Tag 2332 / “Es ist eine Liebeserklärung an das orthodoxe Judentum und das Judentum allgemein.”
Bei diesem Satz bekomme ich eine Gänsehaut. Und als ich die Gänsehaut meiner Oberschenkel und den Satz in dem Buch, das auf ihnen liegt, fotografieren will, rollen Tränen über meine Wangen. Auch jetzt, während ich das schreibe.
Im letzten Sommer gehe ich zum Wannsee mit den Büchern einer Jüdin, die ihre ultraorthodoxe Gemeinschaft verlassen hat. In diesem Sommer nehme ich das Buch eines konvertierten Deutschen mit.
Ich habe es mal in Schöneberg gekauft in einem Buchladen nahe der Hauptstrasse. Oder ich habe es da gesehen und vorher oder nachher woanders gekauft. Das war 2014, glaube ich.
Niemand kauft sich so viele Bücher über das Judentum, über Psalmen der Tora in hebräisch, englisch und deutsch, über Konvertiten und Exorthodoxe, niemand betet quasi täglich jüdische Morgen- und Abendgebete, niemand denkt so viel darüber nach, wie er das angehen soll mit dem Konvertieren, wenn er das nicht aus grosser Überzeugung, aus ganzem Herzen, ganzer Seele, dem ganzen nüchternen Geiste will.
Und es wird Menschen geben, die mir abraten und mich bremsen. Und es wird die geben, die mir den Weg zeigen und mich unterstützen.
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Diese Art, dort zu arbeiten, führt zu einem Energiestau.
Bis Mittwoch war mein Po noch flach. Meine Hüften standen kaum hervor, meine Beine waren schmal. Irgendwas, an der Art, dort zu sitzen, an der Art, diesen Alltag so zu leben, führt zu einem Energiestau in meinem Körper, zu einer megamäßigen Anspannung.
Zwei Tage gearbeitet, zwei Tage mit dem Fahrrad hin und zurück gefahren und mein Po tut so weh, ich kann nicht mehr sitzen auf dem Küchenstuhl, ich kann nicht mehr sitzen auf dem Wohnzimmerstuhl, ich habe den ganzen Tag gesessen seit 9:00 Uhr. Ich möchte so nicht leben, ich möchte keinen Büroarbeitsplatz, bei dem ich die ganze Zeit sitzen muss.
Mir bekommt das physisch nicht und psychisch nicht. Mein Nacken tut weh nach zwei Tagen.
"Und was willst du stattdessen machen?" hat meine Mutter mich Anfang Ende der Nullerjahre gefragt. Was willst du denn stattdessen machen, würde mich auch jemand von AA fragen. Gestern mit Silvie telefoniert, gestern der Betreuungsfrau gesagt: Ich verstehe überhaupt nicht, warum ich arbeiten soll, wenn es mir so gut ging im Urlaub. Und die lachen dann und fragen, woher soll denn das Geld kommen und ich denke, das Geld kommt in Deutschland, du bist abgesichert, du kannst Arbeitslosengeld eins und Arbeitslosengeld zwei beziehen, kannst Sozialhilfe bekommen, du kannst Erwerbsminderungsrente bekommen. Wenn ich mehr Mut hätte, würde ich mich selbstständig machen. Ich bin feige. Ich trau mich noch nicht mal zu sagen, dass ich Stunden verkürzen möchte.
Ich hab gestern fast acht Stunden gearbeitet - am zweiten Tag alles falsch machen. Ich assimilier mich perfekt im Urlaub, aber leider auch sofort wieder bei der Arbeit. Ich wundere mich, wie gut ich mich wieder in meiner Wohnung fühle, wie schnell ich mich daran gewöhne, wie wenig ich vermisse, aber mein Körper, meine Seele, die signalisieren mir eigentlich Unwohlsein. Ich hab so viel Energie im Körper, dass ich bei Fontane Bianche dreimal schwimmen gehen kann. Vorher war ich morgens schon bei der Unterkunft schwimmen und mittags war ich bei Maria della weiß ich nicht mehr schwimmen.
Ich kann sechsmal am Tag ins Meer gehen oder neunmal. Ich hab Energie, mit dem Auto von A bis B zu fahren und alles richtig zu machen. Ich hab noch Energie, meine Bikinisachen auszuspülen. Ich hab noch Energie, morgens nach dem Frühstück zu bloggen. So geht es mir im Urlaub, da hab ich ganz viel Energie.
Und hier habe ich ja auch die Energie, aber ich kann die gar nicht rauslassen, die kann ich doch bei einem Büroarbeitsplatz überhaupt nicht rauslassen, all das, was alles in mir steckt. Der Bauch ist morgens noch relativ flach und mittags esse ich nur eine Pommes und dann gehe ich mit so einem Schwangerschaftsbauch wieder nach Hause, weil sich da alles staut und weil mir das alles nicht bekommt, nicht die Leute und nicht das Essen.
Wie diese neue Leiterin heute gegen die Arbeitnehmer argumentiert hat. Ich möchte nicht auf dieser Seite sitzen. Ich möchte nicht Teil dieser Leitungsebene sein, die Lösungen entwickelt, die schlecht für die Mitarbeiter sind. Ich möchte da nicht zuhören, das mitbekommen und dann auch noch zustimmen sollen, ob jetzt alles okay ist, Frau Agatha, ob ich jetzt einverstanden bin. Nein, ich bin immer noch nicht einverstanden. Den Arsch muss man erst mal in der Hose haben, vor allen Leuten zu widersprechen. Aber ich hatte den eigentlich erst in der Hose, als mein Chef sich ausgeklinkt hat aus dem Meeting. Es ging um die hohe Fluktuation und um Arbeitnehmerzufriedenheit und das ist eigentlich meine Unzufriedenheit, die aus mir schreit, der Neid über die anderen, dass sie einfach gehen. Die von der Verwaltungsabteilung ist gegangen, sie hat mit mir gleichzeitig angefangen, die wurde gleichzeitig mit mir entfristet, die ist gegangen. Es gehen Leute, die sind kürzer da als ich. Es gehen Leute, bevor sie angefangen haben.















