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Content Marketing – eine inhaltsleere Diskussion
Vor zwei Wochen hat Thomas Strerath sich erlaubt, sich abfällig über eine Sau namens Content Marketing zu äußern. Seit zwei Wochen wird eben jene Sau von professionellen Viehtreibern unter Zuhilfenahme von mehr oder weniger kompetenzgehärteten verbalen Knuten mal links, mal rechts herum durchs unbeugsame Werberdorf Fachpresse getrieben. Laut, lauter, am Lautesten melden kehlige Alphatier-Rufe geschäftliche Interessen an, die keinem Zweck als der hierarchischen Neuordnung des Affenfelsens dienen.
„Gib ihr einen mit der Media-Keule, sie läuft nach Hamburg“, ruft der eine.
„Verpass ihr die Big Idea-Peitsche, damit sie umdreht“, skandiert der andere.
Die Lautstärke stimmt, allein der Inhalt lässt zu wünschen übrig. Ja, das ist anstrengend. Aber wer will es ihnen übel nehmen? Die Haute Volée auf dem Felsen ist es nicht gewohnt, sich über Inhalte zu definieren. Wie sollte sie auch? Jahrelang galt - aus Gründen, die sich mir nicht erschließen – das eherne Gesetz desjenigen, der mit möglichst viel Phon ein möglichst ansehnliches Gemächt auf den medial errichteten Richtertisch schlug. Folgerichtig fällt es ihnen schwer, über Inhalte zu sprechen. Inhalte sind für sie in Fleisch-auf-Holz-Dezibel messbar. Sie nennen dieses Geräusch „Content“. Sie wissen nicht was sie damit meinen, geschweige denn, dass Content auf Deutsch „Inhalt“ heißt. Im Kampf um den Thron hat das allein Stefan Kolle begriffen, der in seiner Replik auf das Gebrüll der Alpha-Männchen Howard L. Gossage als Quelle heranzieht: „People don’t read ads - they read what interests them, and sometimes it’s an ad.“ Jedes Säugetier mit einigermaßen regulärem Kommunikationsverhalten, das im 21. Jahrhundert noch atmet, archiviert diesen Satz unter A wie „Allgemeinplatz“. Als Ausgeburt des gesunden Menschenverstands. Als Tatsache, über die es nicht wert ist, zu diskutieren. Als Wahrheit.
Alle Affen, die sich darum streiten, der top-notch Pavian zu sein, hinterfragen die These, beschäftigen sich mit der Frage nach Idee versus Verbreitung, peinlich ernsthaften Gedanken zu karnevalistisch anmutenden Vermarkter-Akronymen (HaHaHa), und wechselseitigen Schlägen auf Laphroiag-gestählte Nieren. Würde sich nur irgendjemand die Mühe machen, die während der wortreichen Diskussion unter den Tisch gefallenen Krumen des mittlerweile völlig zerfetzten Objekts der allgemeinen Begierde aufzulesen, läge der Weg weg vom Pfefferkuchenhaus, hin zu einer Consumer Journey, die nicht in Verbrennungen dritten Grades endet, deutlich vor ihm.
Dafür müsste dieser jemand allerdings den Konsumenten verstehen. Sich vielleicht in seine Lage hinein versetzen. Ich wage einen Versuch, indem ich Chris = Konsument setze. N = 1 = miese Fallzahl.
Ich habe keine digitalen Werbekontakte. Ich schaue kein lineares Fernsehen. Online sehe ich maximal promoted posts in Social Networks. Ich nutze keinen Ad Blocker. Ich bewege mich nicht auf Websites, auf denen Banner ausgespielt werden. Wenn ich mobile online gehe - und das tue ich mehrmals täglich - dann niemals über einen Browser. Ergo: keine Banner. Ich werde in diesem Jahr 40 Jahre alt. Ich bin nicht Generation Y oder Z, qualifiziere mich demzufolge weder als Millennial noch als Centennial. Pseudosoziodemographische Einordnungen halte ich für Affen-Bullshit. Mobile ist für mich Alltag. Ich will eure Cookies nicht und daher gebe ich euch meine IP nicht.
