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@machmaleiser
Eine die Zeiten überdauernde Eigenschaft der Deutschen scheint es zu sein, daß Schwäche nicht ihr Mitleid weckt oder sie wenigstens gleichgültig läßt, sondern ihren Verfolgungseifer reizt. Ob es Feigheit ist, oder ob es damit zusammenhängt, daß sie am anderen ausrotten müssen, was sie selbst im Übermaß haben, ohne es sich eingestehen zu dürfen, nämlich Unlust, Unfähigkeit, Unlebendigkeit, kurz alle Attribute des Untergangs und des Todes - jedenfalls können sie keinen am Boden liegen sehen, ohne nach ihm treten zu wollen.”
Wolfgang Pohrt - Das Jahr danach, S. 194. (via noxe)
Wenn der Deutsche der Umwelt helfen will, wäscht er seinen individuellen Joghurtbecher aus und spricht mit Bäumen, während der Chemiekonzern unbehelligt weiter Dreck in den Fluss leitet. Wenn der Deutsche eine Raketenaufrüstung verhindern will, legt er sich zu Hunderten wie tot vors Freiburger Münster und hofft, das werde auf die Nato-Führung Eindruck machen. Derzeit begrüßt er Flüchtlinge. Er wird bald von ihnen enttäuscht sein wie von der Umwelt, von der Nato und überhaupt von allem, das sich nicht um seine Gesinnung schert.
Dietmar Dath: Deutschstunde bei Botho Strauß, FAZ, 7.10.2015. (via eyhier)
Siebzig deutsche Jahre: keine Rache, keine Revolution, stattdessen Reprisen mit Happy End. Deutschland hat sich aufgearbeitet, seine Lehren gezogen, seinen Frieden gefunden. Und es ist endlich wied...
(…) Neben diesem ideologischen Kitt gilt als Geschäftsgrundlage des neuen Deutschlands etwas, das auch schon die alte Volksgemeinschaft auszeichnete: das Diffundieren von Staat und Gesellschaft. Wir erleben dies aktuell beim „Refugees Welcome“: statt ein verbindliches Recht auf Asyl und ein Leben in Würde, das der Staat zu garantieren hat, politisch einzufordern, bestimmen zivilgesellschaftliches Engagement, freiwillige Hilfe und großherzige Spenden das Bild. Ohne sichtbaren Protest kann dieser Tage eine ganz große Koalition die verbindlichen und einklagbaren Rechte der Flüchtlinge demontieren, während die Zuwendungen der privaten Helfer noch als gutgemeinte Almosen fungieren, die gleichwohl emotionalen Konjunkturen unterliegen. Zwar mangelte es diesem Staat ja zu keiner Zeit an finanziellen oder logistischen Mitteln, und es wäre stets die vornehmste Aufgabe des Staates, die Flüchtlinge zu versorgen und ihre Rechte zu garantieren, und doch wurde deren Aufnahme von Anfang an als nationale Kraftanstrengung und als kollektive Leistung verstanden. „Wir schaffen das!“, meinte die Kanzlerin. Und es es lohnt sich ja auch: Es winkt moralischer Profit. (…) Weil man so zum Nutznießer des Sterbens und des Flüchtens wird: Refugees Welcome heißt: Wir sind die Guten. No War heißt: Wir sind die Guten. Politische Prozesse à la Deutschland statt militärisches Eingreifen à la Amerika heißt: Wir sind die Guten! Noch nie konnten „wir“ uns so gut fühlen. (…)
PDF Wir sind die Guten, 26.09.2015
«Iranische Revolutionsgarden kündigen erneut Israel-Vernichtung an». Das ist eine Ueberschrift im Standard. Juckt niemanden wirklich. Goebbels wusste es, man muss nur oft genug ankuendigen, dass man ein Menschheitsverbrechen zu begehen plant. Und es dann begehen. Derweil jammern sie in Europa ueber das Ende Europas und wo denn die europaeischen Werte geblieben seien … und fahren alle zum Haendeschuetteln nach Teheran. Der naechste Holocaust wird mit Ansage stattfinden und unter taetiger Mitwirkung der Europaer und amerikanischen Demokraten. Das letzte Mal konnte man sich rausreden, man habe es nicht kommen sehen. Diesmal wird nicht einmal das gehen. Aber vielleicht wird es dann ein paar Bilder von toten israelischen Kindern geben und die entsprechenden Artikel dazu. Zum Teilen auf Facebook.
