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@relationsofpower
Was passiert in GefÀngnissen auf der Welt?
How does it come together?
JVA TEGEL, Berlin
917 HaftplÀtze; davon 369 im geschlossenen und 90 im offenen Vollzug. Strafen, die hier vollzogen werden sind sowohl kurze als auch lebenslange Freiheitsstrafen bis hin zu Sicherheitsverwahrung (60 PlÀtze). Etwa 35% sind von AuslÀndern belegt.
Die JVA ist zum einen die gröĂte geschlossene, als auch die Ă€lteste Vollzugsanstalt Deutschlands, da sie 1898 eröffnet wurde.
Seit 1968 wird hier von Gefangenen die Zeitschrift Lichtblick herausgegeben, die als die einzige unzensierte Gefangenenzeitschrift und ohne Begutachtung durch die GefÀngnisleitung gilt.
JVA PLĂTZENSEE; Berlin
459 HaftplÀtze; davon 369 im geschlossenen und 90 im offenen Vollzug
Justizvollzugskrankenhaus: 116 HaftplÀtze
Jugendstrafanstalt: 430 HaftplÀtze
Jugendarrestanstalt: 42 HaftplÀtze
Die JVA Plötzensee geht auf das zwischen 1868 und 1879 errichtete StrafgefĂ€ngnis Plötzensee zurĂŒck. GroĂe Teile der damals errichteten GebĂ€ude werden bis heute fĂŒr den Strafvollzug verwendet. Heute beschreibt die JVA Plötzensee den Zusammenschluss der JVA Charlottenburg, das Justizvollzugskrankenhaus, das zuvor in der JVA Moabit ansĂ€ssig war, und die JVA Plötzensee.
WĂ€hrend der NS Zeit wurde das StrafgefĂ€ngnis Berlin-Plötzensee zur einer HinrichtungsstĂ€tte, in der etwa 2500 Gefangene ermordet wurden. Die Arbeitsbaracke, die zum Ort der Hinrichtung umfunktioniert wurde, ist heute eine GedenkstĂ€tte fĂŒr die Opfer. Â
Nach dem Krieg wurde die Anstalt fĂŒr Jugendstrafen genutzt. Der Neubau fĂŒr die JA entstand 1989, der zur Wiederverwendung der JVA als GefĂ€ngnis fĂŒr MĂ€nner im offenen und geschlossenen Vollzug fĂŒhrte.
Fast jeder dritte Strafgefangene verbĂŒĂt dort eine Ersatzfreiheitsstrafe fĂŒr Schwarzfahren.
JVA MOABIT, Berlin
964 HaftplÀtze
Die JVA Moabit steht fĂŒr den geschlossenen Vollzug von MĂ€nnern ĂŒber 21 Jahren und konzentriert sich dabei aufgrund des direkten Anschlusses an das Kriminalgericht Moabit auf Untersuchungs- und Auslieferungshaft. Das ursprĂŒnglich bis 1881 unter dem Namen Königliche UntersuchungsgefĂ€ngnis im Stadtteil Moabit errichtete GefĂ€ngnis steht heute unter Denkmalschutz. Der alte Strahlenbau wurde auf panoptischen Ideen entwickelt.
Unter den veröffentlichten Leitideen sind fĂŒnf Punkte angegeben, die allesamt einen âmodernenâ Strafvollzug vermuten lassen. WĂ€hrenddessen schwanken die KapazitĂ€ten aufgrund von Instandsetzungen und Sanierungen, was auf BaufĂ€lligkeit schlieĂen lĂ€sst.
As the country grapples with racial justice, architects should finally take a stand on the most barbaric aspects of a biased prison system.
Die amerikanische Organisation ADPSR (Architects/ Planers/ Designers for Social Responsibility) setzt sich allgemein dafĂŒr ein, das Gestaltung eine positive Wirkung auf die Gesellschaft haben mĂŒsse, um eine faire, friedliche und gerechte Welt zu schaffen. In diesem Kontext startete sie vor einigen Jahren eine Petition, in der die A.I.A. (American Institute of Architects) es verbieten mĂŒsse, dass Architekten GefĂ€ngnisse und Todeskammern entwerfen. Das entwerfen von RĂ€umen, die psychologische oder körperliche Folter ermöglichen oder unterstĂŒtzen, sollte nicht zum Aufgabenbereich von ArchitektInnen oder PlanerInnen gehören.
Die Petition wurde mit der BegrĂŒndung, dass âthe code has to do with the way architects practice, treat each other, perform in the eyes of our clientsâ abgelehnt. âIt isnât about what architects build.â
Wie entwickelt man Awareness auf ein unbeliebtes Thema?
