Steckenpferdend zum Paradies
Es ist Sonntag, ein Wunder ist geschehen: es regnet nicht. Nach einer langen regnerischen Woche in Vilagarcia in Galizien scheint zum ersten Mal wieder die Sonne. Keiner hats kommen sehen. Keiner - außer Efiigenia. Efigenia ist 75 Jahre alt und schwört durch ihre Haut und ihre Knochen das Wetter vorhersagen zu können.
Auch dieses Mal sagte sie mir, “am Sonntag, da wird es plötzlich sonnig, ich spüre es in den Knochen”, und siehe da ihre Knochen haben nicht gelogen. Die Sonne strahlt und es ist gerade rechtzeitig für uns, denn heute wartet ein Bus nach Cies vor der Haustür. Genauer gesagt nach Cangas. Von dort werden wir dann mit der Färe die Insel Cies besichtigen.
Im Bus sitzen überwiegend alte Päarchen und alle haben das gleiche Ziel: Para Cies. Aus dem Fenster schaue ich auf die wunderschöne Landschaft Galiziens und werde durch Latino Musik und galizische Folksmusik im Bus begleitet. Ok, an die Musik muss man sich erst mal gewöhnen und ab einem gewissen Punkt höre ich dann auf nachzufragen was das Gesungene bedeutet, denn Javi wird ganz rot während er die ganzen galizischen und lateinamerikanischen Lieder übersetzt. Dann ertönt plötzlich mit voller Lautstärke: "Caballito de palo"
Wenn ihr jetzt auf den Link geklickt habt dann wisst ihr nun Bescheid! Wie gesagt gewöhnungsbedürftig und nachdem ich weiß, dass es in den ganzen Song um nichts anderes geht als um ein Steckenpferd, bin ich schon etwas dankbar meinen MP3-Player dabei zu haben.
In Cangas angekommen, erwischen wir dann die nächste Färe nach Cies. Mit unserem imaginärem Steckenpferd geht es auf zur Paradies-Insel!
Nachdem wir vom Leuchtturm die Aussicht genießen, gehen wir zum Strand um ein wenig zu entspannen. Ich schaue um mich und denke mir, ohne zu übertreiben, "wow was`n Paradiesstrand". Da denke ich plötzlich zurück an Düsseldorf. In Düsseldorf gibt es eine Art Strand am Rhein. Man nennt ihn Paradiesstrand. Jetzt wird mir die Übertreibung erst so wirklich deutlich, denn ich habe zwar einen Paradiestrand in Erinnerung, der ist aber nicht in Düsseldorf. Macht aber nichts, denn ich habe trotzdem schöne Erinnerungen an diesen schönen aber doch-nicht-Paradies Strand.
Genug getagträumt, zurück zur Insel, zurück zum Hier und Jetzt. Wir gehen ein bisschen weiter und entschließen uns es ins Wasser zu wagen. Der Atlantik ist in der Regel ziemlich kalt. Alle Freunde Javis haben uns gewarnt, in Cies soll das Wasser immer am Eisigsten sein. Na gut, dann taste ich mich mal vorsichtig ans Meer heran und bereite mich mental auf meinen allerschönsten, unkontrollierbaren und vor Kälte verzerrenderen Gesichtsausdruck vor. Wirklich sexy ist der zwar nicht, aber es geht bei der der Kälte des Wassers auch nicht anders.
Doch es kommt anders. Die Augenbrauen zucken, aber das wars auch schon. Entweder haben Javis Freunde uns total veräppelt oder ich bin heute Zeuge eines weiteren Wunders geworden: Das Wasser ist nicht eiskalt. Ok, es ist zwar kalt, aber es ist auszuhalten. Eigentlich ist es sogar wunderbar erfrischend in der Hitze und man kann, ja man kann schwimmen. Genau das habe ich dann getan und zwar das erste Mal seit ich Galizien bereise.
Gegen Abends geht es aber dann auch schon wieder zurück, denn wir müssen weiterziehen. Auf Wiedersehen du schöne Insel!
Später auf dem Boot komme ich ins Gespräch mit einer Spanierin, die 20 Jahre in Heidelberg verbracht hat. Mitten im Gespräch sagt sie plötzlich: "Schau da, schaue wie schön!" Ich drehe mich um und es ist ein Delfin, der hinter dem Boot schwimmt!