Kapstadt. Ein Ort der auf den ersten Blick glänzt und viel zu bieten hat. Das moderne und lebendige Zentrum lässt keine Wünsche offen. Wer in Shoppinglaune ist, kann sich an der Waterfront austoben. Für diejenigen, die entspannen möchten, eignen sich die umliegenden Strände oder der wunderschöne botanische Garten. Feinschmecker finden etliche Restaurants und Kaffeeliebhaber kommen hier definitiv auch nicht zu kurz. Wer das Nachtleben liebt, kann die Abende an der Longstreet verbringen und für Sportler hat Kapstadt mit der umliegenden Natur von Surfen bis Klettern auch einiges zu bieten.
Auf den zweiten Blick aber schmerzt mir das Herz. Obwohl die Apartheid seit 1994 theoretisch beendet wurde, herrscht in meinen Augen immer noch eine extreme Rassentrennung. Schon auf dem Weg in die Stadt wird man mit der Armut der schwarzen Bevölkerung konfrontiert. Auf beiden Seiten der Strasse ziehen sich endlose Wellblechsiedlungen namens Townships entlang, wo Millionen von Menschen unter katastrophalen Zuständen leben.
Im Alltag war ich auch über die krasse Rollenverteilung von Schwarzen und Weissen geschockt. Es sind Schwarze, die den Boden fegen. Schwarze, die den Abfall leeren. Schwarze, die deine Koffer tragen und generell Schwarze, die dich im Restaurant bedienen.
Die Kontraste sind enorm und oft kommt es mir vor als leben zwei komplett verschiedene Welten am selben Ort. Die Weissen in ihren Luxusvillen und die Schwarzen in ihren mehrheitlich katastrophalen Behausungen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das Land ist immer noch sehr gespalten und es wirkt als gäbe es nur die beiden Extreme - Arm oder Reich.
Obwohl ich nun schon viel an Armut in meinen bisher bereisten Ländern gesehen habe, trifft mich Südafrika am meisten. In meinen Augen kann es nicht sein, dass ein reiches Land, in dem es einem vorkommt als sei man in Europa oder Amerika, ein Grossteil der richtigen Afrikaner kein fliessendes Wasser oder Strom haben. So schön die Stadt auch ist, kann ich meinen leckeren Kaffee an der Waterfront nicht geniessen, wenn ich weiss, dass einige Kilometer nebenan die Menschen im Dreck leben. Ich fühle mich ehrlich gesagt schlecht, weiss zu sein. Natürlich sind auch Bemühungen im Gange, um die Probleme im Land anzupacken! Südafrika ist in meinen Augen aber noch an keinem akzeptablen Punkt angekommen.