First they take Göttingen...
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@kreuzbergpredigt
First they take Göttingen...
Und hier kommt Nr.3: Rap Battle im ICE 943 Oberhausen - Essen. FĂŒr heute reicht's erst einmal mit Aufnehmen... NĂ€chste Woche kommt Nachschub.
Opus No.2 aus der Reihe "Ich lese mich": Die Geschichte der Göttin Gen.Â
Hier die finale Version der Fruktatierinnen inklusive authentischer GerÀuschkulisse.
Als Beitrag zur intellektuellen Barrierefreiheit im Internetz und Tribut an unsere schnelllebige Zeit, habe ich gestern Abend damit begonnen, eine Hör-Serie mit dem demutsvollen Titel "Ich lese mich" aufzunehmen. Die Vertonung meiner Bahnfahrt Berlin-Frankfurt vom 12. Oktober 2012 gibt's als Amuse Oreille. Weiterer Blödsinn folgt, sobald ich meine Zunge wieder entknotet habe. Viel SpaĂ!
Göttingen, 27.09.2013
10:57 Uhr - âDas hat doch so alles keinen Sinn mehrâ, brummt der Polizist in meinem Abteil und legt die Schulterklappen ab. Zwei silberne Sterne sind darauf. Ein weiĂes Pferd ziert das Wappen auf dem dunkelblauen Kurzarmhemd. Seit fĂŒnf Tagen ist das Land ohne Regierung. Niemand sagt ihm, was zu tun ist. Wer Freund ist. Wer Feind. Er reicht mir seine Dienstwaffe. âHier. Die wirst du brauchen. Das ist ein scheiĂ Dschungel da drauĂen.â Mein Blick schweift zum Fenster. Rauchschwaden hĂ€ngen ĂŒber den zertrampelten Feldern. Ein Bauernhof steht in Flammen. Mit Mistgabeln und Schrotflinten bewaffnete MĂ€nner schĂŒtteln zornig die FĂ€uste, schieĂen auf das brennende Gehöft. Zerlumpte Gestalten sĂ€umen den Bahndamm. Eine alte Frau benutzt ein Hinweisschild als Pfanne und brĂ€t etwas, das wie eine Ratte aussieht. "Signalstörung", kommt es mir in den Sinn. Alles grĂŒn ist aus der Welt gewichen. Die einzigen Farben sind grau, schwarz, braun und das schmutzige Gelb des Feuers. âSiehst du, was ich meineâ, sagt der Polizist und schĂŒttelt den Kopf. Der Zug bremst. Göttingen. Oder viel mehr das, was davon ĂŒbrig ist. Langsam rollt der ICE noch ein paar Meter, bis er schlieĂlich auĂerhalb des Bahnhofs zum Stehen kommt. Unruhe macht sich breit. Ich entsichere die Pistole und gehe zur TĂŒr. Die Szenerie drauĂen ist noch gespenstischer, als auf dem Land. Wo einst HĂ€user standen sind jetzt nur noch Ruinen. TrĂŒmmerhaufen. Wie ausgehöhlte BackenzĂ€hne sehen sie aus. RuĂgeschwĂ€rzt. Kariös. Ein grauhaariger Mann humpelt auf die TĂŒr zu. Er kommt mir seltsam bekannt vor. Scheint eine Horde Kinder anzufĂŒhren, die ihm beim Dosen sammeln helfen. âJĂŒrgenâ, schieĂt es mir in den Kopf, aber ich weiĂ nicht warum. Soldaten stapeln Leichen, versuchen die StraĂen frei zu rĂ€umen. Ein Schwein pfeift. Der Polizist bedeutet mir mich umzudrehen. ScheiĂe. Auf der anderen Seite des Zuges hat sich inzwischen eine ordentliche Anzahl AufstĂ€ndiger zusammengefunden. Sie tragen Sonnenblumen und Doppelnamen, blecken die ZĂ€hne und wetzen rostige Messer. Der Alte war nur eine Ablenkung. âJetzt oder nieâ, ruft der Polizist, entriegelt die TĂŒr auf JĂŒrgens Seite und stĂŒrmt ins Freie. Ich haste ihm hinterher, stoĂe den Alten beiseite und folge der Uniform so schnell ich kann runter vom Bahndamm, rein in Gassen der Stadt. Deckung suchen und eine Regierung finden. Das Land geht im Chaos unter. Göttingen ist nur der Anfang. Wenn die Anarchie Hannover erreicht, dann gnade uns GottâŠ
12:17 - Göttingen, Innenstadt
âIch heiĂe Klausâ
âChris.â
