Okay ich bin miserabel wenn es darum geht, einen Blog regelmäßig zu beschreiben und zu betüddeln. Obwohl die Zeit hier und da mit Sicherheit auch mal gewesen wäre, treiben genug Gedanken Schabernack in meinem Kopf, die mich davon abhalten, mich mitzuteilen. Dabei ist dieser Blog doch eine gute Idee - eine Mitteilung an die Außenwelt, sowie die Memoiren meiner Zeit in Asien während meiner noch frischen 20er.
Ich lasse also einmal kurz Revue passieren, was mir in den letzten Monaten so die Zeit vertrieben hat. Seit Januar bin ich in Hongkong. Jetzt ist es bereits August. In den letzten 8 Monaten habe ich Hongkong, Nord-Vietnam, Abu Dhabi, Shenzhen, Shanghai, Xi’an, Beijing und auch meine Heimat wieder gesehen. Wer hätte das gedacht! Ich habe Menschen kommen und gehen sehen - was nun einmal das Schicksal ist, wenn man an einer Uni studiert, die für ihre Internationalität bekannt ist - was im Klartext bedeutet, dass viele Austauschstudenten jedes Semester kommen und gehen. Das war nun das erste mal, dass ich diese Prozedur miterlebt habe. Etwa zwei weitere Male werde ich es wohl noch erleben, bevor ich mich selbst wieder auf den Weg mache.
Anfang Mai war mein erstes Semester rum. Ich habe alle Kurse erfolgreich be- und meinen ersten Kulturschock überstanden. Wenn man dann erst einmal vier Monate frei hat, sollte man sich gut überlegen, wie man diese nutzen kann. Nun gut.. vielleicht nicht immer und vielleicht hat das auch nicht jeder nötig. Aber ich plane ja gerne. Also ging es dann planvoll Mitte Mai los Richtung China! Drei Tage Shenzhen, davon ein Tag in einer Sekten-ähnlichen Wellnessanlage mit einheitlichen Pyjamas und Schrittverfolgung auf jedem Meter. Ausgeruht ging es weiter nach Shanghai mit einem Nachtzug. Mehr als 12 Stunden. Lange Rede, kurzer Sinn - die Bilder sprechen für sich. Aber dennoch: eine sehr schöne, aufregende Stadt! Erneut mit dem Nachtzug ging es 7 Tage später nach Xi’an. DIE Stadt mit dem 8. Weltwunder! (siehe Fotos). Auch wenn die Stadt eher unvergleichlich mit Shanghai und Beijing scheint, war sie doch überraschend lebendig und modern. Zu guter letzt hat es mich dann doch noch in die Hauptstadt verschlagen, womit ich so schnell nicht gerechnet hatte. Für Beijing mussten dann auch direkt 10 Tage herhalten. Die große Mauer, der Tian’anmen Square, die verbotene Stadt und und und. Beijing hat viel zu bieten!
Knapp 4 Wochen in China waren eine aufregende Zeit. Ich habe viel von der chinesischen Kultur kennen gelernt, die sich doch - hier und da - von der Hongkonger Gesellschaft unterscheidet. Was einem beim ein- und aussteigen der Metro die Sprache in China verschlägt, ist eine unbeschreibliche Rücksichtslosigkeit. Eine Gier, die den Menschen in den Wagon zieht ohne dabei auch nur in irgendeiner Weise aufs eigene Umfeld zu achten. Magisch. Das faszinierende “queuing” das in Hongkong der Trend schlecht hin ist, ist in Mainland China leider noch nicht angekommen. Da heißt es “wer zuerst kommt, mahlt zuerst!”. Nichts desto trotz, und das mit einer gewissen Ironie, sind die Menschen in Mainland China freundlich. Man wird zwar immer wieder mit großen Augen von oben bis unten und offener Mundklappe angestarrt weil man weiß ist - aber trotzdem - die Menschen sind freundlich und warmherzig. Man verständigt sich mit Händen und Füßen, denn leider ist die englische Sprache (im Gegensatz zu Hongkong) in Rest China noch nicht für notwendig empfunden. Doch was nützt einem auch Sprache, wenn das Herz kein Mitspracherecht hat!
Das Foto zu diesem Text ist, wie ich finde, ein herzerwärmendes Beispiel dafür, wie viele Chinesen ihr Leben in China zu genießen wissen. Sie treffen sich in einem Park und spielen Karten. Weil sie es können. Weil sie wissen, wie man die Zeit anhält. Im Gegensatz zu Hongkong, wo man zu jeder Stunde anfangen möchte, vor der Zeit wegzulaufen. Aber so ist das Leben in so einer Millionen-Metropole - in einer schnelllebigen, profit-orientierten, reizvollen Stadt (Stadtstaat) wie Hongkong. Und man fängt an, wenn man hier lebt, sich an diese ernsten Blicke zu gewöhnen. Aber man fängt an zu begreifen. Und man fängt an mit dem Strom zu schwimmen. Und man beugt sich den bösen Blicken, um mehr wie einer von ihnen zu sein. Oder man grinst einfach so lange, bis man ein Grinsen zurückbekommt. Das geht natürlich auch.
Nach meiner Rückkehr aus Deutschland hat mir ein Praktikum unter einem Hongkonger Chef erneut die kulturellen Unterschiede aufgezeigt. An dieser Stelle merkt man dann wieder, dass man angekommen ist, wo man ja derzeit sein soll - Hongkong you got me back! Und beim zweiten Mal ist es … auf irgendeine Weise anders, aber auch schöner. Ich genieße die Landschaft und die Natur sehr. Ich gewöhne mich an das schrecklich schöne Gedrängel in der Metro und an die bösen Blicke. Ich genieße für mich selbst verantwortlich zu sein und manchmal, mittendrin, ist es, als hätte ich kurz auf Pause gedrückt - und dann fällt mir auf “Eines Tages wirst du nicht mehr hier sein. Der Tag wird kommen, an dem du wieder an einem anderen Ort aufwachen wirst - irgendwo anders. Nicht in Hongkong.” Das macht mich dann manchmal sentimental oder glücklich. Ich vermute der Tag wird kommen, an dem ich dann vielleicht auch einmal in Tränen ausbreche. Der Tag wird kommen. So oder so. Und bis dahin, versuche ich das Beste hieraus zu machen. Ich versuche die schwüle Hitze, die nach jedem Meter den Schweiß erneut auf die Stirn treibt, zu genießen. (Oh verdammt, es ist ja so heiß hier!!) Ich genieße Tage und Nächte mit neuen und alten Bekannten - mit Menschen, die mir alle so, so viel für mein Leben mitgeben.
Prost! - und Liebe, Sophie
















