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Meine Herzensangelegenheit... ❤️
Wir sind alle Kerem Schamberger!
Unsere Generation demonstriert inzwischen nicht nur auf der Straße, sie demonstriert auch über Soziale Netzwerke und Medien. Für Kerem Schamberger in diesem Fall die wirkungsvollste Methode, das Image der Commerzbank zu schädigen. Kerem ist seit Jahren politisch aktiv, ist Kreissprecher der DKP in München und außerdem gewähltes Mitglied der Fachschaft Kommunikationswissenschaft in seinem Studiengang. Was jedoch das Konto seiner Mutter damit zu tun hat, bleibt ein Rätsel.
Seine Mutter, Evelyn Schamberger, war 45 Jahre Kundin der Commerzbank. Am 12. Dezember erhielt sie einen Anruf einer Mitarbeiterin ihrer Bank und wurde dazu aufgefordert, ihrem Sohn die Vollmacht für ihr Konto zu entziehen. Diese wurde angelegt, falls der 62-jährigen etwas zustoßen sollte, die Bank möchte jedoch mit jemandem wie ihm, keine Geschäfte machen. Auf Fragen nach den Gründen für diese Entscheidung wurden keine Antworten gegeben. Nachdem weder Evelyn, noch Kerem Schamberger auf diese Aufforderung reagierten, wurde schließlich das gesamte Konto gekündigt. Die “Erkenntnisse”, die für die Bank eine Kündigung unabdingbar machen, hätten sie von einer “internen Abteilung” erhalten, sie seien jedoch geheim. Da stellt sich die Frage, warum die Commerzbank die Gründe für eine so plötzliche und unbegründete Kontokündigung geheimnistuerisch für sich behält. Warum sie nicht einen nichtigen Grund vorschiebt, um die Gemüter nicht zu erhitzen. Denn genau das haben sie getan. Ich habe mit Kerem gestern Abend gesprochen. Über geheime Informationen, den bayerischen Verfassungsschutz und den Schuss ins Knie der Commerzbank.
Kerem, hast Du die Bevollmächtigung für das Konto Deiner Mutter jemals genutzt?
Ich hab diese Vollmacht seit 2007. Wir sind damals zur Bank gegangen, haben uns ausgewiesen und uns wurde bestätigt, dass ich diese Vollmacht habe. Seit dem Tag hatte ich nie wieder etwas damit zu tun. Es ging mehr darum, dass ich diese Vollmacht proforma habe, falls meiner Mutter etwas passiert. Bis jetzt musste ich aber - zum Glück - nie darauf zurück greifen.
Von wem hat die Bank ihre „Erkenntnisse“ über deine Aktivitäten? Was genau kann man sich unter „interne Abteilung“ vorstellen?
Das ist alles im gewissen Sinne Spekulation. Die Bank äußert sich ja nicht dazu. Was für mich naheliegt, ist, dass der Verfassungsschutz seine Finger im Spiel hat. In einem Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes von 2012 wird mein Name erwähnt. Durch meine politischen Aktivitäten ist mein Name seit 3 Jahren dort bekannt. Ich kann mir vorstellen, dass die Bank ihre Informationen daher bezieht. Was natürlich auch sein kann, dass ein Mitarbeiter in seiner Freizeit besonders fleißig war und auf Youtube oder im Internet über meinen Namen gestolpert ist und mir eins reinwürgen wollte. Oder es gibt politische Listen, von Leuten, denen man aus politischen Gründen keine Konten gibt. Das wäre aber ein Riesenskandal. Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen, aber das wären die einzigen Möglichkeiten, die ich mir vorstellen kann. Was auch sein kann... Dass ist aber wieder nur Spekulation - die Commerzbank gehört zu 17% dem Deutschen Staat. Das wäre dann ein Informationsaustausch zwischen zwei staatlichen Stellen. Auch ein Riesenskandal. Ob sie jetzt einen Tipp bekommen haben, oder zufällig auf meinen Namen gestoßen sind, es ist sehr komisch, dass sie das Konto meiner Mutter kündigen und nicht meines.
Könnte Deine Rede von 2011 Grund für die Kündigung sein?
Das wäre auch eine witzige Spekulation, dass ein Commerzbank - Mitarbeiter zufällig über das Video auf Youtube gestolpert ist. Aber das, was ich in der Rede sage ist nicht so besonders - so denken viele Menschen. Ich bin kein großer Fisch in der linken Szene. Ich frage mich, warum das ausgerechnet mich getroffen hat.
Ist das in einem Rechtsstaat akzeptabel? Was sollte es für Konsequenzen geben?
Interessant ist, das der Bundesgerichtshof vor einenhalb Wochen ein Urteil gefällt hat, welches Banken die Möglichkeit gibt, Giro Konten ohne Begründung zu kündigen. Das Urteil richtete sich ursprünglich gegen einen Nazi, der seinen Versandhandel über die Commerzbank laufen ließ. Aber wie schon so oft in der Geschichte, trifft die Anwendung jetzt Linke.