Der HĂ€ndedruck des Polizisten ist nicht so fest wie erwartet. Wir sitzen hinter dem Tresen eines völlig verwĂŒsteten LadengeschĂ€ftes auf dem Boden. Verschnaufen. Durchatmen. Durch die nur angelehnte TĂŒr zum Hinterzimmer fĂ€llt ein schwacher Lichtschein. Klaus bedeutet mir, die Waffe in Anschlag zu nehmen und ihm zu folgen. Da geht sie hin, die Verschnaufpause. Es ist fast unmöglich, sich lautlos zu bewegen. Der Boden ist ĂŒbersĂ€t mir Glassplittern, Schokoriegeln, Hirnmasse und Panini-Stickern. Wir gehen vor der TĂŒr in Stellung, Klaus stöĂt sie vorsichtig mit dem FuĂ auf und ... der Raum ist leer. Einzig ein einsamer Laptop steht auf den angesengten Resten einer Biergarnitur. Der Lichtschein geht vom BIldschirm des GerĂ€ts aus.Â
âVielleicht ist die Kiste am Netzâ, raunt Klaus. Mobilfunk gibt es schon seit Tagen nicht mehr. Abgeschaltet. Die letzten Masten in Niedersachsen gefĂ€llt. Mir ist, als höre ich den Alten vom Bahndamm hinter mir kichern. Ich fahre herum. Nichts. Meine Phantasie hat mir einen Streich gespielt.Â
âMist.â
âWas ist los, Klaus?â
âIch krieg' 'nen 404.â
âIst das Ding offline?â
âNein, sieh selbst.â
Klaus dreht den Laptop so, dass ich die Fehlermeldung mit eigenen Augen sehen kann: 404 - The Mutti youâre looking for has been removed. Verdammt!
Mutti. Sie ist unsere einzige Rettung. Allein keiner weiĂ, wo sie sich derzeit aufhĂ€lt. Es gibt GerĂŒchte, Sie sei gestĂŒrzt und habe sich den Knöchel verstaucht. Ich denke auch, es muss einen triftigen Grund dafĂŒr geben, dass sie nicht eingreift. WeiĂ sie etwa gar nicht, dass die Situation hier in Niedersachsen völlig auĂer Kontrolle geraten ist? Dass sich Menschen in den StraĂen erschieĂen und ... plötzlich lĂ€uft es mir eiskalt den RĂŒcken herrunter. Was, wenn es in Berlin genauso ist? Was, wenn Mutti in die HĂ€nde des Mobs gefallen ist? Nein, das kann nicht sein. Ich schiebe den Gedanken beiseite und den Rechner zurĂŒck.Â
âVersuchâs nochmal.â
âDas bringt nichts.â
âWarte. Gib her. Vielleicht ist sie bei Pinterest online. Ich logge mich eben ein... Schau! Da ist sie: DeiMuddi4ewwa.â
âOk, gut. Und jetzt?â
âJetzt pinnen wir eine Nachricht auf das Board ...Infographics am Besten und hoffen, dass sie sie sieht.â
âJa, genau. Du pinnst einen Notruf und sie sieht den, da sie eh den ganzen Tag auf deinen Boards rumhĂ€ngt. Macht Sinn.â
âHast du âne bessere Idee?â
âNein.â
Göttingen, 11.09.2013
14:04 Uhr - Versuche gerade am Hauptbahnhof auf die Weiterfahrt wartend, JĂŒrgen Trittin zu googlen. Das niedersĂ€chsische Funkloch möchte mir hierfĂŒr offenbar keinen Proxy Tunnel in eine bessere ParallelrealitĂ€t zur VerfĂŒgung stellen. Ich kann das verstehen. Habe gestern im heute journal gelernt, dass Trittin in Göttingen HĂ€user besetzt hat. Sagt kokett grinsend, er habe damit einen wichtigen Beitrag zum Denkmalsschutz geleistet. Somit seien Hausbesetzer rĂŒckblickend die wahren Konservativen. Der JĂŒrgen. SĂŒĂ. Augen auf bei der Uni-Wahl sage ich. Offenbar schafft es nicht jede Stadt die behauptet, Wissen zu schaffen, auch Wissen zu vermitteln. Andererseits ist das ja auch immer stark von den individuellen Anlagen der Studenten abhĂ€ngig.Â
Wo war ich? Ach ja, Trittin. Nein, Göttingen. LTE steht hier fĂŒr "Langsam Tötet Einsamkeit". SIgmar Gabriel hat damals durchgesetzt, dass die Bandbreite im Torf State gar nicht erst hochgesetzt wird. "Wir machen hier 120. Ăberall. Dann reicht auch 3G. Wer langsam reist muss die Daten nicht hetzen." Eile mit Weile war dann bei Siggi zwar auch nur angesagt, bis Vatti in Berlin mal dringend die Hose brauchte, sein VermĂ€chtnis schleicht jedoch fort. Hier. In Niedersachsen. Der Onliner-Diaspora.Â
"Watt, du bist im Intanett?! Du bist doch auch Kathole...datt riech' ich 10 Meter gegen den Wind."
