Weihnachten 2018
Drei Generationen, (k)eine CD
Zu Weihnachten habe ich mir eine bestimmte, neu erschienene Audio-CD gewünscht. Meine Tochter, die sich freut, wenn ihr Vater mal einen konkreten Wunsch äußert, legt sie mir unter den Weihnachtsbaum. Dort finden sich auch noch mehr Audio-CDs: Ein Schuber mit drei Kinderhörspielen, die mein jüngster Enkel sich von Opa gewünscht hat.
Nun würde ich mein Weihnachtsgeschenk ja kurz mal anhören, reinhören würde schon reichen. Aber im Wohnbereich gibt es keinerlei CD-Spieler mehr, genau genommen noch nicht mal das, was früher eingängig mit dem Begriff Stereo-Anlage beschrieben war. Musik wird übers Smartphone vom Streaming-Dienst Spotify bezogen und auf die im Raum verteilten Lautsprecher via Bluetooth weitergeleitet.
Kein Problem, Papa, sagt denn auch meine Tochter, sucht bei Spotify nach dem Album und lässt es abspielen.
Natürlich gibt es in ihrem Haushalt aber auch noch CD-Spieler - für die Kinder, die (noch) nicht im Spotify- und Smartphone-Alter sind. Die relativ simple und robuste Technik erlaubt ihnen auch ohne Hilfe von Erwachsenen, selbst ein Hörspiel aus ihrem CD-Stapel auszusuchen, aufzulegen und nach Belieben vor- und zurückzuspringen (beinahe hätte ich geschrieben vorzuspulen, aber das wäre eine noch ältere Technik).
Das Hauptproblem sei allerdings inzwischen, sagt mein Schwiegersohn, dass manche CDs nicht mehr den Standards entsprechen, um einen ursprünglich nicht vorgesehen Kopierschutz zu ermöglichen – und dann auf manchen einfachen Geräten schlicht nicht abgespielt werden können.
(Ich gebe zu: Meine CDs überspiele ich auch auf Festplatten und mp3-Player. Ich ziehe aber die Verfügbarkeit der physischen Datenträger Streamingdiensten vor – die Debatte darüber geht hart an den Rand eines Glaubenskrieges.)
(Thomas Wiegold)











