Hyper! Hyper! Denim Baby! Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â
20 Uhr, Live Music Hall â 5 Sterne Deluxe. 21 Uhr, GebĂ€ude 9 â Die Goldenen Zitronen. 22 Uhr, BĂŒrgerhaus Stollwerk â The Backyard Babies und Gluecifer. DAS absolute Highlight!! Allein schon dieser kleine Auszug des Programms der Popkomm 1998 liest sich wie das Who is Who der Coolness.
Wer sich jetzt -  im Jahr 2015 â fragt, warum zur Hölle ausgerechnet die Backyard Babies und Gluecifer von mir als das Highlight angesehen wurden: Wir schreiben das Jahr 1998 und die schlimmste aller Punkrock-Subformen ist auf dem Höhepunkt ihres Hypes â der Punk ÂŽn Roll. Alle Jungs trugen dunkles Denim, Hawaii Hemden und Elvis-Tollen und wollten sein wie Social-Distortion-Frontmann Mike Ness.
Als 16-jĂ€hriges, weibliches Pendant dazu trug ich die Haare in einem natĂŒrlichen und schmeichelhaften blaustichigem Schwarz - so wie ich es auf den Pin Up-Bildern von Betty Page gesehen hatte. AuĂerdem mein SpaghettitrĂ€ger-Top mit Flammen vorne drauf, meinen NietengĂŒrtel, direkt darunter meinen Leopardenfell-GĂŒrtel und darunter meinen ZebragĂŒrtel. Und sowieso: Noch viele, sehr viele Leopardenfell-Accessoires. Ja, der Punk nÂŽ Roll war stilsicher und geschmackvoll!
âGeil! Backyard Babies und Gluecifer auf der PopKomm dieses Jahr! Da fahren wir auf jeden Fall hinâ, sagt Marcus fest entschlossen. Marcus ist zu diesem Zeitpunkt, 1998 mein Freund, fĂŒnf Jahre Ă€lter als ich und in Sachen Outfit ein mĂ€nnliches Vorzeigemodell des Punk and Roll. Ich war nicht nur davon hin â und weg, sondern auch von dem Leben, das er mir damals zeigte: WOW! Ich fahre mit zur PopKomm und dass auch noch in die gröĂte und coolste Stadt, die ich bis dahin kannte: Nach Köln!
âPopKomm â die weltgröĂte Musikmesse in Kölnâ titelt es ĂŒber der Programm-Auflistung der Veranstaltungszeitschrift PRINZ und ich stelle mir vor, wie ich mit den Backyard Babies,  5 Sternen Deluxe und den ganzen coolen Viva-Moderatoren richtig âhart Party machenâ wĂŒrde â ĂŒberall nur coole Musiker, Medienleute und richtige GroĂstĂ€dter. Aus Köln.
Endlich! Mitte August war es dann soweit: Marcus und ich fuhren gemeinsam mit Marcus` Kumpel Michael nach Köln. Es war fĂŒr mich das allererste Mal, dass ich nur mit Freunden den ganzen Tag und auch noch bis in die Nacht in Köln unterwegs sein und Party machen durfte.Â
Wir starteten schon am frĂŒhen Nachmittag am Haus meiner Eltern in Neuwied. Wir wollten den Nachmittag zuerst noch auf der Partymeile der PopKomm, die irgendwo im Kölner Stadtgebiet sein sollte (mehr wussten wir darĂŒber nicht) verbringen und dann am Abend aufs Konzert gehen. Wenigstens DIESE Location â das BĂŒrgerhaus Stollwerk â kannte Marcus immerhin schon mal. Tickets hatten wir keine.  Das war 1998 auch noch nicht so das Problem: Es gab noch keine Internetforen, wo Tickets innerhalb von Minuten ausverkauft waren. Gerade bei kleineren Bands war es völlig normal, sich die Karten an der Abendkasse zu besorgen.
NatĂŒrlich wĂŒrden wir Marcus Auto nehmen â einen tiefergelegten, schwarzen Golf GTI. Michaels Auto war nicht so cool. Aber das Hauptproblem war bei ihm stets die Musik: Sie lief immer nur ganz leise. So, dass man noch gerade so wahrnehmen konnte, dass ĂŒberhaupt Musik lief.