Ein kaltes Klicken durchschneidet die schwere Stille des Torfmoores, als der Fremde den Hahn seines Karabiners spannt. Von plötzlicher Panik ergriffen, versuche ich mich umzudrehen und wegzurennen, doch mit jeder Bewegung versinke ich tiefer in der braunen, zĂ€hflĂŒssigen Suppe, die sie hier Boden nennen.Â
"So, KatholenbĂŒrschchen. Willste noch watt beten? Ansonsten getz finaler Ablass. Bei uns gratis, weisste ja. Harhar."
Geh' auf verdammter Proxy Tunnel. Mach schon. Bitte! Tiefer und tiefer versinke ich im Moor. Ăber mir das höhnisch grinsende Gesicht des Fremden, unter mir das ewige Leben. Eiskalte Klauen greifen nach mir. Strecken sich aus der Tiefe nach meinem Herzen, umschlieĂen meine Brust. DrĂŒcken zu. Unbarmherzig. EndgĂŒltig. Die Zeit der Vergeltung ist gekommen. VerschmĂ€hte Heimat, worauf wartest du?Â
"ScheiĂe, der Abzuch klemmt."
Ich mache mich darauf gefasst, elendig zu ersticken, anstatt Petrus schon in wenigen Sekunden mit einem sauberen Kopfschuss gegenĂŒber zu treten. Sogar die Gewehre hier sind langsam. Was ist das? Ich kenne dieses GerĂ€usch. Es ist leise, kaum zu vernehmen, gedĂ€mpft vom Nebel und doch besteht kein Zweifel: Ein Pferd. Ein Pferd im Galopp. Hufe auf LöĂboden. Es muss auf dem Pfad sein, von dem ich auf der Suche nach diesem Drecks-Tunnel vor wenigen Minuten abgekommen bin. Und tatsĂ€chlich: Jetzt kann ich es sehen. Ein mĂ€chtiges schwarzes Ross kommt nur wenige Meter hinter dem Fremden zum Stehen. Materialisert sich aus dem dichten Nebel, wie eine Geistererscheinung. Der Reiter benötigt nur den Bruchteil einer Sekunde, um die Situation einzuschĂ€tzen, gibt seinem Pferd erneut die Sporen und prescht auf uns zu. Er lehnt sich im Sattel zur Seite, packt mich mit der Rechten am Kragen und zieht mich mit einem Ruck aus dem Sumpf. Unsanft lande ich vor ihm im Sattel und will gerade vor Schmerz schreien, als sich vor uns ein Tor aus gleiĂendem Licht auftut. Proxy Tunnel found. Ich liebe Sachsen-Anhalt.
