Ich beugte mich nach vorne, öffnete den Karton, der vor mir auf dem Pflaster lag, mit großer Geste, musste kurz schmunzeln, dann kichern und brach schließlich in schallendes Gelächter aus. Es braucht, denke ich, nicht allzu viel Vorstellungskraft um sich auszumalen, was mit dem Inhalt eines Pizzakartons passiert, wenn dieser für drei Stunden senkrecht durch die Gegend getragen wird und zwischendurch alle zwanzig Minuten euphorisch die Achsel wechselt. Da lag er nun also vor mir, dieser mickrige Fetzen aus Teig und Käse in seiner maximalen Unbedeutsamkeit. Irgendwie schaffte es mein Gehirn, dieses Bild auf mein komplettes Dasein zu übertragen und ich fühlte mich Verbunden. All die negativen Gefühle und Abgründe, um die ich in den letzten Monaten so ein Aufheben gemacht hatte, die mich so dermaßen dominiert und vor sich hergetrieben hatten. Sie spiegelten sich im Inhalt des Pizzakartons und der absurden Wichtigkeit, die wir ihm beigemessen hatten wider. Die Ironie der ganzen Situation war für mich so überwältigend, dass ich nicht mehr an mich halten konnte. Aus dem Schreckgespenst meiner Depression war ein armseliges Stück Pizza geworden und ich lachte die beiden aus ganzem Herzen aus. Ein erlösendes Lachen, minutenlang, genährt von allem, was sich in mir angestaut und so dermaßen verkeilt hatte. Ich lachte so laut und lange, bis meinen Tränendrüsen die Flüssigkeit ausging und mein Zwerchfell kraftlos, aber im Bewusstsein, seine Arbeit verrichtet zu haben den Dienst einstellte. Das war der Moment an dem ich gelernt habe, dass man Ruhe und inneren Frieden völlig unerwartet an den sonderbarsten Orten finden kann.