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Showtime bei Werner
Wie Jonglieren, Balancieren und andere Zirkuskünste Zusammenhalt und geistige Beweglichkeit schaffen erklärt Dominique Eckstein von Mobil im Kiez. Mit Kollegin Sofie Storz und den Vereinen Koduku und GraefeKids bieten sie eine Zirkuswoche am Werner-Düttmann-Platz an. Für Jung und sehr Jung, vom 15. bis zum 22.8.16.
Sie sitzt am Rande eines Dachs, ohne dabei einen Moment Angst zu haben. Sie macht Handstand in 15 Meter Höhe, mit oder ohne Geländer – auch das ohne Furcht. Sie kann jonglieren, auf Seilen tanzen, mit Stelzen gehen, mit Schnurbällen wirbeln und 20 Meter lange Klettertücher im Nu zu einem Zopf binden. Sie vermuten richtig, Dominique Eckstein ist nicht Zirkusartistin. Also schon, aber nicht nur. Sondern Sozialarbeiterin in der Düttmann-Siedlung und in Kreuzberger Flüchtlingsheimen. Und Zirkuskunst ist für sie Mittel zum Zweck. Was haben Toleranz, Zusammenhalt, Offenheit für neue Ideen und Menschen mit Zirkus zu tun? Das sind die Ziele des Projekts Mobil im Kiez, bei dem Dominique gemeinsam mit Sofie Storz seit fast zwei Jahren mitmacht. Die Antwort lesen Sie hier, indem sie sich von einem Satz zum nächsten schwingen.
Der Kreuzberger aus Khartoum
Das Geschäft ist schmal, überfüllt mit Schränken, Kommoden und Stühlen aus vergangenen Jahrhunderten. Denn im Antiquitätengeschäft von Salah Yousef sind die Möbel zwischen 100 und 150 Jahre alt: perfekt renoviert, zeitgemäß abgebeizt und erschwinglich. Küchenkommoden aus einer Zeit, als es noch keine eingerichteten Küchen gab ; Sekretäre mit ausklappbaren Schreibflächen, als man noch Briefe schrieb. Und Yousif, passend dazu, verweigert konsequent E-Mails und das weltweite Netz: „Internet und Computer haben mich nie interessiert.“ Erreichen kann man ihn per Festnetz, oder in dem man von 13 bis 18 Uhr in der Urbanstrasse 46 vorbeikommt. Etwas Fortschritt hat er zugelassen: Seit ein paar Monaten besitzt er ein Handy.
So wie die Möbel Zeugen der Vergangenheit sind, ist Youssif Zeuge der jüngeren Geschichte Kreuzbergs. Seit 1988 betreibt er seinen Laden und hat die radikalen Veränderungen des Kiezes miterlebt. Von der Wehrdienst-Verweigerer-Schutzburg bis zur heutigen Yuppie-Hochburg, vom langsamen Ansteigen der Mieten und dem damit einhergehenden Austausch der Bewohner. „Ich kenne noch zwei, drei Damen, die seit den 50er Jahren hier wohnen“, erzählt der Geschäftsmann. „Damals gab es sehr viele deutsche Eckkneipen und viele Arbeiter, heute sind es sehr viele schicke Cafés und besserverdienende Menschen. In den 80ern war das Verhältnis Deutsche-Ausländer ausgewogen, in den 90ern kamen mehr Ausländer, jetzt gleicht es sich wieder aus.“
Die ihre Endlichkeit erkennende Philosophie kann zu keinem Ende gelangen, oder besser: sie gelangt immer zu ihrem Ende, sie hat ihrer Endlichkeit je schon einen Ort zugewiesen und ist nichts anderes als das Begreifen dieser Zuweisung.
Alexander García Düttmann: Kunstende. Drei ästhetische Studien, Frankfurt am Main 2000, S. 20.
Wenn der Alltag der Ort ist, an dem man nicht ist, und zwar gerade deshalb, weil man an diesem und keinem anderen Ort ist, dann zielen alle Versuche seiner Ritualisierung darauf, ihn zu dem Ort zu machen, an dem man ist, und zwar gerade deshalb, weil man dort nicht ist.
Alexander García Düttmann: Philosophie der Übertreibung, Frankfurt am Main 2004, S. 261.