f... all is exactly what happened today
Ein feines Medley. Chabos wissen werde die Brote sind.Â
Berlin - Frankfurt, 12. September 2013
Magdeburg, 14:25 Uhr - âWir begrĂŒĂen alle, die gerade in Magdeburg zugestiegen sind. Dieser Zug hat aktuell zehn Minuten VerspĂ€tung. Grund hierfĂŒr ist eine polizeiliche Ermittlung im Zug. Wir erreichen Hannover um ...â Mit lautem Zischen verschwindet der schwarze Damenstrumpf im Abfluss der Zugtoilette. Meine Haare sehen scheiĂe aus. Ich versuche meine Frisur mit Hilfe von Wasser und Seife wieder einigermaĂen in Form zu bringen. Zwecklos. Kaltes Wasser ins Gesicht. Wach werden. Nachdenken. Jetzt gilt es, die Sache zu Ende zu bringen. Ich werfe einen Blick in die schwarze UmhĂ€ngetasche. Ein LĂ€cheln stiehlt sich auf meine Lippen. Da sind sie. Die kompletten GebĂŒhreneinnahmen der ersten 8 Monate. Die Kollegen vom rbb haben es mir leicht gemacht. Haben mich zu einem Vortrag eingeladen, direkt in die Höhle des SandmĂ€nnchens. Der Rest war ein Kinderspiel. Nachdem wir den Soundcheck hinter uns gebracht hatten, fragte ich nach der Toilette und entschuldigte mich. Statt den Waschraum aufzusuchen fuhr ich mit dem Fahrstuhl nach unten. Dort schlĂŒpfte ich unbemerkt in das leere BĂŒro der Intendantin. FrĂŒhstĂŒckspause. GlĂŒck gehört auch dazu. Die Kohle war mĂŒhelos zu finden. Ich fĂŒllte die sorglos in einen Jutesack gestopften TausenderbĂŒndel in meine Tasche um und fuhr wieder zu den anderen nach oben. Die ganze Aktion hat keine 5 Minuten gedauert. Timing ist mein zweiter Vorname Ich setze die Giants Cap auf, ziehe sie tief ins Gesicht und trete auf den Gang. Die Tatsache, dass sie mir jetzt auf den Fersen sind, kann nur bedeuten, dass die Intendantin inzwischen ihre Pause beendet hat. Vielleicht musste aber auch ihre Assistentin kurz an die Kasse, um Eis fĂŒr alle zu kaufen. Das Wetter in Berlin war heute ganz gut. So oder so. Ich muss bis Magdeburg unentdeckt bleiben, um dann in den Regionalexpress nach Göttingen umzusteigen. So sollte ich sie abschĂŒtteln können. Ich lasse mich auf einen freien Fensterplatz fallen und betrachte die vorbeiziehenden Felder. Mein neues Leben in Göttingen ist zum Greifen nah. Endlich.
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Braunschweig, 15:12 Uhr, ich muss mich ablenken. Lyrik beruhigt, sagt mein Therapeut. Also gut: Steckt mich in eine Celle, schleift mich mit Verden, Mein Widerstand wird nicht emden hier auf Erden Ich werde von meinem Recht zu Braunschweigen Gebrauch machen, SchmeiĂt mich von der OsnabrĂŒck und hört, wie ich euch auslache Echt jetzt - wenn mich nochmal dieser Hanno verhört muss ich das Jever wieder erbrechen, Mit dem WolfenbĂŒttel verhandel ich nicht, ich will den Chef sprechen, "Pils um drei Uhr haste stets schlecht vertragen", will sagen I look like Hamburg, but I feel like Dormagen So richtig bringt's das auch nicht, obwohl ich noch "Ey, was garbs'en, ich heiĂ nicht Achim, du Blender" in petto gehabt hĂ€tte. Andererseits muss ich bald ja eh den Therapeuten wechseln, wenn ich zur Göttin gen tu. SchluĂ jetzt! Reiss dich zusammen! Meine Augen wandern nervös zur Tasche hinĂŒber. 1000-Euro-BĂŒndel...Irgend etwas regt sich in meinem Hinterkopf, wird aber nicht zu einem klaren Gedanken. Ich beschlieĂe, noch einmal in den Waschraum zu gehen und die Beute zu zĂ€hlen. Wahrscheinlich bin ich da ohnehin am Besten aufgehoben. Nachdem ich die TĂŒr hinter mit verriegelt habe, stelle ich die Tasche auf den Waschtisch und öffne den Reissverschluss. Vor mir liegen 50 dicke BĂŒndel Tausender. Eine Tasche voll mit 1000-Euro-Scheinen. 1000-Euro-Scheine...die habe ich ja noch nie...FUCK! Ich durchwĂŒhle die Banknoten, blĂ€ttere durch die BĂŒndel. 1000 Euro, 1000 Euro, es sind alles 1000-Euro-Scheine. ScheiĂe, scheiĂe, scheiĂe! Halt: Was ist das? Ein Fetzen eines Adressaufklebers liegt zwischen den Noten. Kölner Poststempel...Fuck! Ich Idiot! Ich vollkommen dĂ€mlicher Vollpfosten! Ich habe statt des GebĂŒhrensacks die halbjĂ€hrliche Landesrundfunkanstaltsfinanzausgleich-Sendung des WDR erwischt. Dabei weiĂ doch jeder, was die Kölner in ihrem Notenarchiv tatsĂ€chlich treiben. Ich RiesenARSCH! Ich schlieĂe die Tasche und verlasse den Waschraum. In der Hoffnung, in Göttingen ein Hausbank zu finden, die Ă€hnlich kompetent ist, wie die des rbb, setze ich mich ins Bordbistro und bestelle einen Wodka.