There are 10,350,000 prisoners in the world today. Prison Insider aims to create a world where cruel, inhuman and degrading practices are reported; where human rights are deep-seated and non-negotiable; a world in which we ourselves are unable to live with dignity in the knowledge that others do not.
Prison Insider aims at raising awareness about detention conditions and upholding the rights and dignity of those deprived of freedom throughout the world. Prison Insider provides a tool for comparison and encourages best practice, testimony and solidarity.
Information about prisons is available, but it is widely dispersed and sometimes impossible to find. Scattered notes, press articles or excessively thick reports for expertsâ eyes-only. Prison Insider aims to provide a centralized source of factual, detailed and up to date information.
Short Film based on the book, The Color of Law by Richard Rothstein. The forgotten history of how our federal, state and local governments unconstitutionally segregated every major metropolitan area in America through law and policy.
How to react?
Im Manifest wurde die gesellschaftlichen Punkte abschlieĂend zusammengefasst aufgelistet. Es steht als Forderung an den strafenden Raum, ohne die WĂŒrde des Menschen nicht zu verletzen. Will heiĂen: Keine dieser Forderungen darf auĂer Acht gelassen werden, wenn ein Raum fĂŒr die Freiheitsstrafe nach den moralischen Standards der Gesellschaft von morgen entwickelt werden soll, sondern muss als Grundlage fĂŒr das generieren eines erfolgreichen Raums funktionieren.Â
Nur wie lassen sich die so unterschiedlichen Punkte in rĂ€umliche Gedanken transformieren und miteinander vereinen?Â
Der Bremer Jurist Johannes Feest hĂ€lt es fĂŒr falsch, StraftĂ€ter einzusperren. Stattdessen fordert er einen völlig neuen Umgang mit KriminalitĂ€t. Meint er das ernst?
Johannes Feest, ein deutscher Kriminologe und Rechtssoziologe, beschĂ€ftigt sich u.a. mit seiner Forschung schwerpunktmĂ€Ăig mit dem Recht und der RealitĂ€t der GefĂ€ngnisse. Als Professor fĂŒr Strafverfolgung, Strafvollzug und Strafrecht an der UniversitĂ€t Bremen grĂŒndet er 1977 das Strafvollzugsarchiv als Sammlung von Fragen Gefangener. Als Vertreter der Abolitionismusbewegung steht er fĂŒr die Abschaffung des GefĂ€ngnisses und ist Teil des No Prison-Manifestes.
In den EuropĂ€ischen StrafvollzugsgrundsĂ€tzen heiĂt es: âDie Freiheitsstrafe ist allein durch den Entzug der Freiheit eine Strafe.â Wer ins GefĂ€ngnis geht, verliert aber nicht nur seine Bewegungsfreiheit. Mit dem Strafantritt gehen zugleich viele weitere Freiheiten verloren, zum Beispiel die freie Arztwahl, die freie Kommunikation etwa via Internet, die autonome Einteilung des Tages, die Wahl einer BeschĂ€ftigung. In fast allen BundeslĂ€ndern ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass Strafgefangene zur Arbeit verpflichtet sind. ... Bei uns sind GefĂ€ngnisse GroĂbetriebe, in denen die Gefangenen zu Niedrigstlöhnen arbeiten. Sie erhalten ein bis drei Euro die Stunde, je nach TĂ€tigkeit und Qualifikation. Der gesetzliche Mindestlohn ist fast dreimal so hoch. Sie werden also auch verurteilt zu Zwangsarmut. Dazu kommt die Zwangsenthaltsamkeit in sexueller Hinsicht. ...
Zum Beispiel muss die Ersatzfreiheitsstrafe so schnell wie möglich gestrichen werden. Das liegt mir besonders am Herzen. Im April 2019 saĂen von insgesamt 46.000 Inhaftierten in Deutschland 4500 mit einer Ersatzfreiheitsstrafe im GefĂ€ngnis, das sind knapp zehn Prozent aller Insassen, weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlt haben. Das ist ein Unding. ...
MinderjĂ€hrige gehören nicht ins GefĂ€ngnis! Das ergibt sich grundsĂ€tzlich schon aus der Kinderrechtskonvention. Sie sollten stattdessen UnterstĂŒtzung von der Jugendhilfe erhalten. ...
Die lebenslange Freiheitsstrafe ist unnötig. Ebenso die Sicherungsverwahrung. Geschlossener Vollzug ist durch offenen zu ersetzen. Und wenn doch geschlossener Vollzug, dann nicht in GefÀngnissen mit Zellen, sondern zum Beispiel in WohnhÀusern. ...
