Eine Ode an OpenStreetMap
Nach langer Zeit mal wieder ein Post auf Deutsch, vor allem, weil ich meiner Familie erklären will, was ich in letzter Zeit so getrieben habe, und vielleicht interessiert es auch andere. Seit Ende November 2019 habe ich sehr intensiv in Irland bei OpenStreetMap (ehrenamtlich) mitgearbeitet. So sehr, dass ich die meisten Bearbeitungen im ganzen Land habe. (Mit Abstand.) Aber was ist das und warum sollte man seine Zeit damit “verschwenden”?
Also, OpenStreetMap ist ein Kartenanbieter (online natürlich), der OpenSource ist. “Sprich deutsch mit uns, Kind!” - Okay. Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und es ist nicht kommerziell, anders als zum Beispiel GoogleMaps, wo ja auch jede Suche gespeichtert wird, so dass die wissen, nach welchen Restaurants oder Ärzten man gesucht hat. Ist jedem selbst überlassen.
OpenStreetMap ist aber inzwischen sehr viel mehr als ein normales Navigationshilfsmittel. Je nachdem, wie viel Leute beigetragen haben, kann man nach sehr speziellen Sachen suchen, nach denen man bei GoogleMaps m.E. nicht suchen kann. Zum Beispiel nach Defibrillatoren in Leipzig. Das scheinen nicht allzu viele zu sein, wahrscheinlich sind nicht alle eingetragen.
Oder nach Fahrradläden in Leipzig. Schon viel besser.
Oder nach Recycling in Weimar (zur Abwechslung mal). Die Möglichkeiten sind schier unendlich, vorausgesetzt, jemand hat sich die Mühe gemacht und hat das alles eingetragen.
Eine auf dieserlei Dinge spezialisierte App könnte die Daten dann auslesen und praktisch dem Endnutzer anzeigen.
Zum Glück sind wir ja nicht alle gleich und haben unterschiedliche Interessen. Ich habe zum Beispiel die letzten drei Monate nach “benchmarks” gesucht und die gefundenen dann eingetragen. Was ist das nun wieder? - Das sind Markierungen, die zwischen 1839 und 1871 irgendwann (so genau habe ich das noch nicht herausgefunden), in Irland von den Landvermessern in Mauern eingemeißelt wurden, damit man später die Stelle wieder finden konnte. An dieser Stelle haben die Vermesser die Höhe über dem Meeresspiegel gemessen und berechnet und das dann in einer Karte eingetragen. Manche dieser alten Karten sind online verfügbar, so finde ich die.
Wir haben eins am Rothe House und insgesamt habe ich in Co. Kilkenny bisher 64 gefunden. Ich habe eine Karte gebastelt:
(bringt sicher eher was am Laptop als auf dem Smartphone), worauf die
grauen Punkte die benchmarks sind. Die ersten ungefähr 30 habe ich ohne Karte gefunden, aber jetzt prüfe ich halt, welche noch da sind. Sie sind nicht geschützt, sondern gehören der Person, der das Haus gehört. Einige sind ganz verschwunden, weil die Mauer eingerissen wurde, manche sind überputzt. Ich trage nur die ein, die ich tatsächlich gesehen habe oder von denen ich Fotos bekommen habe (denn ich habe schon ein paar Leute angesteckt). Sehr wenige Leute wissen, was es ist und ich gebe daher am 11.1. eine Führung in Kilkenny.
Ich habe meistens noch die Maße der Markierungen eingetragen und in welchen Karten man sie findet. Eine Dame vom Denkmalamt (Heritage Council, das ist so ungefähr das Äquivalent) hatte mich gebeten, ihr eine Datenbank zu erstellen, aber es klang nicht so, als ob sie mich dafür bezahlen würde und da wollte ich denen nicht exklusiven Zugriff erlauben, sondern habe lieber alles gleich für alle sichtbar in OpenStreetMap eingetragen.
Die blauen Punkte auf der Karte sind Schwengelpumpen, die ich auch angefangen habe einzutragen. Wenn man das spaßenshalber mal mit Berlin vergleichen will, wo es offenbar große Fans von den Pumpen gibt.