Auf Zettel 9/9 hält Luhmann ein Dogma jener deutschen Institutionen fest, die in ihrem Winkel davon ausgehen, den Bilderstreit erledigt und Rom entweder hinter sich gelassen zu haben oder aber die Antike klassisch zu stutzen. Das ist das Rechtsdogma, dem der Name Winkeladvokatorium gebührt.
Es ist das Dogma der Baseler Archäologie...nicht. Es ist das Dogma von prosaischen Institutionen rechts vom Rhein und oberhalb vom Main. Das ist das Dogma der Beamten, deren Zucht und Disziplin Kittler und Vismann seziert haben und denen es zwar am Mittelmeerbecken zum Leben zu heiß, zu dreckig, zu laut oder mit falschen Waffen zu gewaltig ist, die dennoch gerne 14 Tage vorbeischauen und in Deutschland am liebsten zum Italiener gehen.
Luhmann braucht für's Festhalten erst eine Zeile :
Systemtheorie praktiziert das Bilderverbot
Dann braucht er einen kleinen historisch-kritischen Kommentar, dafür reicht ihm eine zweite Zeile:
Dann braucht er relativ viel Operationsfeld, also relativ viel von dem, was dem römischen Recht nach zwar tabula, aber nicht pictura, imago (auch nicht idea, eidolon oder eikon) ist. Er braucht nämlich den Rest sämtlichen Zettels, um die Praxis des Bilderverbotes anschaulich werden zu lassen. Sieht aus wie Ryman, Robert. Nur vergilbter inzwischen. Im white cube gibt's auch Felder, man sieht hier eines vor sich.
Man darf nichts einkerben in die vielleicht nicht immer frische, aber immer anhaltend meteorologische (und nur meteorologische abgesegnete) Fläche der Schreibunterlage, wenn man das Bilderverbot anschaulich praktiziert. Nichts schreiben darf man dann. Man kann sich dann auch die weitere Kritik sparen, etwa die Ausführung dazu, warum man nun das Bilderverbot zwar praktiziert, aber nicht zum ersten mal (oder Mahl, Anm. FS).
Ach wärst du doch beim ersten Mal/ Mahl geblieben, Niklas! Luhmann malt aber weiter und malt sich die Praxis des Bilderverbotes in einem Stil aus, der ihm von der Bielefelder Kunsthalle und den Geschäften der Fußgängerzone vertraut sein dürfte. Schnell alternde klinische Flächen, denen keine Patina bekommt, eher reißt man sie ab. Dieses Bilderverbot (es gibt andere) ist eine symptomatische Regierung, die zwingt zur Wiederholung. Nicht unbedingt quadratisch, aber schon praktisch und gut sieht der Zettel so aus.
Luhmann spricht von einem Joker, wenn er von einem Zettel spricht, der allen anderen Zetteln widerspricht. Nicht jeder Zettel ist ein Joker in Luhmanns Kasten, aber der zum Bilderverbot, der ist einer.