Meistens lief Blumfeld oder Tocotronic â auf jeden Fall Hamburger Schule. Die wusste ich damals allerdings noch nicht richtig zu schĂ€tzen. In meinem 1998er Punk-Kosmos brauchte und wollte ich weniger Intellekt und mehr Bums.
Wir bretterten also mit Marcus tiefergelegten Golf GTI ĂŒber die A3 zwischen Frankfurt und Köln  - allein die Fahrt dorthin fand ich schon aufregend. An der ersten Tankstelle oder besser gesagt TANKE mussten natĂŒrlich erste einmal die GetrĂ€nkevorrĂ€te aufgefĂŒllt werden â natĂŒrlich mit DEN TrendgetrĂ€nken der spĂ€ten 90er Jahre: Mixery. Und Desperados â Tequila flavoured Beer.
FĂŒr lustigen Zeitvertreib wĂ€hrend der Fahrt ĂŒber die A3 war also bestens gesorgt und in Marcus Auto-CD-Player liefen die neusten Kracher der Band, die an der Dark-Denim-Punk and Roll-Front im Sommer 1998 gerade so richtig durchstartet: Turbonegro und Ihr Album Apocalypse Dudes: âAre you ready for some darkness? Are you ready for some fun? Do you wanna touch the right tonight? Or do you wanna grab your hat and run?â
Die Fahrt ĂŒber die Autobahn verlief problemlos  und nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir die Abfahrt zur Kölner Innenstadt. Jetzt stellte sich also die Frage konkret: âWo genau soll jetzt hier die Popkomm sein? Wie mĂŒssen wir denn jetzt genau fahren? Man jetzt guck doch mal richtig auf die Schilder. Ich bin mir eigentlich sicher⊠ach, ich weiĂ auch nicht!!â
1998 gab es natĂŒrlich noch keine iPhones mit Routenplaner â ich hatte gerade mein erstes Nokia Handy bekommen, - und Navis waren damals auch noch so teuer, dass sie eigentlich nur in Familienkutschen zu finden waren. Marcus konnte sich damals jedenfalls keines leisten.
Dass die PopKomm sowohl eine Veranstaltung fĂŒr Fachpublikum aus der Musikindustrie als auch fĂŒr Otto Normalverbraucher war, das hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz kapiert, wie sich spĂ€ter noch peinvoll herausstellen sollte.
Was wir wussten war, dass die PopKomm eben eine Musikmesse sein sollte. Wir hatten zwar keine genaue Definition davon, was eigentlich eine Musikmesse sein sollte, aber wir wussten ja: Es gibt Konzerte, eine Partymeile und Autogrammstunden.
Dann kam eine Ausfahrt mit dem Schild. Köln â Messe Deutz. Die Messehallen â na klar!! Wo sollte die Musikmesse sonst stattfinden, als in den Messehallen.
Also, ab zur Messehalle. Erst mal nen Parkplatz suchen und dann â endlich da. Endlich auf der PopKomm.
An der Messehalle angekommen fiel auf, dass erstaunlich viel Security vor Ort war â wir konnten aber ohne Weiteres die Tore zur Halle passieren. Das beziehungsweise die erste die wir sahen, war die  - nennen wir es mal âSĂ€ngerinâ â BlĂŒmchen auf Rollerskates. Ich finde, dass man die 90er sowieso sehr gut an Hand beiden Begriffe beschreiben kann: BlĂŒmchen und Rollerskates.
âEy, Marcus sind wir hier richtig?! Wo soll denn hier bitte die Party sein?â,
fragte Micheal nachdem wir angekommen waren. AuĂer BlĂŒmchen, waren nĂ€mlich ansonsten nur ĂŒberall Leute, die Ă€lter waren als wir, geschĂ€ftig redend von einem Raum zum nĂ€chsten gingen oder in Ihre damals noch viel zu groĂen Handys sprachen.
âNatĂŒrlich sind wir hier richtig! Was soll dass denn sonst hier sein. Ist ja nicht so, dass wir irgendwelche Landeier oder Hillybillies wĂ€renâ, entgegnete Marcus entrĂŒstet und vehement. âNein, natĂŒrlich nicht. Auf keinen Fallâ, stimmten Michael und ich ein. Nein! Landeier â das waren wir ganz bestimmt nicht, beschwörten wir uns und es war natĂŒrlich nichts anderes als das Pfeifen im Walde! Denn, wenn wir irgendetwas zu diesem Zeitpunkt nicht waren, dann urban, cool und groĂstĂ€dtisch.