13:00 Uhr, Irgendwo im Funkloch zwischen Kassel und Hamburg, aka the state formerly known as Niedersachsen
Der Glatzkopf in weiĂem Hemd und randloser Brille, der direkt neben Eppi sitzt, hat offensichtlich Morgenluft gewittert. Tut nur so als ob er ipod hört. Lauscht aber in Wirklichkeit. Belauscht andere Passagiere bei ihren Outings. Es gibt auf den ersten Blick zwei...nein drei GrĂŒnde, warum er umsonst frohlockt ,und niemals nie ein aufrecht gehendes Lebewesen Sex mit ihm haben wird, ohne dass er es dafĂŒr bezahlen muss. Bei Bergpavianen bin ich mir nicht ganz sicher - die sind schlieĂlich vor nichts fies - aber ansonsten: keine Chance.Â
Grund #1: Er isst Weihenstephan Biorahm Joghurt Natur und grinst dabei, als wĂŒrde er ein FIletsteak verspeisen. Wenn er sich unbeobachtet fĂŒhlt (also immer, wenn er zu Hause ist) steckt er sich hunderprozentig Katjes Joghurtgums zwischen die Zehen und knabbert dabei auf einem BĂŒndel trockenem Rucola herum.Â
Grund #2: Er trĂ€gt sein Telefon am GĂŒrtel. Ich denke, ich muss diesen Punkt nicht weiter vertiefen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine eigene Tochter im Keller gefangen hĂ€lt oder auf Opas Dachboden heimlich auf die Schmetterlingssammlung onaniert (seit 35 Jahren) ist relativ hoch.Â
Hilfe, jetzt ist er den zweiten Biorahm Joghurt und grinst. Stelle mir gerade vor, wie er...Igitt. BLUMENWIESE!!!
Grund #3: Er trĂ€gt zu weiĂem Hemd und schwarzer Hose so Schuhe, bei denen die einzelnen Zehen unterteilt sind. Wie heiĂen die? Hobbit-FĂŒĂe? Toelings? Oh Gott, sieht das ScheiĂe aus. Ich kann mich gar nicht daran erinnern sowas schonmal gesehen zu haben. Vieleicht macht er das, damit er auch auf dem Zugklo schnell mal zwischendurch ein paar Joghurtgums zwischen die Zehen stecken kann. Unfassbar!
Eppi guckt, als wĂŒrde sie das gleiche denken. Oh, nicht dass Golden Boy ĂŒberraschend erkrankt ist. Pferdegrippe oder so. Das arme Kind. Kein Wunder, dass sie betrĂŒbt ist.Â
âDas wird schon wieder.â
âBitte?â
âMit dem Pferd von deinem Schwager.â
âSoll das jetzt ne kreative Anmache sein?â
âNein...ich wollte dir nur sagen, dass wir alle in Gedanken bei Golden Boy sind und dass er bestimmt ganz bald wieder gesund ist.â
âGolden Boy? Sag mal, du tickst auch nicht mehr ganz sauber, oder?â
âBitte? Ich bin der einzige, der hier richtig tickt. Schau dich doch mal um.â
âHab ich, ich sehe nur einen durchgeknallten Spinner, der alleinreisende Frauen belĂ€stigt. Und das bist du.â
âAber, aber, aber FleischmĂŒtze hier wichst auf Opas Schmetterlinge und trĂ€gt Hobbit-FĂŒĂe, Techman ist schwul und bestiehlt spanische StraĂenmusikanten, Pickelklaus schrubbt sich gerade das Gesicht mit einer DrahtbĂŒrste, wĂ€hrend Birte den 120 Pompom fĂŒr heute wickelt. Kriegst du denn gar nichts mit? Die sind alle irre!â
âWenn du nicht sofort gehst, schreie ich. Laut.â
âAber ich...â
â1...â
âwollteâ
â2...â
âwegen Golden Boyâ
âzweieinhalbâ
âOkay. Ăhm. Hat mich gefreut.â
âHau bloĂ ab.â
Echt abgefahren wie manche Menschen es schaffen mit komplett geschlossenen Augen durchs Leben zu gehen. Wie funktioniert das? Ich meine, hier lauern an jeder Ecke unzÀhlige Gefahren und Psychopathen. Mann, Mann, Mann...naja, ist ja ihre Sache. Gleich sind wir in Hamburg. Endlich wieder normale Menschen.
