bitte schreib wieder
ich schreibe noch

❣ Chile in a Photography ❣

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@miorabe
bitte schreib wieder
ich schreibe noch
paula,
leg deine Hand auf meine Wange, ich brauche Wärme und Ruhe. Mir ist schlecht vom Essen und ich würde am liebsten tief, tief schlafen, aber ich will, ich muss darüber nachdenken, was es heißt, dich wieder bei mir zu haben. Ich kann es nicht wertschätzen, weil du nie richtig weg warst, eine Strumpfhose von dir habe ich auf dem Stuhl liegen lassen, dein mohnroter Lippenstift auf weißen Filtern im Aschenbecher - du hast sie zu früh ausgedrückt und Tabak verschwendet, aber ich nehme es dir nicht mehr übel-, deine kalten Füße an meinen kälteren. Ich puste dir die Ponyfransen aus der Stirn, ich küsse jeden Leberfleck einzeln, ich nehme dich ganz in mir auf. Habe ich dir schon gesagt, dass mich die dunklen Haare um deinen Bauchnabel ganz aufgeregt machen? Ich sag’s dir jetzt. Die glatte, weiche Haut der Unterseite deiner Brüste, die rauen Risse an deinen Händen im Winter, deine kleinen, gelben Zähne, die so zuverlässig fest ihre Krater in meinem Fleisch hinterlassen. Ich fühle dich dort Tage später noch. Wir liegen Stirn an Stirn, ich versuche dir zu sagen, dass ich dich nicht schlagen wollte, lege meine Hand auf die Stelle und versuche gut zu machen, was nicht gut zu machen ist. Du drehst dich nicht weg und erträgst mein Scheitern.
Wer bist du?
Wer bist du?
du wucherst zuckertief bette dich so bette dich doch es wird nicht feucht sein aber ich kann mit dem zittern nicht aufhören ich wünschte, ich hätte nicht danach gesucht ich kann mit keinem mehr reden denn ich sage ich hab von maoam geträumt und aufzuwachen und zu denken ich hätte es gegessen war das schlimmste du magst es fragil und ich verschwinde im sand mangelhaft es ist alles nur plastik mit goldlack ich habe eben ein stück abgebrochen von mir der leimrand ist hässlich
Als mir deine Hand noch den Hals liebkoste Und nicht mit Scherben mir den Rücken zerschnitt War ich ein anderer Aber ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefällt Eine Rolle zu sein Die gespielt wird oder Gespielt werden muss Du hast mit der Faust gegen den Spiegel geschlagen Lernst dein Drama Kopierst aus den Filmen Die du liebst und Die du hasst Du gehst ans Telefon Spielst auch eine Rolle Stöhnst und lachst Es ist nicht glamourös Kann es nicht sein Du machst das Beste daraus So wie ich das Schlechteste Wenn ich nach Hause komme Wenn die Stadt wieder grau wird Schläfst du schon Lege ich mich neben dich Es könnte ein Film sein Würde Musik spielen und Hätte sich das Blut im Laken noch nicht braun gefärbt Es bleibt, wenn es eingetrocknet ist Deswegen lassen wir bluten Und schlafen in Kruste
wenn der kahlköpfige mond dir zuflüstert du sollst in dich gehen dann renn renne so weit, bis es nur noch nach dir riecht bis dir schwindlig wird von all der haut und all dem dampf der aufsteigt und sich kühl als tau setzt fahr mit deinem finger dein gesicht nach zeichne es auf busscheiben auf kassenzettel in erde und wenn du es ganz verinnerlicht hast wird es sich verändert haben leg dich in dein klammes moosbett und lass dich weiter vom mond einflüstern lass ihn dich müde murmeln wenn du schläfst träumst du nur von dem was du für dein gesicht hältst das was du siehst ist nie das was ist
Öffne das Fenster und lass mich raus. Ich sag’s dir nochmal auf Französisch, weil ich französische Gedichte lese und es eleganter so klingt, wie es manche tun, die einen Austausch in Paris gemacht haben und dann nur noch mit Salut grüßen, man sich selbst so grob fühlt, weil parisienne am eigenen nur die Zigaretten sind. Und die schwarze Baskenmütze, die nicht zählt, weil sie von H&M ist, 3€ im Sale und graufusselig. Du öffnest das Fenster, ich lasse mich fallen, die Füße nach vorne, 150cm tief in die Heckenrose. Vögel fressen ihre Früchte und scheißen im Flug die Samen aus, so verbreitet sie sich.
Trotz der Einsamkeit, die ich wählte und hüte, wäre ich gerne in der Wohnung eines anderen willkommen, als Gast auf Dauer. Man müsste mich hereinbitten, ich würde einen Tee trinken, der Raum würde sich anpassen und ich mich ausbreiten wie ein Parasit, zwischen leeren Einwegflaschen, vollen Aschenbechern und dem Dreck, den das Leben macht. Ich würde gehen, Wochen nachdem man mich nicht mehr erträgt, auch bleiben als Hausstaub und Haare im Abfluss, als Allergie und Verstopfung, grüner Rachenschleim am Morgen, der im Waschbecken klebt und sich nicht löst. Nichts könnte mich ungeschehen machen und meine Anwesenheit leugnen im Staub, der aufgewirbelt im Morgensonnenlicht glänzt.
paula,
ich liege in deinen armen wie die erste frau und verbrenne deine lippen wie die erste zigarette, die deine saftigen lungen für immer ruinieren wird. dein zittriges nachtgebet erreicht mich nicht, es verendet kurz vor den drei pappeln im garten meiner großeltern. das bienenhaus summt noch warm, bald wird er die waben schleudern und ich denke dabei nur an dich und die haut wird anschwellen, denn die bienen finden ihren weg unter die hemden so wie du.
