Mal wieder ein Lebensabdate.
Es ist chaotisch. Ich fühle mich zuhause so fehl am Platz wie sonst nirgendwo. Zuhause. Das sind zwar meine vier Wände, aber es fühlt sich nicht so an. Davon abgesehen dass es super chaotisch ist und ich dringend mal wieder aufräumen müsste.. egal. Auf jeden Fall weiß ich jetzt ganz sicher, dass ich hier nur noch bis zum 28.08. Wohne. Bzw ab dann ist es nicht mehr meine Wohnung. Gestern habe ich die Bestätigung meiner Kündigung bekommen. Jetzt fühlt es sich noch weniger nach zuhause an. Am wohlsten fühle ich mich bei meinem Freund. Auch wenn es trotzdem anstrengend ist. Weil ich auch Zeit für mich brauche. Aber das wird schon. Ich hätte noch war 2 Jahren niemals gedacht dass ich lieber immer bei einer Person bin als alleine. Also das soll was bedeuten.
Die letzten Wochen waren hart. Ich habe viel geweint. Ich war so viel am verzweifeln, dass ich irgendwann nicht mal mehr das konnte. So eine Bachelorarbeit zu schreiben ist echt ganz schön anstrengend. Nicht mal weil es vom Aufwand her nicht machbar wäre aber der Druck ist enorm. Erst recht wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Bei mir war der stresspegel so schlimm dass mein Arzt mich mal wieder auf Drogen setzen wollte. Eine depressive Phase. Ich glaube das nicht. Es war nur eine Stress Phase. Nur die schlafmedis habe ich angenommen. Damit ich ab und zu mal schlafen kann. Aber nie macht mich dann für einen ganzen Tag unbrauchbar. Und das kann ich nicht gebrauchen.
Naja die BA ist nun fast fertig. Während ich auf die Korrektur warte schreibe ich meine letzte Hausarbeit. Die ist super spannend vom Thema her. Allerdings kann ich mich immer nur so kurz konzentrieren weil mein Kopf so müde ist. Eigentlich wäre Montag der Abgabe Termin für die BA. Durch die Krankschreibung habe ich eine Verlängerung von zwei Wochen bekommen. Aber es ist super schwierig die ganzen Fotos von über glücklichen Leuten zu sehen die ihre gebundene BA in der Hand halten und zu wissen dass die es alle pünktlich schaffen. Aber ich nicht.
Das Studium ist also bald vorbei. So richtig ganz vorbei. Und dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Den Vertrag für meine Arbeit muss ich zwar noch unterschreiben. Aber sie haben mich schon fest mit eingeplant. Mir meine eigenen visiten Karten zugeschickt. Einen zuständigen von der HS hab ich auch schon. So dass es dann tatsächlich einfach weiter geht.
Das Haus in das wir dann ziehen ist noch lange nicht so weit. Die Bürokratie hat alle Pläne zerstört. Aber das ist nicht so schlimm. Ich werde erst mal zu meinem Freund ziehen. Dann können wir gemeinsam in das Haus ziehen.
Ich merke, ich werde erwachsen. Irgendwie. Obwohl ich das nie wollte. Und es ist anders als ich gedacht hätte. Nachwievor stolpere ich einfach von einem ins nächste. Es passiert einfach so. Ist das dieses Glück welches ich früher vermisst habe? Es fühlt sich nicht wirklich so an. Aber ich denke andere würden es so sehen.
Erwachsen sein bedeutet keinesfalls das was ich dachte. Und das muss ich noch lernen anzunehmen. Es bedeutet nicht, dass ich mit meinem Leben zurecht komme. Es bedeutet nicht stabil zu sein. Aber es bedeutet jeden Tag aufzustehen und das beste zu geben. Es bedeutet einkaufen. Nicht mal kochen, aber nicht zu verhungern. Es bedeutet zu lernen, dass man alleine ist auch wenn man nicht alleine ist. Es bedeutet dass die Ängste und Sorgen nicht mehr und nicht weniger werden. Sie werden einfach anders. Vielleicht komplexer.
Aber mit diesem komischen erwachsen werden bin ich wohl auch gewachsen. In, an und mit mir.
Ich habe früh in meinem Leben aufgehört an mich zu glauben. Ich habe früh aufgegeben mich zu lieben. Und ich weiß nicht wann und wo es passiert ist. Aber ich mag mich. Ich bin mir wichtig und ich weiß dass ich wertvoll bin und etwas kann.
So sehr, dass ich sogar beim Zahnarzt war gestern. Nach 6 oder 7 Jahren das erste mal. Und ja vielleicht habe ich geweint weil ich so doll Angst hatte. Aber ich habe es überlebt. Und es war nicht so schlimm wie ich dachte. Diese Angst zwar nicht besiegt aber zu mindestens einmal bekämpft.