Die magische Haushaltsnettoeinkommensgrenze von 3.500 Euro habe ich vor acht Jahren deutlich überschritten. Ich liebe Shoppen. Ich kaufe gern ein. Ich bin in-market ohne einen einzigen Werbekontakt. Ich bin in-market, um Geld auszugeben. Ich gebe Geld aus für gutes Essen, Wein, Bücher, Möbel, Klamotten, Elektronik und Autos. Ich treffe meine Kaufentscheidungen online. Ich interessiere mich einen Scheiß für Epic Split und The Hire, weil ich a) keinen LKW-Schein habe und b) BMW in den letzten drei Jahren designmäßig böse abgekackt hat. Ich interessiere mich für relevante Informationen, nicht für Gebrüll vom Affenfelsen. Ich freue mich darüber, wenn Informationen, die ich suche, da zu finden sind, wo ich suche.
Kurz: Content Marketing ist kein Gesprächsthema, sondern ein sinnentleerter Anglizismus für das, was Konsumenten schon immer von Unternehmen fordern, die um ihre Aufmerksamkeit buhlen: Inhalte, die relevant für die Kaufentscheidung sind. Inhalte, die mir glaubhaft vermitteln, dass just dieses eine Produkt, emotional und funktional das richtige für mich ist. Weder eure “Große Idee” (Opa liegt im Sterben, bis Essen von EDEKA kommt) noch Verbreitungsweg und Media-Einsatz (Hühner wackeln, fröhlich pre-rollierend den Mercedes-Benz-Hühnerstall-Fahrkomfort anpreisend, vor sich hin) spielen dabei eine Rolle. Die Chuzpe, mit der Werber nach wie vor behaupten, beurteilen zu können, welche Inhalte “in der Mitte verharren” und welche “geiler Scheiß” sind, ist mir unbegreiflich. I read, what interests me. Just give me something to read.
Utopien für eine lange Nacht
1. Scheitern
Wenn man das Wort “Scheitern” im Duden nachschlägt, findet man das folgende:
“scheitern”
- schwaches Verb
Bedeutungen:
Ein angestrebtes Ziel o.Ä. nicht erreichen, keinen Erfolg haben
misslingen, missglücken, fehlschlagen
Neben der Tatsache, dass nach meinem Empfinden “scheitern” unabhängig von seiner Konjugation ein sehr starkes, vielfältig aufgeladenes Verb ist, das sich substantiviert ohrenscheinlich nur in einem so unangenehmen Ding wie dem “Scheiterhaufen” wieder findet, widerstrebt es mir, Scheitern mit “keinen Erfolg haben” gleich zu setzen. Ich behaupte nicht, Christoph Schlingensief verstanden zu haben. Den Slogan “Scheitern als Chance” habe ich verstanden.
Zu meinem Job gehört es, in schöner Regelmäßigkeit, Bewerbungsgespräche zu führen. Neben dem gemeinhin bekannten Standardrepertoire, stelle ich jedes Mal die Frage nach “dem Scheitern”.
Also, “Wann haben Sie mal so richtig was vor die Wand gefahren? Was war ihre größte Niederlage?”
Die meisten Bewerber reagieren perplex, drucksen rum, genieren sich, eine Antwort zu geben. Die meisten von ihnen - das sei ihnen zu Gute gehalten - sind auch eindeutig zu jung, um schon einmal in den Genuss einer grundsoliden Bruchlandung gekommen zu sein. Genuss möchte ich in diesem Zusammenhang bitte in Anführungsstriche gesetzt wissen. Ein Genuss ist Scheitern wahrlich nicht. Ich habe bereits diverse Chancen dazu gehabt, und ich habe sie alle genutzt.
