Nordweststadt. Frankfurt, Germany 1962-1968. Walter Schwagenscheidt (Image by Abisag TĂŒllmann)
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Nordweststadt. Frankfurt, Germany 1962-1968. Walter Schwagenscheidt (Image by Abisag TĂŒllmann)
Alfred-Wegener-Institut. Bremerhaven, Germany 1986. Oswald Mathias Ungers
"Yet all essential planning problems are wicked, [...]"
Horst Rittel. On the Planning Crisis. 1972
Das Ziel jeder Planung ist das Lösen von Problemen.
JĂŒrgen Joedicke. Zur Formalisierung des Planungsprozesses. Stuttgart. 1969
Proposal for an Art Center. Erlenbach, Germany 1962. Le CorbusierÂ
The Training ist directed towards imagination, phantasy and inventiveness, a basic condition for the ever changing industrial scene, to the technology-in-flux. [âŠ] The last step in this technique is the emphasis on integration through the conscious search for relationships. The intuitive working methods of genius give a clue to this process. The unique ability of the genius can be approximated by everybody if one of its essential features be apprehended: the flash like act of connecting elements not obviously belonging together. If the same methodology were used generally in all fields we could have the key to the age - seeing everything in relationship.
LĂĄszlĂł Moholy-Nagy. Vision in Motion. Chicago. 1946
All Problems can never be solved. Indeed it is a characteristic of the twentieth century that architects are highly selective in determining which problems they want to solve. Mies, for instance, makes wonderful buildings only because he ignores many aspects of a building. If he solved more problems his buildings would be far less potent.
Paul Rudolph. Paul Rudolf. For Perspecta. Perspecta 7. 1961
Sipplinger Berg water-treatment plant. Sipplingen, Germany 1958. Hermann Blomeier
Full Scale Model of the Country House âEllenwoudeâ. Wassenaar, Netherlands 1911. Ludwig Mies van der Rohe
Design for Country House âEllenwoudeâ. Wassenaar, Netherlands 1911. Peter Behrens Â
Glaswerk der Thomas Glas- und Porzellan AG. Amberg, Germany 1967. TAC (The Architects Collaborative Inc.), Walter Gropius, Alex Cvijanovic
Jeder, der im praktischen Leben steht, wird es schon manchmal mit Schmerz empfunden haben, daĂ eine frĂŒhere Generation BedĂŒrfnisse, die uns heute als selbstverstĂ€ndlich erscheinen, nicht vorbereitet hat. Der hinter uns liegenden Zeit kann man das nicht zum Vorwurf machen; die GedankengĂ€nge, die wir "StĂ€dtebau" nennen, waren damals noch nicht erkannt. FĂŒr das, was wir heute der kĂŒnftigen Generation gegenĂŒber unterlassen, gibt es diese Entschuldigung nicht mehr. Uns sind die GedankengĂ€nge und die Methoden stĂ€dtebaulicher Arbeit ganz anders ins BewuĂtsein gerĂŒckt. Was wir heute tun, wird man spĂ€ter danach beurteilen, wie wir die Zukunft vorbereitet und fĂŒr ihre Entfaltung die Möglichkeiten freigehalten haben.
Fritz Schumacher. Wesen und Organisation der Landesplanung im Hamburgisch-PreuĂischen Planungsgebiet. Hamburg, 1932
Genossenschaftshaus. Muttenz, Switzerland 1919-1921. Hannes Meyer
UrhĂŒtten der Moderne / Primitive Huts of the Modern Age
Martin Heideggerâs Cabin. Todtnauberg, Germany 1922. Pius Schweitzer
Henry David Thoreauâs Cabin. Walden Pond, USA 1845. Henry David Thoreau
Cabanon. Roquebrune-Cap-Martin, France 1951-1952. Le Corbusier
Co-op Interieur. Germany 1926. Hannes Meyer
âI went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived. [âŠ] I wanted to live deep and suck out all the marrow of life, to live so sturdily and Spartan-like as to put to rout all that was not life, to cut a broad swath and shave close, to drive life into a corner, and reduce it to its lowest terms, and, if it proved to be mean, why then to get the whole and genuine meanness of it, and publish its meanness to the world; or if it were sublime, to know it by experience, and be able to give a true account of it in my next excursion.â Henry David Thoreau, Walden
Todtnauberg, Roquebrune-Cap-Martin, Walden Pond, Co-op Interieur - vier Beispiele von Orten produktiver Einkehr. Gemeinsam ist diesen Minimalarchitekturen, dass mit ihnen der Versuch unternommen wurde, Orte zu schaffen, die als quasi exterritoriale Gebiete die Möglichkeiten fĂŒr ihre Bewohner boten, ihren urbanen Alltag hinter sich zu lassen. Dennoch reprĂ€sentieren diese Architekturen keinesfalls eine Flucht ins Idyll ĂŒberschaubarer LebenszusammenhĂ€nge, sondern dienten vielmehr der Ermöglichung des geistigen Experiments durch radikale Reduktion der eigenen Lebensumgebung. Lag doch weder die HĂŒtte des Philosophen Heidegger in Todtnauberg, noch jene Thoreaus, noch Le Corbusiers Cabanon wirklich fernab der Zivilisation, sondern in deren unmittelbaren Randbereichen - von Hannes Meyers Entwurf einmal abgesehen, der seine enorme Ă€sthetische Wirkung dadurch erhielt, einen zentralen Bereich des gesellschaftlichen Lebens - die Wohnung - in maximaler Reduktion neu zu interpretieren. Martin Heidegger beschreibt die stimulierenden Effekte der selbstgewĂ€hlten BeschrĂ€nkung und der Einkehr auf seine philosophische TĂ€tigkeit 1933 in âSchöpferische Landschaft. Warum bleiben wir in der Provinzâ. Arbeitet sich dieser Text in beinahe klassische Weise an der Stadt-Land-Dichotomie mit den fĂŒr die Zeit ĂŒblichen Argumentationslinien ab, zeigt sich in Heideggers Unterscheidung von Alleinsein und Einsamkeit das Potential bewussten Verzichts: âDie StĂ€dter wundern sich oft ĂŒber das lange, eintönige Alleinsein unter den Bauern zwischen den Bergen. Doch es ist kein Alleinsein, wohl aber Einsamkeit. In den groĂen StĂ€dten kann der Mensch zwar mit Leichtigkeit so allein sein, wie kaum i r g e n d w o  s o n s t. Aber er kann dort nie einsam sein. Denn die Einsamkeit hat die ureigene Macht, daĂ sie uns nicht vereinzelt, sondern das ganze Dasein loswirft in die weite NĂ€he des Wesens aller Dinge."
