Ich möchte gerne geimpft werden, will mich aber nicht vordrängeln und habe einmal nicht aufgepasst
Seit deutlich über einem Jahr beherrscht das Corona-Thema große Teile unseres Alltags. Ich arbeite hauptsächlich im Homeoffice, die Kinder dürfen manchmal gar nicht in die Schule, manchmal im Wechselunterricht jeden zweiten Tag. Und private Treffen finden kaum, und gar Veranstaltungsbesuche nur digital statt. Seit Ende letzten Jahres gibt es Impfstoffe gegen das Coronavirus, was Hoffnungen weckt. Leider sind in Deutschland wesentlich weniger Impfdosen verfügbar, als es Interessenten an einer Impfung gibt.
Ich gehöre zu keiner besonders gefährdeten Risikogruppe und möchte mich daher mit meinem Impfwunsch nicht vordrängeln. Andererseits gehöre ich nun laut CoronaImpfV zu den Personen mit Impfanspruch und bin laut Mitteilung der Hamburger Behörde nicht nur berechtigt, sondern sogar aufgerufen, “einen Termin für die Schutzimpfung [..] zu vereinbaren”. Und da mittlerweile beide Söhne wieder jeden zweiten Tag in der Schule sind und dort viele Kontakte haben, und ich auch nicht mehr der Jüngste bin und auch daher gerne eine Corona-Infektion vermeiden würde, möchte ich nun doch gerne dem Aufruf nachkommen und meinen Impfanspruch einlösen.
Ich ringe sehr mit mir, wie die richtige Balance aussieht zwischen nicht drängeln auf der einen Seite und man muss sich halt selber kümmern auf der anderen Seite. Schließlich traue ich mich doch, meine Hausarztpraxis anzurufen und mich dort auf die Warteliste für eine Impfung setzen zu lassen, aber naja, dort haben offenbar andere Personen mit Vorerkrankungen Vorrang. Ja, natürlich würde ich mich auch mit dem in der Öffentlichkeit in Verruf geratenen AstraZeneca Impfstoff impfen lassen.
Für ganz Hamburg gibt es ein zentrales Impfzentrum für alle Personen unter 70 Jahren. Das größte in Deutschland. Ich bekomme einen Vermittlungscode, um dort nach freien Terminen zu suchen und einen Impftermin zu reservieren.
Während in Amerika versucht wird, mit Lotterien und anderen Goodies die letzten Impfunwilligen zu einer Impfung zu überreden, bekomme ich seit Wochen in Hamburg bisher reproduzierbar und zuverlässig bei unzähligen Anläufen auf meinen Versuch, mir einen Impftermin zu reservieren, nur dieses Ergebnis:
Abbildung: Die nicht vorhandenen Impftermine sind 10 Minuten für mich reserviert
Ich klicke morgens.. ich klicke abends. Ich klicke früh, ich klicke spät. Ich klicke Mittags, vormittags, nachts. Früh morgens. Nachmittags. Immer wieder. Manchmal funktioniert die Webseite gar nicht, aber wenn sie funktioniert gibt sie immer das gleiche Ergebnis.
Auch die Webseite “Impfterminradar” habe ich im Blick, aber da sieht es genau so aus:
Abbildung: Keine Impftermine im Impfterminradar
Anfang Mai lese ich, dass kaum noch Erstimpfungen im Impfzentrum durchgeführt würden, weil fast alle Impfstoffe für die jetzt anstehenden Zweitimpfungen reserviert seien. Nun, das erklärt zumindest die Ergebnisse meiner Versuche, mir einen Impftermin zu erklicken. Gleichzeitig wird in großen Teilen der öffentlichen Diskussion die Corona-Pandemie für beendet erklärt und es wird das Gefühl vermittelt, wer jetzt noch nicht geimpft ist, ist selber schuld. “Du musst dich halt um deinen Impftermin kümmern!”, höre ich mehr als einmal.
Am 20. Mai, fast zwei Monate, nachdem ich mich dort auf die Warteliste setzen ließ, wird mir ein “Anruf in Abwesenheit” meiner Hausarztpraxis auf meinem Telefon angezeigt. Ich rufe sofort zurück, erreiche dort aber wieder nur den Anrufbeantworter. Möglicherweise habe ich gerade ein Impfangebot verpasst, weil ich drei Minuten mein Telefon aus den Augen ließ.
Etwas staunen muss ich, als ich lese, dass nun die offenbar ja ohnehin nicht vorhandenen Biontech-Impfdosen für Schülerinnen und Schüler zurückgehalten werden sollen, um nach dem Sommer wieder Schulbetrieb zu ermöglichen. Mal gucken, ob ich damit überhaupt noch Möglichkeit zu einer Impfung haben werde. Vielleicht ja erst, wenn auch ich ein Fax sende.