du hast mir orte für immer genommen, wie den wald und das dickicht, das unterholz, das dir ein heim war, mehr als ich. den sich kräuselnden rauch, der aus deinem kopf wuchs, eine frisur formte und mir ein heim war in den nächten, in denen das schreien nicht half, das flehen, das betteln, hasch nicht und gin.
du bleibst, der wunsch, alles kalt zu machen, literatur, kunst, musik, rückzug vielleicht, tage hinter vorhängen, regenschauer, zeitverinnen, fremde plätze, fremde betten, fremde gesichter, aber nichts ohne dich im schatten.
paula,
wen lässt du nun deine schlachten für dich führen? du steigst aus meiner dusche, wenn ich nicht schlafen kann, legst dich nass und nackt neben mich und wühlst in mir. du bringst keine wärme mit, du bist die schneekönigin, nicht gerda. deine splitter graben sich tief.
die zahl der zigaretten, die ich in deinem gesicht ausdrückte, ist absurd. und doch möchte ich es küssen. möchte den staub und die asche ablecken, die kruste, den eiter. möchte deinen wundbrand meinen werden lassen.
du lauerst im gebüsch, mein röcheln macht mich verwundbar, doch das fahle fleisch ist nicht attraktiv. man kann aus mir keine stücke mehr reißen. ich will, dass du mich frisst, lass keinen knochen ungebrochen. lass mich unzählig sein, verleibe mich dir ein. ich werde als geschwür in dir sein, wachsen und dir das jagen unmöglich machen. du wirst mein sein, so wie ich dein bin.
lass mich dein grab ausheben, dein grab sein, die erde, die deinen körper bettet, die maden, die dich mit deiner mutter vereinen, die larven, die in dir heranwachsen und verenden, weil du nichts bist als krankheit.
man kann nicht raus aus seiner haut
man kann nicht raus aus seiner haut
man kann nicht raus aus seiner haut
es sei denn, man fährt mit den messernägeln am ansatz entlang, fühlt eine naht, trennt sie auf und reißt die maske runter
entpuppung wie bitte? gallertartige masse quillt, den schmetterling zermatscht, wie demaskiert man etwas, das nicht ist?
ungläubige ubahngesichter, ich glaube ich zittere, fremdscham, diesmal gilt sie mir, die frau neben mir versucht, mich mit ihrer zeitung zu verscheuchen, um den arm weit auszuholen und derb nach mir zu schlagen, ist sie sich zu fein
manchmal versteht eine_r, das reicht.
I'm transforming I'm vibrating I'm glowing I'm flying Look at me now I'm flying Look at me now
Die fleckigen Wohnungswände geben mir einen Rahmen, verlasse ich sie, fürchte ich zu fliehen. Schließe ich, auf dem Weg zur Bahn, kurz die Augen, fühle ich das All über mich hereinbrechen, fühle mich fortgeschwemmt, fühle mich fort. Jedes Blinzeln lässt mich auf der Flucht sein, ich schwanke. Musik höre ich schon seit Jahren nicht mehr, aus Angst, das Knacken des Firmaments zu übertönen, das Auseinandertreiben der Wolken nicht zu bemerken, vom Weltende hinterrücks überfallen zu werden. Als ob mich meine bloße Aufmerksamkeit vom Sterben abhalten könnte. Unmittelbar neben mir wird eine Katze angefahren, ihr sich windender Körper erinnert mich an etwas, das schlummerte. Ich fliehe, denn ich fühle alles.
Das Loch in meinem Hals ist keine Metapher, es ist klinisch. Mit deinen latexfreien Gummifingern spreizt du es auf, suchst die Ursache, betastest meine Innenseite, fühlst und horchst, während ich atme und das Schlucken meide. Die Diagnose ertränke ich in Gin & Tonic, sowie die Tage und die Nächte auch.
Ich bin irgendwo zwischen grau und ichmöchtediesenortniemehrbetreten. Meine Zähne sammeln für den nächsten Weltkrieg, Berlin liegt brach für mich, ich schürfe. (Meine Knie auf, nach Gold, Allerlei) In Knierillen verirrt sich die Erde, auf der man kniet, die man in der Badewanne mit einem Schwamm auswäscht, aus der man geboren wird, in die man sich bettet. So schläft man, wird gemurmelt, es huscht im Publikum, man ist unruhig, wartet auf den Pausenton, Salzstangen im Sektgläsern und Kloschlangen. Mein Gang wird zum Fall, versehentlich knickt mein Knöchel, bringt mich zum Taumeln. Ich ab, Licht an, Pausenton, verlegenes Husten, vereinzelt Händeklatschen, vor allem aber Erleichterung. Man weiß noch nicht, ob man noch bleibt.
Kalte Füße in kratzigen Wollsocken. Ich bin bis obenhin voll, voll, wie es die Jugendlichen sagen, falls sie es noch sagen, das letzte Mal, dass ich einen Jugendlichen sprechen hörte, ist schon etwas her. Überhaupt ist es schon länger her, dass ich jemanden sprechen hörte, geschweige denn sprach oder dachte, sprechen zu können. Meine Lider schließen sich schwer über den geschwollenen Augen und mir ist kalt. Ich reibe also die Füße aneinander, nichts wird mich je wärmen können, auch wenn es noch so schön in der Kehle brennt.
Durchs offene Fenster weht mir Regen ins Gesicht. Ich suche etwas, das ich ertragen kann und finde mich nackt, gestrandet im Wald.