(⊠es gab in diesem Tag vor Ort wohl keine gröĂeren Landeier, als uns).Â
Nervös liefen wir Ewigkeiten auf dem riesigen GelĂ€nde des Messe-Zentrums herum und blickten uns um. Hier sah wirklich gar nichts, aber auch gar nichts nach Party aus. Wir mĂŒssen ziemlich mitleiderregend und hilflos ausgesehen haben ⊠Jedenfalls erbarmte sich nach Ewigkeiten endlich jemand und ein supercooler Plattenfirmen-Typ kam auf uns zu uns sagte: âEy, KinnersâŠ. Ich glaub, ihr seid hier falsch. Ihr wollt bestimmt in die Innenstadt auf den Ring zur Popkomm-Party und den Konzerten. Dass hier ist nur die Fachmesse fĂŒr Leute aus der Musikindustrie und nix fĂŒr euch!â BĂM! Das hat gesessen!
Michael fing an, hysterisch zu lachen und nölte in Marcus Richtung: âDoch, Markus! Landeier und Hillbillies â wir sind genau das! Gott, ist das peinlich â bloĂ schnell weg hier!â Marcus war inzwischen die Sprache verschlagen. Stumm und gedemĂŒtigt schlichen wir in Richtung Parkplatz und Auto. Der Nachmittag war nun schon halb verstrichen, die Zeit raste davon und wir hatten schon die HĂ€lfte verpasst. Okay, dann jetzt also in Richtung Innenstadt â wir wussten ja jetzt: Wir mĂŒssen zum Kölner Ring.
Mittlerweile war es mitten am Nachmittag und natĂŒrlich waren Kölns StraĂen und Zubringer in Richtung Ring voll. Im Stau stehend und im Schneckentempo kĂ€mpften wir uns durch bis in die NĂ€he des Rudolfplatz. Ich weiĂ nicht mehr, wie lange wir herumfuhren, bis wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten.
Also, angekommen und nichts wie ab ins GetĂŒmmel. Endlich Party!
Wir schoben uns in der riesigen Menschenmasse vom Rudolfplatz den Ring entlang in Richtung Friesenplatz. Fressbude, Bierbude, T-Shirt-Bude und davon einfach ganz viele ⊠so sah also die Party-Gestaltung der Popkomm aus. Heute wĂŒrden mich da keine zehn Pferde mehr hinkriegen, aber damals fand ich es super â einfach weil die Fressbuden, Bier- und T-Shirt-Buden in Köln standen. Und das war ja immerhin die coolste und gröĂte Stadt, die ich bis dahin kannte.
ZĂ€h drĂ€ngelten wir uns ĂŒber den Kölner Ring und tranken hier ein Mixery, dort ein Desperado. Die Fressbuden boten Bratwurst und Pommes, Pizza, Döner und Thaifood. Vegane Burritos, Bionade und Tofu-Burger waren 1998 noch in weiter Ferne. Aufgrund meines begrenzten Taschengeldes konnte ich mir sowieso nicht allzu exzessiv den Magen vollschlagen â vor allem wenn ich noch Kohle fĂŒr Alkohol und die Konzerttickets brauchen wĂŒrde. Sowieso: DAS KONZERT!!Â
Es war mittlerweile ca. 18 Uhr  und das Konzert sollte um 20 Uhr losgehen. Auf den BĂŒhnen am Kölner Ring erwarteten uns eher schlimmstes Mainstream-Pop-Programm, wie Oli P.,  die Vengaboys und die Band Hanson, die 1998 den Hit âMMMbopâ hatte.
Pah! Alles Chartsmukke! Alles Mainstream! Das ging fĂŒr uns natĂŒrlich gaaaaaar nicht. Wenn wir eines nicht waren, dann war es Pop und Mainstream!! Wir waren voll Punk! Voll anti! Und voll underground!! ï Allein schon deshalb war unser Erscheinen beim Konzert Gluecifer- und Backyard-Babies-Konzert Pflicht. Wir durften es auf keinen Fall versĂ€umen.