Thomas Osten-Sacken. (via remifentanil)
Here are The Onion’s first date ideas.
Salisbury by Wales Patterson
“Seit alle Hoffnungen der Schulkinder schon auf den von der Rente gesicherten Lebensabend zielen, seitdem hat sich der Geist der Utopie ins Hausgespenst des Altersheims verwandelt.” - Wolfgang Pohrt
Es gibt auch noch gute Nachrichten
Jürgen Klopp ist immer noch arbeitslos +++ In den vergangenen 20 Sekunden wurde in Deutschland keine Flüchtlingsunterkunft angezündet +++ Schalke 04 wird auch in der aktuellen Saison nicht deutscher Meister +++ Sigmar Gabriel wird in dieser Woche zwei Interviews weniger geben als ursprünglich geplant +++ Irgendwann wird Joachim Gauck nicht mehr Bundespräsident sein – man muß nur lange genug warten +++ Die Sendung “Günther Jauch” macht noch bis zum 27. September Sommerpause +++ Helmut Markwort kam gerade auf einen “neuen” Gedanken, den er aber nicht veröffentlichen wird, weil er ihn zum Glück schon wieder vergessen hat +++ Boris Becker plant derzeit keine neue Autobiographie +++ Günter Grass ist nach wie vor tot (Stand: Montagmorgen) +++
»Die Subjektform garantiert nicht den kapitalproduktiven Gebrauch des Individuums, obwohl sie es dafür präpariert und zurichtet. Als formelles Subjekt ist es nicht Herr seiner Identität, denn es hat keine Substanz. Seine Substanz als materielles Subjekt dagegen - die Arbeitskraft - ist variables Kapital, dh. lebendige Darstellung der Selbstverwertung des Werts. Sein Inhalt ist das Nichts, die bloße Funktion, und seine Perspektive daher der Tod. Es kann seine Stabilität, wenn auch prekär, überhaupt nur sichern, wenn es sich doppelt abgrenzt, wenn es sich distanziert von den Unmenschen und von den Übermenschen, wenn es rassistisch und antisemitisch fühlt, denkt und agiert. Rassismus und Antisemitismus sind die Formen, in denen das Subjekt sich zum Verkauf zur Schau stellt, in denen es seine Ausbeutungswilligkeit und Beherrschbarkeit demonstriert. Als Subjekt hat das Individuum seinen Gehalt nicht an sich selbst, sondern einzig im Vollzug seiner Funktion: Charaktermaske des durch den Tausch hindurch sich verwertenden Kapitals zu sein. Seine Identität ist Prozeß, sein Wesen liegt außehm. So muß es den unmöglichen Versuch wagen, sein außerhalb liegendes Wesen sich einzuverleiben, und es verschreibt sich daher dem Ziel, die Kapitalproduktivität als Fleiß und die Staatsloyalität als Treue sich anzueignen. Fleiß und Treue sind die psychischen Introjekte seiner kapitalen Brauchbarkeit, aus deren Besitz es dogmatisch ein "Recht auf Arbeit" ableitet. Es erhofft, darin seine Existenz und Reproduktion nicht mehr seiner kapitalen Funktionalität, sondern vielmehr seiner selbstgesetzten Qualitäten, einer autonomen Entscheidung zu verdanken, d.h. seinem "Deutschtum". Unter der Form des Subjekts tastet sich das Individuum beständig darauf ab, ob seine Stofflichkeit der Funktionalisierung genügt. Es beargwöhnt sich als ungenügend und mangelhaft. Sein Selbstbewußtsein ist Selbstmißtrauen, sein Selbstgefühl das der "Minderwertigkeit" und Überflüssigkeit im Angesicht des Werts. Diese Angst zuzulassen, das hieße, dem Nichts sich zu konfrontieren, der totalen Entwertung. Die faschistische Flucht nach vorn radikalisiert das permanente Selbstmißtrauen dieses Subjekts zum rassistischen und antisemitischen Generalverdacht und heilt es derart. Die Sucht nach der kapitalistischen Verwertung seiner selbst eskaliert zum Wahn der Vernichtung.«
Bruhn, Joachim: "Typisch deutsch" - Christian R. und der linke Antirassismus. In: Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. ca ira, Freiburg i. B., 1994.
Der alte Jimmy Connors. Geht eigentlich immer.