Mein stets folgender Versuch, den- oder diejenige, der oder die mit mehr oder weniger großem Selbstbewusstsein ausgestattet, vor mir sitzt, zu beruhigen, läuft gemeinhin ins Leere.
“Keine Sorge, du wirst noch früh genug scheitern”, sage ich und entnehme den pikierten Blicken, dass das eher als Drohung, denn als Zuspruch gewertet wird. Scheitern wird offenbar als Katastrophe, als Unding, als menschliches Versagen, ja, als Defekt, wahrgenommen. Unsere Gesellschaft lässt keinen Raum für Scheitern. Unsere Erziehung kennt nur Erfolg. Mit Häme wird auf die geblickt, die im Kampf um große Träume zu Boden gehen. Nach dem Grund wird nicht gefragt, es heißt nur: “Guck mal, da hat er sich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt.” So werden aus großen Träumen kleine, allgemein verdauliche Träumchen, wie “für eine handvolle Wochen Deutschlands Superstar zu werden” oder “einmal neben Kai Pflaume zu sitzen”. Echte Träumer scheitern. Wieder und wieder.
Ideen, deren Haltbarkeit über die eines leidlich erfolgreichen YouTube-Filmchens hinaus gehen, werden nicht über Nacht verwirklicht. Aus Scheitern entsteht Größe. Aus Scheitern entsteht Menschlichkeit. Menschlichkeit im Sinne von “Mensch-sein”. Im Sinne von verstehen, was “Mensch-sein” ausmacht - in guten, wie in Scheiß-Zeiten. Wenn ich also meinem Gegenüber prophezeie, dass es noch früh genug scheitern wird, so heißt das mitnichten, dass ich ihm schlechtes wünsche, sondern das genaue Gegenteil: Ich wünsche ihm von Herzen, mehr Mensch zu werden. Am Scheitern zu wachsen. So viele Erfahrungen zu sammeln, wie möglich. Seinen eigenen Weg zu gehen. Vom ausgetretenen Pfad abzubiegen, wenn das Verfolgen seiner Träume dies erfordert. Dinge vor die Wand zu fahren. Scheiße zu bauen. Auf die Fresse zu fallen. Geld, Freunde und vermeintlich Reputation zu verlieren, aber vor allem: immer wieder aufzustehen. Das Aufstehen ist in diesem Prozess deutlich schwieriger als das Hinfallen. Oft schafft man das aus eigener Kraft. Manchmal braucht man eine helfende Hand. Die helfende Hand von einem, der steht. Die Crux: Viele “Steher” sind nicht gewillt einem “Lieger” auf zu helfen, da sie ja bereits in der Schule gelernt haben, dass Scheitern “pfui” ist. Hochmut kommt vor dem Fall. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Was Hänschen nicht lernt…und so weiter und so fort. Mit Menschen, die gescheitert sind, wollen wir ohne Schutzkleidung, -impfung und -bunker so wenig wie möglich zu tun haben. Am Ende ist solch übler Misserfolg noch ansteckend…
Glücklicherweise gibt es sie aber doch, die Steher, die ihre Hand nach unten ausstrecken. Oft sind sie in der Wahrnehmung der Allgemeinheit “erfolgreich”. Oft werden sie in der großen, der öffentlichen Handreichung geschmäht dafür, dass sie anderen auf die Füße helfen.
“Ja, klar, das macht er, weil er nicht weiß, wohin mit seinem Geld, der privilegierte Arsch”, sagen wir und ziehen uns zurück in unsere ach so bedauernswerte 40-Stunden-Wochen-Lohnsklaven-Lethargie.
Dass “die Hand ausstrecken” einkommensunabhängig passiert, kommt uns dabei nicht in den Sinn. Die “Aufhelfer” sind gemeinhin die, die selbst ihre Erfahrungen mit Scheitern gesammelt haben. Die, die “Mensch-sein” verstanden haben. Scheitern als Chance. Die Chance, als Individuum zu wachsen und gleichzeitig unser Gemeinwesen aus der preussischen Finsternis, die unser G8-Schulwesen und unsere auf Gehorsam ausgelegte Arbeitswelt dominiert, heraus zu führen. Stück für Stück. Ein weiterer Schritt mit jedem Scheitern und jedem Aufstehen.