âAch, keine Panik! Wir sind von hier aus doch schnell in der SĂŒdstadt und am BĂŒrgerhaus Stollwerk â auĂerdem ist das nicht groĂ. Wir holen uns da gleich am Eingang die Tickets an der Abendkasse und das warÂŽsâ, beruhigten mich die Jungs. Also, alles kein Problem. Wir blieben noch eine Weile und rauchten â Marlboro Lights. Die Marke der Stunde. BĂH! SpĂ€ter in meiner Raucherhistorie kamen dann Gauloises. Dann die Luckies. Wenn man keine selbstgedrehten rauchte (⊠das nur als kleiner Abriss der Rauchertrends der spĂ€ten 90er und frĂŒhen Nuller-Jahre).
Aus einer Kleinstadt stammend, kamen uns die Wege in Köln damals natĂŒrlich ewig lang vor und so beschlossen wir, den Weg vom Rudolfplatz in die SĂŒdstadt mal wieder mit dem Auto zu fahren. U- und S-Bahnnutzung ĂŒberforderten damals wohl unsere urbanen FĂ€higkeiten. Dass diese auch in der Nutzung von Autos nicht besonders ausgeprĂ€gt war, erkannten wir schnell: SĂ€mtliche StraĂen und bekannten Wege in die Kölner SĂŒdstadt waren bei diesem Menschenauflauf natĂŒrlich gesperrt, es gab kilometerweiter Umleitungen und selbstverstĂ€ndlich park + ride. Doch das Auto einfach stehen zu lassen ging nicht. Wir mĂŒssten es nach dem Konzert erst mal wieder suchen und so weit weg und auĂerhalb der bekannten Wege in Köln, war klar, dass wir es vermutlich nicht mehr wieder finden wĂŒrden. Und fĂŒr Punks aus der Provinz war ein Auto ĂŒberlebenswichtig. Also zuckelten wir im Schritttempo und mit etlichen Umwegen in Richtung BĂŒrgerhaus Stollwerk. Inzwischen war es halb acht.Â
Ungeduldig, aufgeregt und auch ein wenig beeindruckt von der groĂen Stadt, kamen wir endlich am BĂŒrgerhaus Stollwerk an. âEndlich normale Leute!â, dachte ich, als ich mir das illustre Publikum vor dem Konzert ansah. Ăberall dunkles Denim, NietengĂŒrtel in zwei Reihen, Creepers, schwarz geschminkte Kajal-Augen und zurĂŒckgegeltes Haar. Genauso hatte ich es mir vorgestellt. Jetzt nix wie hin zum KassenhĂ€uschen, schnell den Eintritt zahlen und rein ins Punkrock-GetĂŒmmel.Â
Doch da! Halt! Stopp!! Das darf doch nicht wahr sein. Da stand es in groĂen roten, Edding-Buchstaben auf einem weiĂen DINA4-Blatt, festgeklebt auf der Seite des KassenhĂ€uschens: AUSVERKAUFT! Und auch noch einmal auf Englisch: SOLD OUT! âWaaaaasss?? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Nur weil ihr zwei Schoten (ein beliebtes Schimpfwort zu der Zeit) keinen Plan vom Weg hattet und euch ja ein Zacken aus der Coolness-Krone gebrochen wĂ€re, wenn man mal jemanden nach dem Weg gefragt hĂ€tte, verpassen wir jetzt das Konzert. Danke!â, kreischte ich in Richtung Marcus und Michael an.
âWie bitte?! Ich glaubÂŽ es hackt! Wer wollte dennoch unbedingt auf die scheiĂ Popkomm-Party, weil er unbedingt ein paar Pseudo-Promis anglotzen wollte?! Wer musste unbedingt vor jedem verfickten GetrĂ€nkestand noch ein Desperados trinken?! Das war ja wohl Prinzessin auf der Erbse, Frau Kroke. Ich hĂ€tte auf den ganzen ScheiĂ verzichten können und wĂ€re am liebsten direkt zum Konzert gefahrenâ, blaffte Markus zurĂŒck. Michael hielt sich dezent zurĂŒck. Er wusste: Das hier eskaliert jetzt zum Beziehungsstreit. Da kann man als AuĂenstehender nur verlieren. Und er sollte Recht behalten. Es eskalierte. Und wie. Die Eskalation unserer Beziehungsdramen sah immer wie folgt aus: Ich wurde laut, hysterisch, gemein und verletzend. Marcus daraufhin verunsichert, kleinlaut und irritiert. Was zur Folge hatte, dass ich meistens mit deutlich weniger seelischen Verletzungen aus unseren Streitereien hervorging â mich aber danach exorbitant schlechter fĂŒhlte.
