»Wir streben zum Tod wie der Pfeil zum Ziel, und wir verfehlen es nie, der Tod ist unsere einzige Gewißheit, und wir wissen stets, daß wir sterben werden, ganz gleich wann und ganz gleich wo, ganz gleich auf welche Weise. Denn das ewige Leben ist ein Unsinn, die Ewigkeit ist nicht das Leben, der Tod ist die Rast, nach der wir trachten, Leben und Tod sind verbunden, die, welche etwas anderes verlangen, fordern das Unmögliche und werden nichts als Rauch ernten. Wir, die wir uns nicht mit leeren Worten zufriedengeben, sind bereit zu verschwinden, und wir freuen uns unserer Fügung, wir haben nicht gewählt, geboren zu werden, und wir schätzen uns glücklich, dieses Leben nirgendwo zu überdauern, das uns mehr auferlegt als gegeben wurde, ein Leben voller Sorgen und Schmerzen, mit zweifelhaften oder schädlichen Freuden. Daß ein Mensch glücklich sei, was beweist das schon? Das Glück ist ein Sonderfall, und wir kümmer uns ausschließlich um die gattungsüblichen Gesetze, von ihnen ausgehend stellen wir unsere Überlegungen an, sie sind es, über die wir nachdenken und die wir vertieten, wir verachten jeden, der das Wunder sucht, und wir sind nicht scharf auf Glückseligkeiten, unsere Gewißheit genügt uns, und unsere Uberlegenheit ist nirgendwo sonst beschlossen.«
Albert Caraco, Brevier des Chaos, S. 7, München 1986.