Wir werden nicht rechtlich vorgehen. Unser Ziel ist es, in einer Art Öffentlichkeitskampagne, die Commerzbank infrage zu stellen und zu sagen: So geht das nicht! Es geht mir nicht nur um diese eine Bank, sondern um das gesamte Wirtschaftssystem. Ich will deutlich machen, dass das so nicht weitergehen kann. Ich bin Kommunist und kritisiere das gesamte Wirtschaftssystem.
Was forderst Du vom bayerischen Verfassungsschutz?
Ich fordere die komplette Auflösung vom Verfassungsschutz. Spätestens nach den NSU-Morden ist deutlich geworden, dass der Verfassungsschutz absolut illegitim ist und sofort aufgelöst gehört.
Die Bank hat bis jetzt keine Auskunft gegeben, außer dass sie unter den vorliegenden Bedingungen keine Geschäftsbeziehung bestehen haben wollen. Sie hat auch heute auf ihrer Facebook Seite gepostet, dass sie keine Auskunft geben möchte. Weißt Du mehr?
Uns haben sie gesagt, sie können mich nicht mehr als Bevollmächtigten akzeptieren. Die Gründe sind geheim, die dürfen sie uns nicht sagen. Das heißt, die Bank hat Kenntnisse, die sind aber so geheim, dass sie nichts sagen dürfen. Deshalb vermute ich, dass der Verfassungsschutz dahinter steckt. Wenn sie einfach sagen würden, meine politischen Aktivitäten seien für sie nicht akzeptabel, deshalb müssen sie das Konto kündigen, wär das was anderes. Die Gründe sind politischer Natur. Sie können nicht sagen, sie kündigen jeden, weil er Kommunist ist. Dann ist noch wichtig, woher sie die Informationen haben, wenn sie anscheinend nicht sagen dürfen woher.
Was erwartest Du Dir von der medialen Präsenz, die das Thema gerade erfährt?
Ich erwarte mir, dass die Commerzbank einen Image - Schaden davon bekommt. Momentan hat sie ja eine klassische PR Kampagne am laufen, weil sie generell schon ein schlechtes Image hat. Diese dürfte aber nicht aufgehen, mit der Präsenz, die das Thema der Kontokündigung gerade erlebt.
Danke für das Gespräch, Kerem!
Bitte, gerne!
Wie schon im Interview erwähnt, hat die Commerzbank auf ihrer Facebook Seite nochmals gepostet, dass sie leider keine Auskünfte geben darf. Die Kommentare unter diesem Post sprechen für sich. Von "Bitte haben Sie auch Verständnis dafür, dass man Sie als Bank nicht mehr guten Gewissens empfehlen kann.", über: "Ist Commerzbank nicht das Institut, in das die Hausbank der Nazis (Dresdner Bank) eingegangen ist, dass bellizistische Veranstaltungen wie die Münchner Sicherheitskonferenz finanziert und dem wir kürzlich Unmengen an Steuergeldern einführen mussten?", bis hin zu: "Ihr kündigt uns? WIR kündigen EUCH! Werde mir nächste Woche extra einen Tag frei nehmen um meine Konten bei Ihnen aufzulösen. Nachahmung ist erwünscht und wird auch so im Bekanntenkreis weiter gegeben!".
Das spricht natürlich nicht unbedingt für das Image einer Bank. Kerems Plan scheint aufzugehen. Die Frage nach dem Warum, lässt sich leicht beantworten: Eine Bank ist für uns eine Institution, wo unser Geld verwahrt wird und wo wir maximal über den gestrigen Kontoauszug, über das Wetter, oder über ein neues Auto sprechen. Und sprechen möchten. Alles andere geht die Bank genau nichts an. Unsere politische Ausrichtung, unsere Religion, Essensgewohnheiten, Beziehungsprobleme, all die Dinge, die eine gewisse Grenze überschreiten, hat unsere Banken nicht zu interessieren. Die Commerzbank geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie besitzt nicht nur Informationen über die politischen Aktivitäten eines Kunden - nein, Moment, des SOHNES einer Kundin, nein, die "Erkenntnisse" werden sogar gegen sie verwendet, in Form von einer Kündigung. Da taucht natürlich noch eine Frage auf: Wird jetzt morgen auch mein Konto gekündigt, weil ich vorgestern die falschen Socken angezogen habe? Darf ich mich auf einer Demonstration nun nicht mehr blicken lassen, weil ich sonst fürchten muss, dass ich nächste Woche kein Konto mehr habe? Muss ich fürchten, dass das Konto meiner Mutter oder meines Vaters gekündigt wird, weil ich zu laut "Revolution" gesagt habe? Das darf in meinen Augen auf keinen Fall passieren.
Danke, Pêşkevin Yilmaz Pêşketin für diesen treffenden Kommentar: Wir sind alle Kerem Schamberger!