Nachdem wir den wartenden Backyard Babies- und Gluecifer-Fans MIT Karte vor dem BĂŒrgerhaus Stollwerk ein schönes Schmierentheater mit TrĂ€nen der EnttĂ€uschung vorgefĂŒhrt hatten, beruhigte sich die Lage etwas. Micheal hatte derweil die Zeit genutzt, um sich am Kiosk eine Dose Jack-Daniels-Cola zu kaufen. Er hatte verstanden: Jetzt hilft nur noch der harte Stoff!
Die Lage an der Beziehungsfront beruhigt sich wieder. Wir stapften traurig zu Marcus Golf GTI zurĂŒck. Es war zum Heulen: Keine PopKomm. Keine Party mit coolen VIVA-Moderatoren. Kein Konzert. Keine Punkrock-Coolness fĂŒr die Landeier. Der Heimweg ĂŒber die A3 ging dafĂŒr recht zĂŒgig. ZurĂŒck in die Provinz â das ging schnell und völlig problemlos. Da gehörten wir offenbar auch eher hin. Das hatte uns der Tag mehr als deutlich gezeigt.
Marcus setzte mich mit dem Auto zu Hause ab. Meine Eltern hatten natĂŒrlich erst viel spĂ€ter mit mir gerechnet oder gedacht, ich wĂŒrde bei Marcus ĂŒbernachten. âWie? Da bist Du ja schon wiederâ, stellte meine Mutter spitz fest. So, als ob sie es geahnt hĂ€tte: Dieser Köln-Trip wird in die Hose gehen!
Obwohl wir uns so gestritten hatten, versöhnten Marcus und ich uns auch wieder schnell und bleiben von da an noch ganze zwei Jahre zusammen, was in dem Alter wirklich eine Ewigkeit ist.
Gluecifer und die Backyard Babies sah ich dann spĂ€ter endlich live auf der Bonner Rheinkultur. Turbonegro drei Jahre spĂ€ter auf dem Bizarre-Festival. Der Punk-and-Roll-Denim-Hype wurde irgendwann abgelöst von dem was man damals noch unter Emo (und damit meine ich richtigen Emo, nicht den Schrott wie es beispielsweise unnötige Kapellen wie âMy Chemical Romanceâ in der Mitte der Nuller-Jahre verkörperten) oder Post-Hardcore verstand. Bands wie Hot Water Music, Leatherface oder - ganz soft â The Get Up Kids gaben den Ton an. So ging es immer weiter. Es gab immer wieder neue Hypes â immer eine neue âMust-See-Bandâ.
GetrĂ€nke wie Desperados wurden irgendwann out, das X in Mixery stand wohl fĂŒr Krebs â wie man spĂ€ter angeblich herausfand. Marcus Golf GTI wurde irgendwann von einem familienfreundlichen Kombi abgelöst - wir haben heute noch ein freundschaftliches VerhĂ€ltnis zueinander und sehen uns zwei bis drei Mal im Jahr, wenn ich meine Familie und Freunde im Rheinland besuche.
Vor Kurzem sah ich auf Facebook, dass die Backyard Babies ein Konzert in Berlin spielen wĂŒrden. Es interessierte mich nicht. Ăberhaupt nicht. Ich klickte auf der Veranstaltungsseite auf âabsagenâ und dachte mir: âMan, sehen die mittlerweile uncool aus!âÂ
Die Band, die ich ĂŒbrigens zuletzt verpasst habe, weil ich mich zu spĂ€t um Tickets gekĂŒmmert hab, sind Wanda. Wunderschöner Indie-Pop aus Wien. Und: der neueste Hype.Â
Christine Kroke, September 2015
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