Durch das Konzept der Reduktion als Grundlage der Möglichmachung des Denkens im eigentlichen Sinne, losgelöst von den Alltagsdingen der bĂŒrgerlichen Gesellschaft, lĂ€sst sich eine Verbindung zu Walter Benjamin herstellen. In seinem berĂŒhmt gewordenen Aufsatz âErfahrung und Armutâ thematisiert Benjamin die Entfremdung von den hohl gewordenen Symbolen der bĂŒrgerlichen Gesellschaft. Benjamin wirft die Frage auf: âDenn was ist das ganze Bildungsgut wert, wenn uns nicht eben Erfahrung mit ihm verbindet? Wohin es fĂŒhrt, wenn sie geheuchelt oder erschlichen wird, das hat das grauenhafte Mischmasch der Stile und der Weltanschauungen im vorigen Jahrhundert uns zu deutlich gemacht, als daĂ wir unsere Armut zu bekennen nicht fĂŒr ehrenwert halten mĂŒĂten.â
Im Erleben der Katastrophe des 1. Weltkrieges erkannte Benjamin einen epochalen Verlust an Erfahrung, der die Menschen ânicht reicherâ, sondern âĂ€rmerâ gemacht hatte. Doch in der damit einhergehenden Sprachlosigkeit die Ă€sthetischen, ethischen und spirituellen Verbindungen in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte betreffend, die sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur latent, sondern unĂŒbersehbar in der Gesellschaft manifestierten, erkannte Benjamin ein produktives Potential. Die an Menschheitserfahrungen verarmten Menschen reprĂ€sentierten fĂŒr ihn eine âneue Art von Barbarentumâ, das sich durch einen semantischen Umwertungsprozess fĂŒr Benjamin zu einem âpositiven Begriffâ entwickelte, denn wohin bringt die âArmut an Erfahrung den Barbaren? Sie bringt ihn dahin, von vorn zu beginnen; von Neuem anzufangen; mit Wenigem auszukommen; aus Wenigem heraus zu konstruieren und dabei weder rechts noch links zu blicken. Unter den groĂen Schöpfern hat es immer die Unerbittlichen gegeben, die erst einmal reinen Tisch machten. Sie wollten nĂ€mlich einen Zeichentisch haben, sie sind Konstrukteure gewesen.â
Der Barbar wird bei Benjamin zum eigentlichen Gestalter, zum Konstrukteur der neuen Zeit. Eine TĂ€tigkeit die ihm erst durch die Reduktion auf seine eigentliches Selbst möglich wird, erst im Ablegen des kulturellen Ballasts entsteht die Möglichkeit einer neuen Kultur, denn es ist nicht so âals ob die Menschen sich nach neuer Erfahrung sehnten. Nein, sie sehnen sich von Erfahrungen freizukommen, sie sehnen sich nach einer Umwelt, in der sie ihre Armut, die Ă€uĂere und schlieĂlich auch die innere, so rein und deutlich zur Geltung bringen können, daĂ etwas AnstĂ€ndiges dabei herauskommt.â
Diese kurze Zusammenstellung geht zurĂŒck auf die sehr hörenswerte Vorlesungsreihe âHeidegger in der Moderneâ von Prof. GĂŒnter Figal an der UniversitĂ€t Freiburg --> Link
âErfahrung und Armutâ in: Tiedemann; SchweppenhĂ€user (1991): Walter Benjamin. Gesammelte Schriften, Band II, Suhrkamp, Frankfurt am Main, S.213-219
âSchöpferische Landschaft: Warum bleiben wir in der Provinz?â in: Klostermann (1983): Martin Heidegger. Gesamtausgabe, I. Abteilung: Veröffentlichte Schriften 1910-1976, Band 13,  Klostermann,  Frankfurt am Main,
Bildungsanstalt Jacques-Dalcroze. Hellerau, Germany 1910-14. Heinrich TessenowÂ
House at Gagfah Estate. Berlin, Germany 1927-28. Heinrich Tessenow
Wooden Mock-Up of the Redesign of the âNeue-Wacheâ-Memorial. Charlottenburg, Germany 1930. Heinrich Tessenow