Exkurs: Bioladen
Gestern: mein erster Besuch im örtlichen Hofladen. Eher ein Mini-Bioladen. Modern, hĂŒbsch, sauber. Es gibt Obst und GemĂŒse (viel, frisch, Bio) und andere Lebensmittel des tĂ€glichen Bedarfs (nur das Nötigste: Nudeln, Quark, Eier, Brot, Milch, KĂ€se...).
Ich komme in den Laden und instant: GlĂŒck. Was ich hier erlebe kontrastiert so herrlich mir verhasste GroĂmĂ€rkte (Kaufland!) - es gibt, was man braucht. Kein Auswahl. Kein Suchen. Kein lĂ€stiges, letztlich unbefriedigendes Vergleichen. Eine Milch. Drei Sorten Joghurt. Ich bin glĂŒcklich.
âHalloâ, sage ich. âIch bin heute zum ersten Mal hier. Wie funktioniert das hier?â Die Frau, die mich bedient: Mitte 40, gepflegt, gut gekleidet. Angenehm. Ich lausche ihren AusfĂŒhrungen zu Salatsorten, schaue ihr in die Augen, schaue ihr auf die HĂ€nde, die den Salat halten, beinahe zĂ€rtlich die BlĂ€tter auseinanderbiegend. âIch probier mal den bunten aus, glaub ichâ, sage ich.
______________________________________________________________
Warum: Schlechtes Gewissen? Wachsendes Bewusstsein? Der Widerspruch: âKauft regional, saisonalâ in der Schule, danach: Kurztrip zu Aldi.
______________________________________________________________
Salat, eine Gurke, zwei Karotten, eine handvoll Champignons, ein Brot. Ich bekomme noch eine Aprikose geschenkt, âauf den Wegâ. Teuer, das. Manche sagen ja, es sei ein GerĂŒcht, dass Bio so teuer ist. Ein GerĂŒcht, wenn Sie mich fragen.
Zuhause rĂŒhre ich eine SalatsoĂe an. Ausnahmsweise gebe ich mir MĂŒhe: weniger JoghurtssoĂe, mehr Vinaigrette. Werfe den Salat ins Wasser. So zart! GlĂŒcklich rĂŒhre ich den weichen Salat im kĂŒhlen Wasser mit den HĂ€nden umher. Ausnahmsweise nehme ich den Salatseiher aus dem Schrank. Vielleicht zum ersten Mal, seit ich hier wohne, nehme ich den Salat nicht einfach in die HĂ€nde und schĂŒttle ihn grob. Ich lege ihn zart in den Seiher. Zart rĂŒttle ich am Seiher. Zart nehme ich in heraus und lege ihn in die SchĂŒssel. Die Gurke. Die Schale lass ich dran. Ist ja Bio. Ausnahmsweise nehme ich den GemĂŒsehobel raus und hoble die Gurke in feine Scheiben, anstatt sie hektisch zu zerhacken. Das letzte StĂŒck beiĂe ich vorsichtig ab. Meine Geschmacksnerven reagieren prompt und erstaunt. FĂŒr gewöhnlich schmeckt Gurke nicht.
Danach die Karotte. Ich beiĂe versuchsweise ab. WĂŒrzig! Die Karotte ist biegsamer, zugleich schwerer, saftiger, als ich es kenne. Ich angle gleich noch ein StĂŒck aus der SchĂŒssel.
Mein Freund kommt. âTeurer Bio-Salat!â, kĂŒndige ich das Produkt meiner BemĂŒhungen an. Wir essen. Wir sind uns einig: Es schmeckt, sehr sogar.
Schmunzeln muss ich trotzdem. Ist es die Liebe, mit der ich den Salat zubereitet habe - das Mehr an MĂŒhe, das ich mir mit der SalatsoĂe gegeben habe - die Neugier, mit der ich jeden neuen Bisschen probiere, in der Hoffnung, noch eine neue Geschmacksnuance zu erwischen - oder schmeck das Bio-GemĂŒse tatsĂ€chlich nach mehr als seine plastikverschweiĂten Discounter-Geschwister? Wir hören nicht auf, bis die SchĂŒssel ganz leer ist.