Das ernüchternde Paradoxon in dieser vermeintlich simplen Gleichung ist, dass die, die sich für die aufrechtesten Steher halten, seit Jahren am Boden liegen, ohne es zu merken. Diejenigen, die fortwährend laut schreien, um sich selbst vorzugaukeln, dass sie “fest gemauert in der Erde, wie die Form aus Lehm gebrannt” aufrecht im Sturm stehen. Diejenigen, die weder mit dem vorangegangen Zitat, noch mit “Mensch-sein” etwas anfangen können. Diejenigen, die anderen Träume neiden. Diejenigen, die anderen Möglichkeiten neiden. Diejenigen, die den Neid, der sich Tag für Tag an ihrer verkrüppelten Seele labt, mit Angst verwechseln. Mit der Angst, die sie zwingt, liegen zu bleiben. Der Angst, die sie in Hass umwandeln, da sie nichts anderes gelernt haben. Sie verstehen nicht, was um sie herum passiert, verwechseln unten mit oben. Jesus aber spricht: “Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.”
Gut, ich bin (offenkundig) nicht Jesus, und ich war im Handausstrecken bislang nicht allzu erfolgreich. Aber ich habe ein paar Dinge gelernt.
1. Wir brauchen Träumer, die Scheitern und wieder auf die Füße kommen - so viele, wie wir kriegen können. Scheitern macht aus Lehm menschliche Wesen.
2. Die Phrase “die da oben” muss sofort aus unserem Wortschatz gestrichen werden - hätte nie in unseren Wortschatz auftauchen dürfen. Gleiches gilt für “Lügenpresse”, “Islamisierung”, “Laktose-Intoleranz” und “Scheiterhaufen”.
3. “Wir schaffen das” nur gemeinsam. Die Stehenden. Die, die keine Angst haben. Die, die wissen, dass Scheitern Chance bedeutet. Entscheide selbst, ob du einer von denen bist.
4. Wenn wir “das” geschafft haben, müssen wir daran arbeiten, das wir unser Bildungssystem und unsere Einstellung zu Nationalstaaten ändern.
5. Je kleiner die Träume, desto kleiner das, was realistisch erreicht werden kann. Wollte Carl Benz eine Lindenblüten-verklebte, unsportliche Zweiliter-Diesel-Familienkutsche mit selbsthaftenden Hello-Kitty-Sonnenblenden im Fond erfinden? NEIN! Carl Benz wollte nicht weniger als eine verdammte Revolution im Personenverkehr.
Puh…so viel zum Gap zwischen Traum und Wirklichkeit. Stellt euch einfach vor, was herausgekommen wäre, wenn olle Carl sich den guten Stern auf allen Straßen von vornherein als rollende Wickelkommode mit Getränkehalter vorgestellt hätte. Stellt euch das vor und urteilt dann noch einmal über scheiternde Träumer.
Weepy Wednesday
It's weepy Wednesday. Aus diesem Grund gibt's heute eine Zeitreise zurück in den Oktober des Jahres 2012. "Track 15: Menstruationsbeschwerden bei weiblichen Pandabären" steht ziemlich auf der Kippe hinsichtlich einer Aufnahme in ZUGZWANG - Das Album. Ich finde das Stück dufte, allein die Geister der Kritiker scheiden sich. Der Schriftsteller und sein Anwalt werden sich für jedweden, sachdienlichen Hinweis generös mit einer Freianweisung des e- oder Hör-books erkenntlich zeigen. Die Frage aller Fragen: Ist Kat drin oder nicht?