Ich habe nichts gegen Freiheitsentzug, sondern gegen Zellen-GefĂ€ngnisse. In Sicherungsverwahrung sitzen TĂ€ter, die man im Grunde aufgegeben hat. Bei denen die Richter ĂŒberzeugt waren, dass sie auch nach VerbĂŒĂen der Haft noch gefĂ€hrlich fĂŒr die Allgemeinheit sind. Obwohl sie ihre Strafe abgesessen und die Schuld getilgt haben, mĂŒssen sie im GefĂ€ngnis bleiben, denn Sicherungsverwahrung wird nach wie vor in herkömmlichen GefĂ€ngnissen vollzogen. Ich meine, diese Menschen könnte man auch auf einem parkĂ€hnlichen GelĂ€nde unterbringen, wo gewĂ€hrleistet ist, dass sie sich nicht entfernen, sie aber in relativ normaler Form leben können....
Unter dem Begriff âKriminalitĂ€tâ fassen wir die unterschiedlichsten Formen von gesellschaftlich unerwĂŒnschtem Verhalten zusammen.
Johannes Feest, Spiegel, 2020
The SPACE project takes its name from the Council of Europe Annual Penal Statistics, better known as SPACE (Statistiques PĂ©nales Annuelles du Conseil de lâEurope) Statistics, which aim to provide an overview of the use of prison and probation in the 47 member states of the Council of Europe (CoE).
This aim is fulfilled through the publication of two annual reports: SPACE I and SPACE II. SPACE I focus on prison populations and the penal institutions in which they are held; SPACE II focus on probation populations and the probation agencies that supervise them.
http://wp.unil.ch/spac
âAbolitionismus ist die radikale Ablehnung als menschenunwĂŒrdig erkannter Institutionen. Historisch betrachtet hat eine abolitionistische Haltung ihren Ausdruck in der Forderung nach Abschaffung von Praktiken und Institutionen gefunden, in denen der Mensch ein geknechtetes, ein verĂ€chtliches, ein wertloses Wesen ist. Exemplarisch hierfĂŒr standen und stehen z.B. Forderungen nach Abschaffung der Sklaverei, der Folter oder der Todesstrafe, deren vollstĂ€ndige oder teilweise Beseitigung uns ermutigt, eine weitere Institution in dieses abolitionistische Bestreben einzubeziehen. Das vorliegende Manifest konzentriert sich auf den Strafvollzug in GefĂ€ngnissen, stellt aber auch die Strafe als solche in Frage.â
Feest, Scheerer
Der Abolitionismus
Der Abolitionismus im kriminologischen Kontext beschreibt eine Bewegung, die den Ansatz vertritt, dass die Institution GefĂ€ngnis obsolet und die Freiheitsstrafe in ihrer Umsetzung inhuman sei und den gesetzten Zielen nicht gerecht wird. Der Abolitionismus geht bis zu der Forderung, die Strafe als Reaktion auf KriminalitĂ€t ĂŒberhaupt abzuschaffen. Ein Ziel, das die radikale Hinterfragung bestehender sozialer Strukturen unserer Gesellschaft fordert.
Zu Beginn des Zeitalters der Freiheitsstrafe vor etwa 300 Jahren war diese eine definitive Besserung der damaligen StrafverhĂ€ltnisse. Eine Begrenzung der körperlichen Freiheit ist unter Einhaltung gewisser Aspekte humaner, als die körperlichen Strafalternativen. Mit steigender QualitĂ€t auĂerhalb der GefĂ€ngnisanstalt muss auch die innerhalb angepasst werden.
âFor penal spectators, prisons are there to punish. They are meant to inflict pain on criminals in return for the wrong they did to others.â
No Prison, 2015
GrĂŒnde gegen das GefĂ€ngnis:
âIdeally Imprisonment deprives the convict of his or her freedom of movement, but nothing else.â
Feest und Scheerer, 2015
Ăberholtheit vieler GefĂ€ngnisgebĂ€ude (Alte GefĂ€ngnisse stehen fĂŒr alte Werte)
Ăbertriebener Strafcharakter
Zwangsarbeit
Aufgezwungene Armut
UnterdrĂŒckung der SexualitĂ€t
ZusÀtzliche Bestrafung Dritter
Stigmatisierung der Inhaftierten
âEveryone knows that the absence of education, dislike of regular work, physical inability of sustained effort, misdirected love of adventure, gambling propensities, absence of energy, an untrained will and carelessness about the happiness of others are the causes which bring this class of people before the courts. Now I was deeply impressed during my imprisonment by the fact, that it is exactly these defects of human nature - Â each one of them - which the prison breeds in its inmates; and it is bound to breed them because it is a prison and will breed them so long as it exists.â
Kropotkin, 1899
Benjamin Bratton on the world after the COVID-19 pandemic.