12.03.2020, 6. Etappe, Chefchaouen-Rabat
Vom krĂ€hendem Hahn geweckt blinzelten wir aus dem Zelt, noch war es um uns herum ruhig bis auf den Hahn und ein paar bellende Hunde. Wir nutzten die Stille fĂŒr ein FrĂŒhstĂŒck mit Espresso und Porridge. Nach einer warmen Dusche machten wir uns auf den Weg ins Zentrum der blauen Stadt Chefchaoun.
Ein steiler Weg mit glatten und daher rutschigen Steinen fĂŒhrte hinab. Eingentlich Idylle pur, wenn da nicht so viel MĂŒll lĂ€ge. Hier wirft wohl jeder alles in die Natur, PlastikmĂŒll und GetrĂ€nkedosen wohin das Auge reicht. Ein Mann, dem wir unterwegs begegneten sagte uns, dass heute Markttag sei.
Wir schlenderten durch die schmalen Gassen treppauf, treppab und mussten bis ganz nach unten um die MarktstĂ€nde mit einer groĂen Auswahl an frischen FrĂŒchten und GemĂŒse zu finden. Also kauften wir gleich das Mittagessen ein. Frisches Brot, Oliven, Bananen, Mango, Avocado und eine Frucht, die wir nicht kannten, laut Google eine Cherimoya (Zuckerapfel).
Frisch gestÀrkt machten wir uns auf den Weg nach Rabat. In ca. 4 Stunden und nach 240 km sollten wir unser Ziel erreichen, aber es kommt ja meist anders als geplant. Auf der Strecke gab es jede Menge Geschwindigkeits- und Polizeikontrollen, auch wenn wir nicht angehalten wurden hat es doch Zeit gekostet, alle paar Kilometer an den wartenden Autos im Schritttempo vorbeizufahren. Meist gab es Geschwindigkeitsbegrenzungen von 60, selten 80 oder 100. Bei dem chaotischen Verkehr in den StÀdten braucht man Geduld und Ruhe oder Augenklappen und eine laute Hupe. FahrrÀder, Motorradfahrer (ohne Helm), Eselkarren, einfach der Wahnsinn. Jeder biegt wild ab, die kleinen Fahrzeuge quetschen sich vorbei, keiner ordnet sich in die Spur ein bzw. macht einfach ne neue auf und Blinker werden sowieso keine benutzt.
Wir hatten uns gestern schon eine marokkanische Simkarte mit Datenvolumen besorgt, um auch im Notfall telefonieren zu können. In Chefchaoun hat alles bestens funktioniert, nun wollten wir aber nach einem Hotel in Rabat schauen. Plötzlich hatten wir aber keine mobile Datenverbindung mehr. Meine Französischkenntisse waren leider nicht ausreichend genug um zu verstehen was genau mit der Karte nicht funktioniert. Also war guter Rat teuer.
Wir stoppten an einem CafĂ©. Die Leute dort waren sehr freundlich und hilfsbereit und mit Englisch, Französisch und ein paar Zahlen auf einem Fresszettel stellte sich heraus, dass unser Datenvolumen aufgebraucht war. Wir dachten wir hĂ€tten ein Datenvolumen von 5 GB erworben, dabei waren es nur 500 MB fĂŒr 5 Dirham. Und die waren mit ein paar versandten Bildern und kleiner Recherche logischerweise schnell aufgebraucht. Also mussten wir uns neues Datenvolumen besorgen. ZufĂ€llig kamen wir an einer Agentur der Maroc Telekom vorbei und versorgten uns mit ausreichend mobilen Daten. Kurz ĂŒber die Hotline freischalten und zack, waren wir wieder online. Zum GlĂŒck hatte ich am Vortag aufgepasst als uns der Herr ausm Handyladen das erste Mal die Karte eingerichtet hatte. Hotline anrufen mit 555, dann die 1 fĂŒrs Aufladen, danach die Zahlen aus dem freigerubbelten Feld eingeben und *3, dann lĂ€uft die Sache. In solchen Situationen merkt man erst wie abhĂ€ngig man von der modernen Technik und den Hilfsmitteln wie Handy und Navi ist.
Nach der ungeplanten Verzögerung also weiter nach Rabat. Hotel hatten wir uns eins ausgeguckt, aber noch nicht gebucht. Durch die schmalen GĂ€sschen gab es mit dem Auto kein Durchkommen zum Hotel. Daher kreiselten wir erstmal eine Stunde durch die vollgestopften StraĂen und den dichten Verkehr bis wir einen bewachten Parkplatz in der NĂ€he des Hotels gefunden hatten, auf dem wir unser Auto beruhigt ĂŒber Nacht stehen lassen konnten. Weiter gingâs zu FuĂ auf gut GlĂŒck zum gewĂŒnschten Hotel. Lediglich die Klingel und eine Notiz am Rahmen der massiven HolztĂŒre lieĂen darauf schlieĂen, dass es sich um das Hotel handeln musste. Einmal klingeln. Nichts. Ein zweites Mal klingeln und uns wurde geöffnet. Da wir nichts vorgebucht hatten, der junge Herr aber kaum französisch sprach, stellte er uns am Telefon zu seinem Englisch sprechenden Chef durch. Nach 5 Minuten hatten wir also ein Zimmer in einem hĂŒbschen Hotel und waren mit Tee, Keksen und WLAN versorgt. Frisch geduscht machten wir einen Abstecher auf die Dachterasse des Hauses und mit einer Empfehlung des Hotelbesitzers auf den Weg zum Abendessen.
Hier sagte uns ein Schild, dass es sich beim Restaurant Dinarjat um das Beste in Rabat handeln soll. Nach einem zaghaften Klopfen wurde uns die TĂŒr geöffnet und wir traten in eine Welt aus 1001 Nacht. Im Schein der silbernen Leuchten fĂŒhrte man uns zum Tisch begleitet von musikalischer Umrahmung.
Wir speisten eine Art Hackfleischröllchen, verfeinert mit Minze, dazu Reis mit Rosinen und Couscous mit verschiedenem GemĂŒse und Lamm begleitet von Casablanca Bier. Good food-Good mood.
Erst um elf waren wir wieder im Hotel. Leider zu dunkel um die Stadt noch zu erkunden. Der halbe Tag den wir bei der FĂ€hrĂŒberfaht verloren haben hĂ€ngt uns noch nach.