12:15 Uhr, SteinbrĂŒckistan, Hauptstadt
Gerade erreicht mich im Zug eine Eilmeldung:
Niedersachsen hat das Internet abgeschafft. Als Reaktion auf die unerhörten VorfĂ€lle mit NSA und Co beschloss der Landtag einstimmig, jetzt den Stecker zu ziehen. Um die Abschaltung möglichst schnell und technisch unkompliziert zu gestalten, hat man einfach fĂŒnf Abgeordnete der GrĂŒnen Fraktion mit KettensĂ€gen ausgestattet und zum fröhlichen SendemastenfĂ€llen geschickt. Dazu SPD-Kanzlerkandidat Per SteinbrĂŒck: âJoah, mit dem Indernett, da machen die doch alle nur dumm Zeuch mit. NSA und MI6 und NSU und wie die alle heiĂen. Da macht doch jeder was er will und keiner hat da malân Auge drauf. Hat ja auch keiner die Zeit fĂŒr. Ich jedenfalls nich. So. Und jetzt ham wir das ausgeschaltet und jetzt isâ gut. Ende der Diskussion.â
Das nenne ich doch mal konsequentes Durchgreifen. Techman ist auch schon völlig irritiert, weil das GesprĂ€ch mit dem Kollegen, der die aktuelle Version âDER PRĂSEâ hat, stĂ€ndig zusammenbricht. Es ist nicht irgendeine PrĂ€sentation. Nein. Es ist DIE PRĂSE. DIE PRĂSE der jede PrĂ€se die vorher erstellt wurde, nur den Weg bereitet.Â
âIch bin eine gute PrĂ€se, aber nach mir wird eine PRĂSE kommen, die noch viel mehr Text, viel mehr Folien und viel mehr unlesbare Diagramme in sich trĂ€gt. Ihr Name ist DIE PRĂSE. DIE PRĂSE ist gebenedeit unter den PrĂ€sentationen und gebenedeit ist die Frucht ihres Leibes Langeweile. Amen.â
Techman hat sie. Oder vielmehr sein Kollege, da Techman ja nur eine alte Version auf seinem Laptop hat, weil die GrĂŒnen ja die Masten umgwemmst haben und sich so seine Dropbox nicht updatet. Ha! Amateur.Â
Pornoklaus ist im Waschraum zu verschwuden. Versucht mit Lappen und Clearasil seines Pickelproblems Herr zu werden.Â
âDigga, versuchâs mal mit DrahtbĂŒrste und Nitro-VerdĂŒnnungâ, rufe ich ihm aufmunternd zu. Ein verzweifeltes Quieken gefolgt von ein wenig Schluchzen und Jammern ist die Antwort. Undankbarer Fatzke. Sollte ich mich wieder Techman zu wenden? Wenn er so weiter macht, verliert er Eppi, bevor er sie gewonnen hat. Das kann ich nicht zulassen. Ich setze mich neben ihn und ziehe seine Aufmerksamkeit auf mich, in dem ich gerĂ€uschvoll seinen Laptop zu klappe.Â
âOh, âschuldige. Finger?â
âAlter...?â
 âJa, das tut weh, das glaube ich. War keine Absicht. Wieder gut oder soll ich pusten?â
âWAS IST?!â
âHier, Schneggsche drĂŒben, die findste schon scharf, oder?
