Symbolik in "Das Böse in Dir"
âDer Hass hĂ€lt die Leute hier am Laufen, besser als jedes Kohlekraftwerk.â
Hohenweiler ist ein Dorf, das durch den jahrelangen Bergbau und die damit verbundenen Auswirkungen stark geprĂ€gt ist. Das Dorf wurde âam Leben erhaltenâ, so lange sich der Bergbau rentiert hat. Seit dies nicht mehr der Fall ist, wird es sich selbst ĂŒberlassen und verfĂ€llt. Die in den Bergwerken abgebaute Kohle hat tiefe Gruben unter dem Dorf hinterlassen. Gruben, die durch ihre InstabilitĂ€t teilweise fĂŒr Erdbeben sorgen und nun geflutet werden sollen.
Die Kohle ist hierbei das stabilisierende Element, das die Region und das Dorf einst zusammenhalten lieĂ. Nun steht der zerklĂŒftete Untergrund stellvertretend fĂŒr die scheinbar unĂŒberwindbaren KlĂŒfte, die sich zwischen den Familien Feidt und Louis gebildet haben.
âJeder Fluss hat eine Quelle.â
Ist das Grundwasser unter Hohenweiler durch die Schadstoffe im Bergwerk erst einmal verunreinigt, ist es nur schwer, derer Herr zu werden. Von der Quelle ausgehend, breitet sich die Schadstofffahne immer weiter aus. Ebenso ist es mit dem Hass. Ist dieser erst einmal vorhanden und Teil der Gemeinschaft, breitet er sich aus und ist schwer zu kontrollieren. Er wird Teil des Kreislaufes, so wie die Verunreinigung im Grundwasser Teil des Wasserkreislaufes wird und irgendwann an einer Quelle zu Tage treten wird.
Dem Grundwasser sieht man nicht an, womit es verunreinigt wurde. Es flieĂt unterirdisch, genauso wie der Hass im Dorf unter der OberflĂ€che schwelt. Man kann das verunreinigte Grundwasser noch abpumpen, reinigen und zurĂŒckfĂŒhren, doch das ist keine Lösung auf Dauer. Das unterbricht den Kreislauf nicht, genauso wenig wie Clemens Verhalten, die Geschichte von Beckys Tod zu vertuschen, den Kreislauf des Hasses bricht. Durch seine selbst auferlegte Rolle als neutrale Person versucht er den Hass unter Kontrolle zu halten. So wie das Abpumpen des Grubenwassers das Problem der Grundwasserverunreinigung temporĂ€r unter Kontrolle hĂ€lt.
EindĂ€mmen lĂ€sst sich die Verunreinigung und so auch der Hass nur, indem man die Quelle selbst beseitigt. Ein langwieriger, aufwĂ€ndiger Prozess, der in Hohenweiler aussichtslos scheint, weil niemand mehr genau weiĂ, wo die Quelle des Hasses liegt.
âDeshalb wird er weitergegeben. Mit stolzer Tradition.â
Im Dorf weiĂ niemand mehr genau, wer oder was eigentlich genau âdas Böseâ ist. Die Tatsache, dass immer die anderen die Bösen sind, wird seit Generationen an die Kinder weitergegeben. Sie wachsen damit auf; der Hass gehört zum Alltag und wird nicht hinterfragt.
Diesen Kreislauf aus Gewalt, die Weitergabe des âBösenâ in einem selbst, kann man nur selbst brechen. Man kann dem Hass nur durch das eigene Handeln ein Ende setzen und ihn nicht an die nachfolgende Generation weitergeben.
Wir sehen mehrere AnsĂ€tze, wie die Bewohner*innen von Hohenweiler versuchen, mit der Tradition des Hassens zu brechen. Katja heiratet Clemens, sie bekommen einen Sohn, der im Dorf nicht als gewalttĂ€tig dargestellt wird. Clemens selbst versucht sich als die Schweiz in der NeutralitĂ€t, wĂ€hlt dabei aber den falschen Ansatz â Vertuschung statt Wahrheit. Esther verlĂ€sst das Dorf, bevor sie selbst etwas tun kann, das sie ihr Leben lang bereuen wĂŒrde. Michel Louis akzeptiert Claire als die Person die sie ist.
Im Gegensatz dazu steht die Familie Feidt. Emil Feidt hat Becky ausspioniert, hat sie beschuldigt und bedroht. Claudia Feidt ist am Ende diejenige, die die Meute auf Becky hetzt. Gemeinsam haben sie den Hass an ihren Sohn Peter weitergegeben, anstatt fĂŒr sich zu entscheiden den Gewaltkreislauf mit der neuen Generation zu unterbrechen.
âUnd jede Geschichte einen Anfang. [...] Doch so ganz genau weiĂ niemand mehr, wie das Böse in unser Dorf kam."
KontrĂ€r dazu steht das Dorf selbst. Eine StraĂe rein, eine StraĂe wieder raus. Es ist klar definiert, wo Hohenweiler anfĂ€ngt und wo es wieder aufhört. Klare Grenzen, zwischen denen sich die Spirale immer weiterdreht und die nur von wenigen Bewohner*innen des Dorfes ĂŒberschritten und hinter sich gelassen werden.
Niemand weiĂ mehr, wo die Quelle der Gewalt liegt. Genauso wie niemand weiĂ, wo in einem Kreislauf der Anfang, geschweige denn das Ende ist. Jeder Fluss hat eine Quelle, doch ist die Quelle wirklich der Anfang, oder nur ein StĂŒck des Weges?