An den unbekannten Mann
Ich habe mich immer gefragt, wie du weiter machst.
Wie du damit leben kannst.
Mir riss es den Boden unter den Füßen weg, als wäre ich in ein tiefes Loch gefallen.
Als würde sich die Welt einfach weiter drehen, aber ich mich nicht.
Wie ein Film, der an mir vorbeiläuft.
Und immer wenn ich weiterlaufen wollte, holte mich dein Schatten ein.
Ich wollte aufgeben, mich einfach von diesem Loch verschlingen lassen.
Es schien mir kein Morgen mehr zu geben.
Aber dann knurrte mein Magen.
Und irgendwas in mir wollte weiter machen.
Nicht weiter mich zu verabscheuen, sondern Dich!
An den unbekannten Mann.
Ich hatte Angst.
Ich hatte so viel Angst, das ich mich nicht bewegen konnte.
Du hast viel in mir verletzt, aber nichts davon ist kaputt gegangen.
Ja, am Anfang dachte ich, ich hätte viel verloren,
aber so viel Macht gebe ich dir nicht.
Du hast die Grenzen überschritten, du hast die Fehler gemacht.
Das war deine Schuld.
Ganz alleine deine Schuld.
Also sag mir, wie kannst du damit leben?
Was würde ich dir sagen, wenn ich vor dir stehen würde?
Ich habe es mich so oft gefragt und ausgemalt.
Wahrscheinlich würde ich kein Wort rausbekommen, weil meine Angst wieder durch meinen ganzen Körper strömen würde.
Und ich hoffe trotzdem, ich würde dich anschreien, denn das hättest du verdient.
Du hast lang genug meine Gedanken beeinflusst, jetzt hole ich sie mir wieder zurück.
Ich habe überlebt.
Nicht, weil es leicht war,
sondern weil ich stärker bin, als du je gedacht hast.
Ich werde immer eine Wunde in mir tragen, aber die Wunde trägt nicht mehr mich.
Ich habe überlebt.
Ich schaue in den Spiegel und schenke mir ein Lächeln.
Zum ersten Mal schaue ich mich an und kann mir sagen, dass ich mir wichtig bin.
An den unbekannten Mann.
Mir ist ganz egal, wo du herkommst oder wer du bist.
Mir ist klar geworden, wie viel wichtiger ist, wer ich bin und das ich immer an erster Stelle stehe.
Das was du getan hast war Gewalt, und nur du bist dafür verantwortlich.
Nur du.