Herr Professor ❤️
Authentizität als Illusion / Veganer scheißen auch kein' Feenstaub
"Ein Veganer der Porsche fährt ist genauso wenig schlecht wie ein Mensch, der ab und an Biofleisch ist. Wir sind alle nicht perfekt! Ja, ich bleibe im Herzen ein Biker und lass meine Raubkatze in der Stadt überwiegend stehen, ich spende fünfstellige Summen ans Tierheim, aber ich lass mir nicht so reinquatschen. (...) Nein, ich werde niemals eurem Bild eines Veganers entsprechen!", postete Attila Hildmann vor 8 Tagen auf Facebook. (https://www.facebook.com/AttilaHildmannOfficial?fref=ts)
Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr vegetarisch und seit einem Jahr vegan . Wenn ich will, das etwas besser wird, muss ich zuerst bei mir selbst anfangen, hab ich mir immer gedacht. Und wenn ich sehe, was geschieht, hab ich Bilder im Kopf, die mich nicht vergessen lassen, was hinter den Kulissen passiert und die mich vergessen lassen, wie "gut" Milch und Eier eigentlich schmecken. Also esse ich keine tierischen Produkte mehr und bin gerade dabei, meine Kosmetikartikel komplett auf vegane Produkte umzustellen. Aber ja, ich trinke noch ab und zu Apfelsaft, der mit Gelatine geklärt wurde, habe 30 Paar Sneaker zuhause, von denen 80% unter anderem aus Leder bestehen und ich füttere meine Hunde (noch) mit Rohfleisch vom regionalen Bauernhof. Achja, von den Wollsocken ganz zu schweigen. Ich bin kein Gutmensch. Und ich habe trotzdem ein schlechtes Gewissen. Dann schwanke ich wieder zwischen "Nur soviel, wie der eigene Wille verträgt." und "Wieviel ertrag ich noch?". Ich taumle meine Gedankengänge entlang, will Stärke beweisen und tun was ich denke. Und dann denke ich wieder nur. Eins nach dem andern und kein Zwang in Sicht. Noch mehr Herzblut für die Sache oder herzloses Umsetzen von Prinzipien. Ein Dilemma, welches nie ein Ende haben wird, je tiefer man in die Materie taucht und sich die Ziele immer neu steckt. Und da ich das vorhabe, muss ich mich entscheiden. Ein Leben lang innere Zerrissenheit oder mit jedem Schritt zufrieden sein und das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Da fällt die Entscheidung nicht schwer. Auf Herzobjekte lässt sich schwer verzichten, aber das Leben besteht aus Kompromissen. Auch, wenn wir das oft nicht sehen wollen.
Jeder Verzicht geschieht bei mir aus einer Notwendigkeit heraus. Somit ist es kein Verzicht mehr, sondern unumgänglicher Boykott. Ich bin selbst gespannt, wie weit dieser Boykott geht.
Mit Konsequenz haben wir generell schwer zu kämpfen, fällt mir immer wieder auf. (mit wir meine ich MICH, mein Umfeld, nein, nicht "unsere Generation", jeder von uns) Bei Amazon bestellen wir nicht mehr, weil sie unter soooo schlimmen Bedingungen produzieren lassen, aber wenn wir bei H&M die Organic Cotton Collection kaufen, fühlen wir uns gut, weil Bio ist gut und das ist ja irgendwie Bio, oder? Alles was billig ist, ist gleich Kinderarbeit oder zumindest menschenunwürdige Arbeit und das darf man auf keinen Fall unterstützen. Drum kaufen wir ab und an in Second Hand Läden in der Burggasse oder auf 'nem coolen Flohmarkt und sind stolz auf unsere Vintage Schnäppchen. Aber um alles nur noch gebraucht zu kaufen, sind wir zu eitel. Dann kommt der nächste Skandal in den 8 Uhr Nachrichten und ein Facebook Post folgt dem nächsten, niemand kann es glauben, alle wissen es schon längst und am nächsten Tag bleibt nur ein leicht bitterer Nachgeschmack und der Schock wird abgelöst vom neuen Musikvideo des Lieblingssängers. Und der wiederum vom neuen iPhone, weil "das kann man dann so easy mit dem Mac synchronisieren!".
Sind wir jetzt schlecht, weil wir nicht alles auf einmal richtig machen, oder gut, weil wir zumindest drüber nachdenken? Es wird so viel Wert auf Bewusstsein gelegt. Sobald etwas bewusst gemacht, gegessen, gekauft wird, ist es in Ordnung. Wenn genau dasselbe gemacht, gegessen, gekauft wird, aber ohne darüber nachzudenken, ist es verantwortungslos. Ich ernte schiefe Blicke, wenn ich mir als Veganerin eine Zigarette anzünde und mein Red Bull aufmache. Das ist ja so ungesund! Darf ich nicht selbst bestimmen, wo ich in meinem Leben die vorübergehenden Grenzen setze? Und da sind sie schon wieder, die Schubladen. Aber Moment, Menschen, die in Schubladen denken, kommen gleich in die Schublade "Menschen, die in Schubladen denken".
Bratislava street style
Streets of Seoul
every mon and funday
every tues and juiceday
every wednes and danceday
every thurs and worseday
every fri and cryday
every satur and motherday
every sun and snowday