"Beziehungen – der Schleichweg zum Ich
Die erlösende Erkenntnis, dass jede Beziehung in Wahrheit eine Begegnung mit sich selbst bedeutet, bewirkt eine regelrechte Revolution im (Beziehungs-) Leben.
Diese Erkenntnis ist einerseits sehr unbequem, weil man die Verantwortung für seine Probleme nicht mehr auf andere oder irgendwelche Umstände abschieben kann. Andererseits bedeutet es das Ende der Ohnmacht: Man fühlt sich nicht länger anderen ausgeliefert und hat mehr Macht über das eigene Leben.
Partner und Partnerin sind nicht mehr für unser Glück verantwortlich, somit fällt der ganze Erwartungsdruck weg und man begegnet einander unbelasteter, mit offenem Herzen.
Gehen wir den Dingen auf den Grund, schauen hinter die Fassade und kommen von der Oberfläche in die Tiefe, sehen wir, was wirklich ist und das Abenteuer Selbsterkenntnis beginnt, denn in Wahrheit geht es nicht darum, eine tolle Beziehung oder die wahre Liebe zu finden, es geht darum, sich selbst zu finden!
Die wahre Lösung unserer Beziehungsprobleme liegt darin, dem Unsichtbaren und Unbewussten von uns selbst auf den Grund zu gehen. Dazu brauchen wir einerseits die Reaktionen von anderen auf unsere unbewussten Verhaltensweisen. Außerdem ist ein Gegenüber nötig, damit Gefühle fließen können, weil wir sie nur wahrnehmen, wenn sie sich bewegen. Je näher uns nun jemand kommt, umso tiefere emotionale Schichten berührt er.
Jede Form von Beziehung bedeutet teilen, sich teilen, mitteilen, das Ich mit jemand anderem, einem Du teilen.
Dadurch, dass wir uns mit anderen teilen, werden wir selbst „ganzer” im Sinne von bewusster. Nein, nicht, weil der andere unsere Mängel ausgleicht, sondern, weil wir durchs Mitteilen Zugang zu unserem unsichtbaren Inneren erhalten. Eine Beziehung ist somit gewissermaßen der „Schleichweg zum Ich”, zu sich selbst. Sie macht Selbsterkenntnis möglich, wir werden uns selbst bewusster. Wir sind füreinander Projektionsflächen für Unbewusstes und Unsichtbares. Je näher wir jemandem kommen, umso tiefer sehen wir in uns selbst hinein."