal nicht leiden, aber das war wohl normal, denn er war mein ganzes Leben lang für mich da. Mich beeindruckte immer wieder seine unaufhörliche Hingabe und Fürsorge zu seiner Familie und mir. Wie er sich immer Gedanken machte, seine Liebsten glücklich zu machen und zum lachen zu bringen. Auch wenn er vor mir in Tränen ausbrach, war das immer noch ein Zeugnis von so viel Liebe zu den Personen die ihm nahe standen, dass es mich sprachlos machte.
Ja, er redete manchmal zu viel. Er war vielleicht etwas zu philosophisch über seine gesamten Ansichten, dass es mich manchmal etwas nervte, aber das was ich diesen Seiten anvertraue, tat er nun mal bei den Personen, die ihm nahe waren. Was er aber tat, war mir zu zeigen, wie man seine Familie liebte. Wie man für sie alles opferte, selbst am Hungertuch nagte, damit sie glücklich wären. Er und eine andere Person, über die ich bestimmt hier schreiben werde, haben mir diese wichtige Eigenschaft näher gebracht. Immer wenn ich über ihn nachdenke, dann danke ich ihm so oft dafür. Ohne ihn als Beispiel wäre ich heute nur eine logisch denkende Maschine, die Zustände berechnen würde. Er brachte mir die Bücher näher, die ich später verschlingen würde. Und nur er nahm mich da an, wo mich ein anderer verstoßen wollte. Ich danke ihm so sehr dafür, das ich nicht weiterschreiben kann. Ich lasse diese Worte hier stehen, damit er sie lesen kann.
Ich danke ihm dafür. Bei allem, was ich jetzt habe.