âJa, aber...â
âIch weiĂ, ich weiĂ. Ich bin ja da. Alles. Wird. Gut, Alter.â
âIch...â
âDie kleine spielt in âner anderen Liga als du. Da musst dich ân bisschen ins Zeug legen. Schau mal. Sie: Sony Vaio Notebook, AKG-Kopfhörer, Ray Ban Limited Edition, NIKE und du...naja, siehste ja selbst.â
âWie....â
âAlso, wir fangen mit deinem Styling ran. Erstmal Hemd aus der Hose.â
âAber...â
âJa, ich weiĂ, dann kann sie deinen âBOSS-GĂŒrtelâ nicht sehen, aber sie glaubt dir auch so, dass du schonmal in Thailand warst, ganz bestimmt. Als nĂ€chstes mĂŒssen wir was mit deinen Haaren machen. Warte...nimm das hier strubbel mal durch.â
âIch...â
âBesser. Und jetzt...â
âBin...â
âJetzt musst du unbedingt diese Hose los werden, die ist eine Katastrophe. Hast du was zum Wechseln dabei?â
âschwul.â
âVielleicht ne normale Jeans oder...was hast du gesagt?â
âICH BIN SCHWUL, DU SPINNER!!!â
ââWas, so schnell?! So schlecht war dein erster Versuch auch nicht.â
âSchon immer.â
âSchon immer was?â
âSchon immer schwul.â
âOh.â
âJa.â
âNa, dufte!â
âDann muss ich mir um dich also keine Sorgen mehr machen?â
âNein.â
âGut. Also, hat mich gefreut.â
âVerpiss dich.â
Unangenehm...das konnte ich ja nicht ahnen. Verstehe gar nicht, was der gleich so aggressiv reagiert. Ich wollte doch nur helfen. Gehe mal fĂŒr ein paar Minuten nach Clearaklaus gucken, bis sich die Situation hier wieder entspannt hat.Â
11:43, UNESCO-Weltkulturerbestadt Bad Göttingen an der Leine
Techman hat sich auch erstmal in die neutrale Ecke zurĂŒck gezogen. Er schaut eine alte Folge von âHow I met your motherâ auf seinem Acer Laptop. Recht so. Von Barney lernen heiĂt siegen lernen. Das Hippie-MĂ€dchen im Sitz vor mit hat so PomPoms an ihrem Zopfgummi. Diese Dinger, die die MĂ€dchen frĂŒher in der Grundschule gebastelt haben, indem sie Wolle ganz ganz oft um einen Pappreif herumgewickelt und dann nachher aufgeschnitten haben. Solche Pompoms. Nur in ganz ganz klein. Winzig klein sind die Pompoms und sie hat sie selbst gewickelt. Ganz schnell und ganz klitzeklitzeklein.Â
 Ich bin ein fleiĂiges kleines Eichhörnchen und ich muss ganz viele klitzekleine Pompoms wickeln, damit ich nicht wieder meine FingernĂ€gel komplett runterkaue und den fiesen Ausschlag an meinem Hals blutig kratze. Viele kleine Pompoms. Bunte Pompoms. Pompoms wickeln und immer nur wickeln und aufschneiden und an meinen Zopf binden und dann noch mehr Pompoms wickeln.Â
(Der Typ neben mir liest die ganze Zeit mit. Ja, dich meine ich. Lass das, sonst fĂ€llt mir gleich eine Geschichte zu deiner braunen Ledertasche ein.)Â
Wo war ich? Ach ja:Â
POMPOMS!!! Ich wickle klitzekleine Pompoms seit ich sieben Jahre alt bin. Jeden Tag, jede Stunde, stĂ€ndig. Ich wickle seit dieser Nacht, in der meine Katze sich im Brunnen unten vor meinem Fenster selbst ertrĂ€nkt hat. Papa hat gesagt, er habe noch nie gehört, dass Katzen Selbstmord begehen. Piet hatâs getan. Hat sogar einen Abschiedsbrief hinterlassen. Ich muss schon wieder Pompoms wickeln, wenn ich nur dran denke:Â
âLibe Birte, du stinkst und ich möchte nieh wida fon dier angefast werdn. Ich halt es nich mer lenger aus. Versei mir, Pietâ
Ich muss mich unbedingt kratzen, nein, wickeln muss ich. Pompoms wickeln. Wickeln und schneiden.Â
Gerade halten wir an dem (jetzt auch offiziell bestĂ€tigt) schönsten Bahnhof Deutschlands 2013. Ich muss kurz eintauchen, in die zauberhafte Welt, die dort drauĂen vor den Fenstern liegt. So nah und doch so fern. Göttingen ist das Taj Mahal NIedersachsens. Eine Schatztruhe voller Wunder, Kostbarkeiten, Weisheit. und attraktiver Menschen. Oh Göttingen, wie betörst du meine Sinne. ReiĂt mich heraus aus dem schnöden 2.-Klasse-Alltag voll blasser Soziopathen, die zu ihrer braunen Aktentasche passende LederhĂŒllen um ihr drei Jahre altes htc-Telefon wickeln und das fĂŒr cool halten. (Ich habe dich gewarnt, Keule.) Ich bin mir sicher, die Tasche ist voll mit Schmuddel-Pornos. St.Pauli Nachrichten und Praline und soân Gedöns. Oder vielleicht eher so Coffee Table Books fĂŒr Trucker, wie man sie nur an ausgewĂ€hlten AutobahnraststĂ€tten bekommt. Wichsen macht Pickel im Gesicht. Siehste, jetzt weiĂte woranâs liegt. Gerne.Â
