Am Ende bist du du und ich ich
Am Ende bist du du und ich ich - so wie es immer schon war.
Aber sag mir, bist du nicht einsam, wenn du nachts schlafen gehst? Wird dir die Last nicht zu schwer, die du täglich auf den Schultern trägst?
Ich sehe es doch, wie du erhobenen Hauptes durch die Straßen gehst, dir etwas vormachst und sagst, dass du gerne so lebst. Ich seh’ es doch. Ich sehe, wie du heimlich auf andere schielst, mich in scheinbar unauffälligen Momenten ansiehst. Sehe es, wie du den Mund öffnest und wieder schließt, weil du dir nicht eingestehen willst, was du schon lange weißt. Ich sehe es, wie du unauffällig nach meiner Hand greifst, beziehungsweise es versuchst, aber die Bewegung abbrichst, weil du ja eigentlich Gefühle verfluchst. Ich sehe, dass du eigentlich anders bist, als du willst, aber es nicht zu lässt, weil du Angst hast, dass dich jemand verletzt.
Denn ja, manche Menschen reißen Wunden auf, die doch gerade erst verheilt sind. Manche fügen neue hinzu, deren Schmerzen weder ertragbar noch zu teilen sind. Manche Menschen brechen dir dein Herz, du flickst es wieder, bloß um es nochmals und nochmals und nochmals zerbersten zu sehen. Manche teilen dein Leid und andere schenken dir ihr’s. Und ja, du kannst es probier’n, alles und jedem aus dem Weg zu gehen. Du kannst es probieren, Gefühle und dich hinter Ausreden und losen Floskeln zu verstecken und Hoffnungen und Träume im Keim zu ersticken. Aber mich kannst du nicht täuschen.
Denn ich sehe, wie du durch die Straßen gehst und dein Päckchen heimlich auf den Schultern trägst.
Aber am Ende bleibst du du und ich ich und ich frage mich: Bist du nicht einsam, wenn du morgens aufwachst, den Tag erlebst und wieder schlafen gehst? Bist du nicht einsam, wenn du niemandem erzählst, was du wirklich denkst? Und dir nicht mal selbst eingestehst, was in Wirklichkeit in dir vorgeht?
Ja, am Ende bleibst du du und ich ich. Aber ich sehe dich und alles, was du bist.