WAGAWATTA WAGAWATTA WAGAWATTA
Hintergrund: Der Sankt Gallener Musiker Andy Guhl zeigt an diesem Sonntag zum dritten Mal Geräte aus seiner Werkstatt. Das Dictaphone Ultravox, ein Schweizer Gerät von 1970, ist das dritte von drei vorgestellten Aufnahmegeräten. (Beiträge über die ersten beiden folgen.) Beim Streaming kommt wie schon bei den ersten beiden Terminen die Videokonferenzplattform Jitsi zum Einsatz. Da die Aufzeichnungsfunktion von Jitsi wegen Überlastung nicht funktioniert, wird der Stream mit der “Screen recording”-Funktion von Quicktime aufgezeichnet.
Andy Guhl: Das Dictaphone, das ist eben transistorbetrieben. Das hat auch einen Lesekopf hier. Und der Lesekopf, der wandert.
Gerät: WAGAWATTA, WAGAWATTA, WAGAWATTA, WAGAWATTA …
Andy Guhl: Der Schall kommt aus diesem Lautsprecher.
Tabea Guhl: Sieht aus wie ein Telefonhörer.
Andy Guhl: Jawohl, genau. Wenn ich da reinspreche, dann wird das aufgenommen und nachher abgespielt: “Eins zwei drei”.
Andy Guhl: Seht ihr? Und das Tolle ist, das ist eine Folie, und die wird von einem Lesekopf dann eben bespielt, eine Magnetfolie.
Die Bildqualität des Livestreams war nicht immer ideal.
Andy Guhl: Die kann auch rausgenommen werden, archiviert werden und dann eben wieder ganz einfach in dieses System da eingesetzt … und so abgespielt. Und das, was ich gemacht habe zum Musikmachen, ich hab diesen Tonkopf eingeklemmt, und zwar dass einfach …
Was an dieser Stelle genau geschieht, ist im Bild nicht zu erkennen.
Andy Guhl: So hat man einen Loop. Ich mach mal einen Loop.
Es brummt, zirpt und zischt., Ob es sich um Kompressionsartefakte der Videostream-Übertragung oder um Kunst handelt, bleibt unklar.
Andy Guhl: Ich weiß nicht, Kathrin, ob du dieses Gerät … Kennst du das?
Kathrin Passig: Nein, ist mir alles unbekannt.
Andy Guhl: Zwischendrin gibt es noch so Geräte mit Folien im Format A4 – das ist Format A5 – und diese haben dann auch mit Radioröhren verstärkt, die sind etwa zehn Kilo schwer. Aber die haben auch wunderbare Tonqualität. Diese kleinen, die sind eben praktisch zum Mitnehmen. Die haben auch Ausgänge für Lautsprecher. Die hab ich dann jeweils auch benutzt …
Kathrin Passig: Moment, was sind das für Symbole? Wofür sind die?
Andy Guhl, von rechts nach links erklärend: Die Symbole – das eine ist eben als Telefonbeantwortungsmaschine, dann Lautsprecheranschluss – Kopfhörer und Lautsprecher. Das andere ist dann Mikrofon. Und das ist ein Fußschalter. Man konnte dann mit dem Fuß diese Tastatur schalten, so wie ich das jetzt mache von Hand. Und mit diesem Joystick konnte man eben stoppen, laufen, rückwärts plus aufnehmen. Alles mit einem Knopf.
Die Transkriptionistin würde dazu eher Trackball sagen als Joystick. Aber als das Gerät neu war, hieß es vermutlich noch mal anders. Ein Handbuch, dem man die zeitgenössische Bezeichnung entnehmen könnte, ist im Netz leider nicht auffindbar.
Hier wird mit dem Daumen an einem Rädchen links auf und ab gedreht, das wohl die Magnetfolie oder den Lesekopf steuert. Das Gerät zwischert daraufhin wie ein Strauch voller Spatzen.
Andy Guhl: Und die Aufnahmezeit, zehn Minuten, da konnte man von der ersten Minute zack zur zehnten Minute.
Andy Guhl: Und damals gab es kein Gerät, mit dem man so sehr viel machen konnte. Ich hatte sehr viel Freude daran. Damals kriegte ich das geschenkt von diesen Geschäften. Und die Geschäfte sagten, ich dürfe das nicht mehr in den Handel bringen. Ich dürfe es für mich gebrauchen, aber nicht mehr in den Handel bringen. Weil sonst müsste Dictaphone eben die Ersatzteile weiterhin liefern. Und wenn das aus dem Verkehr gezogen ist, dann haben die keine Pflicht mehr, die Ersatzteile zu haben.
(Andy Guhl, transkribiert von Kathrin Passig)