Donnerstag, 29. August, 10:24 Uhr, irgendwo zwischen Frankfurt und Kassel
Ein notorisch wichtig tuender Dauertelefonierer rennt im Gang auf und ab. Er trĂ€gt eine weiĂe Jeans und ein grasgrĂŒnes Polo. Offensichtlich ein Techniker. Ich tippe auf O2. Das erklĂ€rt auch die Klamotten, die aussehen, als hĂ€tte er sie einem LSD-abhĂ€ngigen Aussteiger vom Leib gerissen, der sich in Sevilla mit Kammblasen und Kantphrasen ĂŒber Wasser hĂ€lt. Telefonica-Style, bitch! Wenn er das nĂ€chste mal vorbeikommt, stelle ich ihm ein Bein. Andererseits bin ich sehr gespannt darauf, wie er mit seinen Grabungsarbeiten vorankommt. Der erste Spatenstich war recht vielversprechend. Die blonde Eppendorf-Gazelle schrĂ€g gegenĂŒber ist vor Erregung beinahe aus ihren pinkfarbenen NIKE Free Runs gesprungen, als er sie ĂŒber die Services der Bahn Comfort Hotline aufgeklĂ€rt hat. Sicher malt sie sich schon aus, wie sie Whitie Pants das Polo vom Leib reiĂt und seine gestĂ€hlte HĂŒhnerbrust mit KĂŒssen bedeckt. Mit ungestĂŒmer Leidenschaft zwingt sie ihn in die frisch gestĂ€rkten weiĂen Laken des italienischen Daybeds und schafft es gerade noch, ihren bebenden Körper aus dem Strenesse KostĂŒmchen zu schĂ€len, bevor seine AusfĂŒhrungen zu digitalen SchaltschrĂ€nken, Kaffeevollautomaten und Datevolumenbegrenzungen sie schlieĂlich mit einer Gewalt zum Höhepunkt treiben, die sie bislang nur bei rosechampagnerduseligen Ausritten auf Golden Boy, dem Lieblingsholsteiner ihres Schwagers Karl-Friedrich Maximilian erlebt hat. Keiner wird es ihr jemals so gut besorgen wie Techman, der offenbar in der Tat gerade dabei ist, Phase 2 der Grabung anzugehen. âStoppâ, möchte man ihm zurufen, âdu trĂ€gst ein grĂŒnes Polo, das dir zwei Nummern zu klein ist, und auch die weiĂe Hose könnte gerade im Schritt deutlich weiter sein. Nicht zu ihr umdrehen! Nein! Nicht breitbeinig, nein bloĂ nicht breitbeinig...!â
Oh Gott, mir wird schlecht.Â
âIst das eine Salzstange in deiner Hose, oder freust du dich, mich zu sehen?â ABBRUCH!!!Â
âAlso nochmal wegen der Comfort Hotline...â
DUCKEN UND RENNEN!!!Â
âAch Gottchen, ich bin ganz plötzlich ganz furchtbar mĂŒde. BehĂ€ltst du, was du mir erzĂ€hlen wolltest, Schnucki. Ich muss kurz meine Augen ausruhen.â
Puh, das war knapp...ich denke, ich sollte Techman anbieten, ihm ein wenig bei Strategie und Exekution behilflich zu sein. SpÀter. Jetzt erstmal nen Kaffee.
Funny Sandwich Board Signs Previously: Funny Business Signs
*gigglin*
Hahaha
Watte fĂŒr meine Ohren
Habe gerade den Grund fĂŒr meine heutige KonzentrationsschwĂ€che ausgemacht: Der Typ, der seit vier Stunden direkt unter meinem Fenster auf Blechdosen, Farbeimer und anderen Abfall eintrommelt. Den Kochtopf, der mir aus Versehen zusammen mit der als AbkĂŒhlung gedachten Ladung kalten Wassers aus dem Fenster gefallen ist, hat das Arschloch direkt in seine Performance eingebaut. Ich gehe jetzt runter und haue ihm aufs Maul. Trotz Ohropacs kann ich vor lauter tschiggadummdummklingtschktschktschiggadummdummkling keinen klaren Gedanken fassen. Hier wird der Pazifist zum Krieger.
Rule #1: Remember checking UK outputs, when looking for fresh epic rap tunes. Well...at least you should have half an eye and ear on @Labrinthda1st. Did I already say this is EPIC?! Do yourself a favor and TURN IT UP!Â