Robert ist 12 und hat gerade sein erstes Date. Endlich. Und dann auch noch mit Nadine, der er doch schon mindestens seit Ende der Fünften hinterhergeschmult hat. Robert freut sich so sehr, dass er gar nicht merkt wie ihm sein Softeis schmilzt und mit einem saftigen Schmatzgeräusch landet ein dicker Klumpen direkt, wie sollte es auch anders sein, machen wir uns mal nüscht vor, Murphys-Gesetz gilt für jeden: in seinem Schritt.
Die Geschwindigkeit mit der sein Gesicht ferrarirot anläuft hätte Sebastian Vettel die Lust verdorben je wieder ein Rennen zu fahren. Nadine fängt an zu kichern. Sie kichert und kichert und plötzlich wird aus ihrem Kichern ein Schreien. Ein Schreien, das immer höher und kreischender wird und sie stößt ihn in die Rippen und... Robert ist wach und 34 und mit Ulrike verheiratet, die ihm gerade in die Rippen gestoßen hat und das schreien kommt von Emma, seiner Tochter, die sich wahrscheinlich gerade nass gemacht hat und nun eine neue Windel will für die Robert zuständig ist, wenn er das ins Kissen gemurmelte „du bist dran“ von Ulrike richtig deutet.
Der Wecker auf dem Nachttisch grinst ihn mit einem breiten 6 Uhr 14 ins Gesicht als er verkatert die Bettdecke zurückschlägt. Fußball ist spätestens am Morgen nach einem 7:1 Sieg gegen Brasilien ein Arschloch. Genauso wie der Türpfosten, denn das Licht muss aus Rücksicht auf Ulrike ausbleiben und der kleine Zeh will ja dem alten Freund zum neuen Tag grüßen.
Emmas Windel ist nicht nur nass, sondern randvoll. Wie kann so etwas kleines nur so viel Scheiße produzieren, die auch noch so barbarisch... kurzer Sprint ins Bad und da fällt ihm schon der halbverdaute Döner von letzter Nacht wieder aus dem Gesicht, gefolgt von mehreren Magenkrämpfen die Galle hochwürgen.
Nachdem sich Robert wieder gefangen hat kann er den Windelwechsel zu Ende bringen. Danach ab in die Dusche. Doch irgendwie will dieser verblödete Duschkopf, den Ulrike in letzter Zeit bestimmt öfter geliebt hat als ihn kein warmes Wasser ausspucken.
Kurz nach sieben ist die Morgenroutine geschafft und Robert steht draußen auf der Straße und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Kurz noch beim Bäcker vorbei und einen Kaffee holen, der sich geschmacklich später aber als Pisse entpuppt. Da klingelt das Handy. Der Chef, das blöde Schwein, wer auch sonst. Ob er schon im Büro ist? Nein?, na dann aber flott, heute müssen die Unterlagen raus und flaaaaaaatsch auf einem Hundehaufen ausgerutscht und den restlichen Pissekaffee auf die Hose geschüttet. Von der Bushaltestelle schallt gellendes Gelächter verpickelter Schulfressen. Denen soll nun der Kaffeebecher in ebenjene entgegengeworfen werden doch statt dem Becher fliegt das Handy. Und wie. Mit schepperndem Krachen entschließt es sich schließlich weit hinter der Bushaltestelle und den immernoch lachenden Bratzen zu landen und sich dabei in seine Einzelteile aufzulösen. Beim Versuch es wieder aufzulesen wird auch noch der Bus verpasst und so kommt Robert verspätet, bekleckert und telefonlos auf Arbeit an. Der Chef dampft. Bis zur Mittagspause hat er sich immer noch nicht beruhigt, also bietet Robert ihm an ihn zum Mittag einzuladen. Das zornrote Gesicht ihm Gegenüber entspannt sich. Aber nur bis Robert auffällt, dass in seiner Potte die Geldkarte fehlt – Ulrike wollte einkaufen gehen. Fail.
Irgendwann, aber viel zu spät ist der Tag vorbei und Robert auf dem Weg nach Hause. Dass ihm der Bus vor der Nase weggefahren ist und es geschüttet hat wie aus Kannen muss wohl kaum genauer ausgeführt werden.
Scheiß Tag, denk er sich als er die Wohnungstür aufschließt und von der wieder oder immer noch schreienden Emma begrüßt wird. Ulrike steht in der Küche und kocht und schickt ihm mit entnervtem Blick in Emmas Zimmer. Windelwechsel. Schon wieder voll. Kaum zu glauben, dass die kleine noch Platz in der Windel gefunden hat bei der Menge, die da drin ist denkt er sich und: