Dezember 2018
Ich habe verlernt CDs zu brennen. Und mein Computer auch.
Ein guter Freund kennt meine Lieblingsmusik nicht. Also überlege ich, ob ich nicht einfach ein paar Stücke zusammenstelle und ihm zuschicke. Er nutzt Spotify, google Play, itunes etc nicht. Lieblingsmusikquelle ist das Küchenradio, das im Rahmen einer Erneuerung um 2015 herum auch einen CD-Spieler hat. Okay, kein Problem, heutzutage hat ja Gott und die Welt einen CD-Brenner. Der Freund ist gerade nicht abkömmlich um zu sagen, ob der CD-Spieler nur Audio-CDs futtert oder auch Daten-CD-R mit MP3-Dateien. Also will ich auf Nummer sicher gehen und eine Audio-CD brennen. Im Prinzip könnte alles so einfach sein. Selbst rechtlich wirkt alles geklärt, dank §53 UrhG befinden wir uns noch nicht einmal im rechtlichen Graubereich. Ich finde auf dem Dachboden noch eine Spindel mit CD-R-Rohlingen (gekauft in den Jahren, als man plötzlich 50er-Spindeln für 20 Euro (oder waren es noch Mark?) bekam und der Ausdruck “buffer underrun” seinen Schrecken verlor. Die Rohlinge sind unbenutzt, aber wirken an einigen Stellen so, als habe schon so etwas wie Oxidation eingesetzt. Nach etwas Googlei stellt sicher heraus, dass der offenkundig einfachste Weg, eine Audio-CD mit Windows 10 zu brennen, der hauseigene Windows Media Player ist. Man zieht die Titel in die Maske, klickt auf “Audio-CD brennen” und wartet. Der Media Player verkündet per popup und Fortschrittsbalken, dass das Brennen gerade läuft. Mich wundert, dass kein Geräusch vom Laufwerk kommt. Irgendwann erklärt Windows Media Player, dass der Brennvorgang mit einem Fehler abgeschlossen wurde. Nichts wurde gebrannt (technisch gesehen ist das genau einziger Fehler). Auch diverse andere Brennprogramme versagen.
Meine Rettung ist ein externer DVD-Brenner, der mit USB-Anschluss und einem externen Netzteil angeschlossen werden kann. Die erste Nutzung seit ca 10 Jahren, wie aus der noch eingelegten Ubuntu-CD (Version 8.10) erratbar ist. Der Brennvorgang wird ohne Fehler abgeschlossen, ein Test wirkt vorläufig zufriedenstellend.
Microsoft Word bietet Vorlagen für CD-Cover an. Der Vorlagendatei entsprechend hat diese Datei seit vielen Jahren niemand mehr angefasst.Die Vorlagen kommen alle 5mm zu klein aus dem Drucker. Google liefert auch hier eine Vielzahl an Programmen früherer Jahr(zehnt)e, deren Pflegezustand mehr als fraglich ist.
Am Abend wird der Beschluss gefasst, dass die eigene Zeit und die Freundschaft deutlich mehr wert sind als die 8 Euro für den Kauf des Albums als Audio-CD beim Versandhändler.
Mir fallen die Geschichten aus meiner Großelterngeneration ein, in denen betont wurde, wie damals die Gans und ihre Zubereitung mit dem Rupfen anfielen, die jüngere Generation das alles verlernt habe. Während die Musik aus irgendeiner Wolke kommend meinen Raum erreicht.
(Mathias Schindler)