Menstruationsbeschwerden bei weiblichen Pandabären (Im Kopf einer Mitreisenden) 30. Oktober 2012
Ich sitze im ICE. Stuttgart - Kassel. Dann weiter nach Halle. Halle Saale versteht sich. Ich habe zu arbeiten. Ein Abteil für mich. Bis gerade. Ein Pseudo-Geek mit schwarzer Designer-Brille und Plastiktasche steigt ein. Pfff. Gleich zückt er sein Macbook. Garantiert. Ich habe keine Zeit, mich mit ihm zu beschäftigen. Schaue nur kurz hoch, nicke und schreibe weiter. Ich habe zu arbeiten. Ich schreibe eine Arbeit. Ich schreibe DIE Arbeit. Die entscheidende Hausarbeit für meine Zwischenprüfung: “Menstruationsbeschwerden bei weiblichen Pandabären, die in ihrer Kindheit emotionaler, häuslicher Gewalt ausgesetzt waren.” Untertitel: “Bilderbücher, Bambus, Bulemie.” BAAAMM! Diese Arbeit ist wichtig. Ha! Der HiWi von Professor Börnemann-Klevemannn wird sich umschauen. Das hier ist nicht weniger als ein “Game-Changer” in Sachen Gender-Studies. Ich habe nicht 38 Jahre meines Lebens der Wissenschaft geopfert, um mich von spät pubertierenden Cis-Männchen rum schubsen zu lassen. Deswegen tippe ich laut. Laut und energisch. Ich habe mir heute früh die Fingernägel spitz gefeilt, um die Cherry-Click - click - clickediclick - clickclackclack - clackCLICKCLICKCLICK -Tastatur meines 17-Zoll DELL-Rechners auch mit der notwendigen, emanzipatorischen Energie anzuschlagen. Den brustbehaarten Hetero-Nerd habe ich schneller marginalisiert, als er Apfel-Q drücken kann. Jeder Tastenschlag eine Kugel in einem weiteren Macho-Kapitalistenschädel. Wenn der Zug nur keine Verspätung hat. Wir wollen heute noch mit der WG containern gehen. QUOD ERAT DEMONSTRANDUM. Absatz.
Ich gucke konzentriert. Jeder Muskel meines Gesichts ist bis aufs äußerste angespannt. KAPITEL 2: DIE BÜCHSE DER PANDORA - WIE UNS EINE PANDA-VAGINA DEN WELTFRIEDEN BRINGT. Das sitzt. Ha! Scheiße bin ich gut. 12 Seiten sind schon fertig. Das hier verändert die Welt. Ich bin nicht so wie diese Macho-Ärsche in ihren Anzügen, ihren Rüstungen, die im Zug sitzen, an sinnlosen Excel-Tabellen arbeiten und LEISE tippen. Leise tippen, um niemanden zu stören durch ihre Arbeit. Sehen aus, als würden sie die Welt regieren. Denken, sie täten es. Dass ich nicht lache. Die tun mir leid. Meine Arbeit soll stören. Soll wachrütteln. Jeder soll wissen, dass ich die Welt verändere. Ich. Ich tippe LAUT. Ich tippe VORLAUT. Meißele jedes Wort in die Seite, damit es da steht für immer. Unabänderlich. Tief. Wahr. ÄHNLICH EINES VERHALTENS, WIE FRAU ES AUCH BEI MENSCHLICH WEIBLICHEN KINDERN BEOBACHTEN KANN. Absatz.
