-"Schatz es geht los" "Ich bin sofort da" Die Wehen setzten morgens um 6 Uhr ein, um 7 Uhr kam der Anruf. Da meine Frau im Krankenhaus übernachtet hatte, musste ich erst das Auto malträtieren. Der Weg dauert bei normalem Verkehr ca. 22 Minuten. Mir kam es vor als wäre ich drei Stunden unterwegs gewesen. Meine Hirnanhangsdrüse überschwemmte mein Blut mit Adrenalin, in diesem Moment hätte ich Vettel Konkurrenz machen können... Im Krankenhaus angekommen wollte ich direkt in den Kreißsaal stürmen, nur um dann festzustellen, dass Sie noch in ihrem Zimmer war. Die Wehen waren allerdings schon regelmäßig unter drei Minuten. Ein Merkmal das ihr euch merken müsst, denn dann geht's wirklich los. Wir gingen also zusammen die paar Meter in den Raum in dem der Storch sein Päckchen abgibt. Viel Platz und eine nette freundliche Hebamme. Jackpot. Die Dame lernten wir bereits einen Tag vorher kennen und ich hatte gehofft sie würde dabei sein. Kurz nochmal angemerkt, es ist für uns beide die erste Geburt und Vorbereitungskurse hatten wir nicht besucht. Wehen sind schmerzhaft, soviel habe ich mitbekommen, was darauf folgt ist aber wesentlich schlimmer. Atmen, pressen, atmen, pressen. Hört sich leicht an, gell? Ich war schon mit dem Atmen überfordert, denn die Schmerzensschreie haben mir schwer zugesetzt. Waterboarding hätte nicht besser funktioniert, ich hätte den Kennedymord gestanden nur um meine Frau zu erlösen. Es klingt furchtbar dämlich aber ich habe mich an Mittermayers Comedyprogramm "Achtung, Baby" orientiert. "Halt die Fresse und bleib beim Kopf, du willst das nicht sehen und deine Frau will auch nicht, dass du das siehst" Stirn abwischen und Händchen halten war angesagt als das Kind dann unterwegs war. Bei Frauen Sorgen Hormone nach der Geburt dafür, dass die Erinnerung an diese Zeit sehr schnell in den Hintergrund rücken, bei Männern ist das nicht so. Ihr werdet an diesem Moment etwas länger zu knabbern haben. Dann war er plötzlich da, mein frisch geborener Sohn. Ein kurzes quaken und ein kurzes wimmern, dann lag er auf der Brust meiner Frau. Ich bin jetzt einfach ehrlich, ja, ich hatte Tränen in den Augen. Nein das reicht nicht. Ich hab geflennt wie ein Schlosshund. Die Erleichterung war großartig, der Junge ist gesund und meine Frau hat es überstanden. Der Spruch "Papa werden ist nicht schwer, sein dagegen sehr" sollte nochmal überdacht werden. Papa werden ist zumindest in den letzten Zügen schlicht die Hölle, bis es dann soweit ist. Jetzt bin ich Papa, ja ausgerechnet ich :)