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»Dies schrieb Hannah Arendt über die Flüchtlingskatastrophen nach Ende des Ersten Weltkrieges, die Millionen von Staatenlosen hervorbrachten: „Dass es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben – und dies ist gleichbedeutend damit, in einem Beziehungssystem zu leben, in dem man aufgrund von Handlungen und Meinungen beurteilt wird –, wissen wir erst, seitdem Millionen Menschen aufgetaucht sind, die dieses Recht verloren haben und zufolge der neuen globalen Organisation der Welt nicht imstande sind, es wiederzugewinnen.“
Und Arendt stellte völlig richtig fest, dass die Idee des Asylrechtes, das ja auf der Idee basiert, jemand werde individuell politisch für seine Taten oder Haltungen verfolgt, scheitern müsse, wenn Staaten oder andere politische Akteure beginnen, Hunderttausende, gar Millionen zu verfolgen, nur weil sie zur falschen Ethnie oder Konfession gehören. Wenn, wie heute, ganze Regionen zerfallen und annährend 15 Millionen Menschen im Nahen Osten auf der Flucht sind, dann ist ein ganzes System kollabiert. Und selbstredend kann das Nadelöhr des Asylrechtes nicht die Antwort sein. Dazu reicht ein Blick in Hannah Arendts Schriften. Abschottung, Abschiebung, Repressive Grenzregime sind, selbst wenn man sie wollte, ebenso zum Scheitern verurteilt … logistisch, praktisch, vom moralischen Aspekt gar nicht zu sprechen.
Was gerade geschieht, ist die Quittung für das völlige Versagen europäischer Außenpolitik an ihren südlichen und östlichen Grenzen. Und nur wenn man beginnt zu verstehen, welche Ausmaße dieses Versagen angenommen hat, dass die Millionen, die heute irgendwo in IDP oder Flüchtlingslagern vor sich hin vegetieren sich auf den Weg gemacht haben, weil sie die Hoffnung verloren haben, dass sie in absehbarer Zeit eine Zukunft in ihren Herkunftsländern haben könnten, wird man sich die Dimensionen dessen, was noch kommt, überhaupt klar machen können.
Ein paar wohlmeinende Aufrufe wirken da - auch das hat Arendt schon damals treffend formuliert- nur hilflos, ja fast kindisch. Es geht, wie sie richtig schreibt, um die globale Organisation der Welt, und um das Recht Rechte zu haben.
In Heidenau und weiteren sächsischen Käftern randalieren die Nazis, anderswo sammeln weit nettere Leute Essen und Decken für die Flüchtlinge. Und immerhin meinen 60% der Landsleute man könne mehr Flüchtlinge aufnehmen, was vor zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Das sagen sie bei 500.000 Flüchtlingen, während die meisten Medien, anders als zu Zeiten von Rostock Lichtenhagen, sogar fast wohlwollend über die tragischen Schicksale derer berichten, die es bis hierher geschaftt haben. Wie aber wird es aussehen, nachdem eine Million gekommen ist?
Darüber sollte man nicht vergessen, dass, und es wurde oft genug gesagt und nicht gehört, Syrien weit mehr ist, als ein Bürgerkriegsland, aus dem die meisten dieser Flüchtlinge stammen. Syrien steht für den Zusammenbruch einer internationalen Ordnung, die fürchterlich bigott und verlogen war, aber immerhin so tat, als hätte es so etwas wie eine Ordnung nach dem Ende des Kalten Krieges gegeben, mit all dem Gerede von Menschenrechten, ‘Nie Wieder’, ‘Duty to project’ und so weiter und so fort.
Und nun beginnt man sie zu sehen und zu spüren, die Konsequenzen, ob in Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge oder beim Besteigen eines Schnellzuges in Europa.
Es ist dies eine Geschichte vom großen Scheitern. Und nun gilt es, das Asylrecht, dass keine Antwort ist, zu verteidigen, wo möglich den Nazis und dem Mob entgegenzutreten, vielleicht einer Flüchtlingsfamilie konkret zu helfen, wieder und wieder die zynische Dummheit europäischer Politik anzuprangern, Geld zu sammeln, für die, die trotzdem in Syrien ausharren - und zugleich zu wissen, dass nichts davon auch nur ansatzweise ersetzen könnte, was eine ein wenig bessere Organisation der Welt im Sinne Hannah Arendts wäre.« Thomas Osten-Sacken
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