Ich bin in einem kleinen bayerischen Dorf zur Welt gekommen. Spießig. Kegelclub-Patriarchat. Peinlich. Ich bin da schnell raus. Mit 28 bei meinen Eltern ausgezogen. Jetzt lebe ich in Halle/ Saale. Ich trage die Haare kurz und bevorzuge graue Kleidung. Versuche mich anzupassen. So zu wirken, als käme ich “von drüben”. Hätte die schlimme Zeit noch miterlebt. Mit dem Dialekt hapert’s, daher spreche ich nicht viel. Aus dem Osten kommen ist einfach so viel authentischer und irgendwie tiefer. Passt viel besser zu mir. In Halle bin ich einfach Kat. Nicht Katharina Maria. Ich habe es geschafft, einen verhärmten Ausdruck auf meinem Gesicht zu installieren. DDR-verhärmt. Genosse Lenin wäre stolz. Mein Gesicht ist hart. Meine Worte sind es auch. Harte Worte für eine harte, herzlose Gesellschaft. Der Geek versucht zu schlafen. Jetzt ist nicht die Zeit zu schlafen. Jetzt wird Geschichte GESCHRIEBEN, VERDAMMT! VON ALLEN SÄUGETIER-VAGINAS LIEBE ICH DIE VAGINA DER PANDABÄRIN AM MEISTEN. NICHT NUR WEIL IHRE FARBGEBUNG ALLE, VON MÄNNLICHER GEWALT GEPRÄGTEN, RASSISCHEN GEGENSÄTZE AUFHEBT, JA VERSCHMELZT, SONDERN SIE GLEICHSAM DAS YING UND YANG, DAS SCHWARZ UND WEISS DES URSPRÜNGLICH WEIBLICHEN VEREINT. GOTT MUSS GEWEINT HABEN, ALS SIE DIE PANDA-VAGINA ERSCHAFFEN HAT. Absatz.
Schnell noch den nächsten Absatz eingravieren. Gleich sind wir in Kassel. Jetzt kommt noch so ein Blondchen rein gestöckelt. Stiefel mit Absätzen. Lächelt den Geek an. Nutte. Widerlich zu sehen, wie verzweifelt manche Geschlechtsschwestern ihr Heiligtum zum Markt tragen. Ich habe überhaupt nicht die Zeit, mich um mein Aussehen zu kümmern. Mir die Achseln zu rasieren. Schminken. Pah! Alles Zeit, die der Wissenschaft verloren geht. Wenn ich anfangen würde, mich regelmäßig zu waschen, würde die Wahrheit nie ans Licht kommen. DIE FALSCHE, KÄUFLICHE SCHÖNHEIT, DIE UNS DAS PATRIARCHAT ALS MÖHRE VOR DIE NASE HÄLT, DER WIR DANN HINTERHER RENNEN SOLLEN, DIENT EINZIG UND ALLEIN DEM ZWECK, UNS FRAUEN KLEIN ZU HALTEN. UNS DUMM ZU HALTEN. DUMM UND NETT ANZUSCHAUEN. Sollte ich mit ihr sprechen? Armes Kind. Was weiß sie denn schon. Würde mich nicht wundern, wenn sie sich, kaum am Hauptbahnhof angekommen, in einem billigen Motel von dem Geek vögeln lässt. Armselig. PANDAS HALTEN NICHT VIEL VON SEX. SEX LENKT PANDAS DAVON AB, BESSERE STRATEGIEN FÜR DIE SUCHE UND ZUBEREITUNG VON BAMBUS SOWIE DEN WELTFRIEDEN ZU ENTWICKELN. PANDAS ESSEN KEIN FLEISCH. DAHER HABEN SIE AUCH KEINEN ORALVERKEHR. Absatz.
Ich bin ein Panda. Ich bin ein Panda, und ich schreibe es LAUT hinaus in die Welt. Ich hatte das letzte Mal mit 18 Sex. Sepp. Heuboden. Das übliche. Ich ekele mich immer noch, wenn ich dran denke. So, ich muss raus. Ich würdige sie keines Blickes. Die Abteiltür bleibt offen. Cis-Schwanz-Hure elende. Macho-Kapitalisten-Arsch. Jetzt bekomme ich Migräne. Na, toll. Nur noch drei Stunden bis nach Halle. ALLES WIRD GUT. Ausatmen. Einatmen. Absatz.
Noch 10 Tage...
First they take Göttingen...