Die alljährliche Produktion des internationalen Opernstudios der Oper Zürich gemeinsam mit dem Musikkollegium Winterthur hatte Premiere: “Serse” (“Xerxes”), eine der letzten, jedoch meistgespieltesten Händel-Opern…
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Der Pandemie zum Opfer gefallen, nun als interessante Mischung aus Filmdokument und live gesungenen Arien im Zürcher Opernhaus zu sehen und zu hören – die selten gespielte Barock-Oper “L’Olimpiade” von Giovanni Battista Pergolesi….
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Theaterrezension/ -bericht zu “Acis und Galatea” im Watergate in Kilkenny
Vor ungefähr zwei Wochen habe ich entdeckt, dass die Händel-Oper “Acis & Galatea” im Watergate-Theater in Kilkenny aufgeführt werden sollte. Also habe ich, nachdem ich über das St. Patrick’s-Day-Wochenende vier Tage am Stück im Hole in the Wall gearbeitet hatte, beschlossen, dass ich genug Geld verdient hatte, um für mich und die kanadische Freundin Karten zu kaufen. Sie war vorher noch nie in einer Barockoper gewesen, aber es gibt immer ein erstes Mal.
Die Oper wurde von der Opera Theatre Company aufgeführt, einem Tournee-Ensemble. Auf dessen Webseite gibt es ein paar Bilder, die ich nicht klauen möchte. Aber man bekommt eine Idee vom Bühnenbild und den Kostümen.
Zunächst einmal: die Musiker und Sänger waren ausgezeichnet. Wir konnte ein paar Textteile verstehen, was hilfreich war. Wir hatten uns aber vorher über die Handlung belesen. Zum Glück hatten die Arien auch so viele Wiederholungen im Text, dass ich zumindest spätestens beim fünften Mal verstanden habe, worum es geht.
Es spielte im ländlichen Irland, genauer gesagt in einem Pub, was angemessen für eine Pastorale ist, aber es führte dazu, dass einige Dinge einfach unlogisch waren.
Damon und Galatea waren Bartender. Jeder außer Polifemo (und Galatea) hat die ganze Zeit getrunken und dennoch war es Polifemo, der völlig betrunken in den Pub torkelte, kurz bevor er Acis umbringt. Außerdem sind diese sogenannten Freunde von Acis und Galatea die nutzloseste Bande, die sich je Freunde geschimpft haben. Erstens: warum halten sie Acis davon ab, den Pub zu betreten, als er von seiner Reise zurück kehrt und endlich seine Freundin sehen will? Man hätte es so arrangieren können, dass Polifemo im Pub ist, so dass sie das Treffen der beiden Verehrer verhindern wollen. Aber Polifemo war nicht auf der Bühne.
Zweitens: Damon hätte Polifemo aus dem Pub schmeißen sollen, als er so betrunken reinkommt und klar wird, was er vorhat. In einem richtigen pastoralen Hintergrund auf einer Wiese/ Weide kann man ihn nicht rausschmeißen, aber in einem Pub geht das sehr wohl und man kann die Tür verschließen und die Polizei rufen, wenn nötig. Stattdessen haben sie ihm mehr Drinks serviert.
Drittens: Nachdem Acis getötet wurde und Galatea verzweifelt neben ihm kniet, singen die Freunde “Beende deine Trauer”. Unsensible Arschlöcher.
Außerdem waren sie wie Cowboys angezogen und wir wissen nicht, warum. Vielleicht sollte es so einen Bezug zum ländlichen Hintergrund in den Vereinigten Staaten hergestellt werden oder es sollte den “Brokeback Mountain”-Nebenhandlung (es gab ein schwules Pärchen in Cowboy-Kleidung) unterstützen. Jedenfalls schien es unmotiviert.
Nebenbei bemerkt war das Theater nicht gerade ausverkauft. Ich weiß, Barockoper ist nicht gerade Mainstream, aber ich glaube nicht, dass es ideal beworben wurde. Ich weiß von einer Freundin hier, dass sie Oper liebt und sie war nicht da. Aber vielleicht hatte sie nur andere Pläne. Ich habe aber das Plakat oder den Flyer auch erst sehr spät entdeckt.
Wie dem auch sei, nach der Oper sind wir rüber ins Cleere’s gegangen (was auf der anderen Straßenseite vom Watergate liegt), wo ich meine Geige “geparkt” hatte, damit wir bei der trad session mitmachen/ zuhören konnten. Der Pub war dermaßen voll, vor allem mit Amerikanern. Ungefähr 20 min, nachdem wir reingekommen waren, kam das Opernensemble nach. Ich habe jedem, den ich als Ensemblemitglied ausmachen konnte, gesagt, wie gut ich ihre Leistung fand (was die Wahrheit war; sie konnten ja nichts für die Entscheidungen des Regisseurs). Am längsten habe ich mit der Sängerin gesprochen, die die Galatea gesungen hat. Ich war ziemlich überrascht zu hören, dass sie gar keine Irin ist! Im Spaß habe ich der kanadischen Freundin später einen Text geschickt und geschrieben, wie unerhört es ist, dass Galatea als Ausländerin in einem irischen Pub arbeitet (weil die Kanadierin und ich ja beide in einem Pub arbeiten). Jedenfalls hat mich Susanna Fairbairn (=Galatea) gefragt, woher ich komme und als sie gehört hat, dass ich aus Leipzig bin, hat sie gesagt, dass sie schon ganz oft dort war. Ich bin nicht überrascht, schließlich ist Leipzig eine sehr musiklastige Stadt und ein guter Ort für Alte Musik. Wahrscheinlich hat sie sogar mit meiner Tante gespielt, die Cellistin im Gewandhausorchester ist. Wie die Kanadierin jetzt singen würde: “It’s a small world.”