Liebe Mama,
Du hast mich mein ganzes Leben lang genau beobachtet, aus Angst, dass sich die Geschichte wiederholt. Doch manchmal sind die Hilferufe gar nicht laut. Sie schreien nicht. Sie weinen nicht. Sie leuchten nicht rot auf.
Schau nochmal genauer hin, vielleicht schaust du auch nur falsch. Denn würdest du mich wirklich sehen, hättest du es längst schon verstanden.
Die Menschen, die wirklich verzweifelt sind, machen sich unsichtbar. Aus Angst, ihre Mitmenschen in den Strudel der Verzweiflung mit hinein zu ziehen.
Doch noch halte ich mich fest, am Ufer des Flusses. Der Strudel hat mich noch nicht verschluckt. Und solange ich die Kraft habe, werde ich versuchen stark für dich zu sein.
Und vielleicht schaffe ich es eines Tages mich aus den Fluten zu ziehen. Und ich weiß, dass du dann, mit einem warmen Handtuch in deinen offenen Armen, für mich bereitstehen wirst und mich festhalten wirst, bis du dir sicher sein kannst, dass ich nicht wieder zurückspringen werde.
In Liebe, Deine Tochter

















