Komfort im Sommer
Diese Geschichte hat sich im Jahr 2009 ereignet – und wiederholt sich jedes Jahr auf’s neue!
Ich setze im Jahr 2009 an – auch wenn die Geschichte ihren Ursprung schon viel früher genommen hat. Die Vorgeschichte kann man kurz- und knapp darstellen: Ich war eine verwöhnte Bratze.
Meine Eltern haben mich immer moralisch wie finanziell unterstützt, sodass ich schon mit 18 Jahren, gleich zum Führerschein, ein eigenes, kleines Auto bekommen habe. Das wusste ich sehr zu schätzen. Aber im Laufe der Zeit neigt der Mensch dazu, nicht mehr mit dem zufrieden zu sein, was er hat. Es geht immer schneller, moderner, besser. Bei mir war das leider nicht anders.
Ich habe mich relativ schnell an Dingen orientiert, die mir zu fehlen schienen, anstatt das zu schätzen, was ich hatte. Schande über mein Haupt!
Hm, ja, keine Servolenkung – unpraktisch. Keine elektrischen Fensterheber – dann halt mit Muskelkraft. Aber wirklich aufgehängt habe ich mich an der Tatsache, dass ich keine Klimaanlage hatte - für meine kurzen Strecken, eigentlich ausschließlich innerorts, ja doch irgendwie notgedrungen aushaltbar.
Mit dem Beginn meines Studiums wurde gerade dieses eine Luxusproblem schon drängender. Die vielleicht 40 Minuten Fahrt zur Uni und der Weg zurück kamen mir gerade im Sommer sehr lang und sehr heiß vor. Ja, mit dem Zug wäre es noch länger und heißer gewesen.
Es kam, wie es kommen musste, und mein Auto sollte nach einiger Zeit ausgetauscht werden. Nein, nicht wegen meines verwöhnten Hinterns - das Auto hatte einen Defekt und wurde dann weiter verkauft, anstatt es reparieren zu lassen.
Da ich ein bisschen was angespart hatte habe ich mir ein Modell ausgesucht und habe meinen Vater und meine Schwester zum Kaufgespräch mitgenommen.
Die Frage aller Fragen: Welche Ausstattung?
Mit Klimaanlage und Radio hätte das Auto nicht wesentlich mehr gekostet.
„Das braucht man doch nicht! Wann ist es bei uns im Sommer schon mal so warm?“ war der Einwand meines Vaters und naja, damals hatte er auch nicht ganz unrecht. Danke globale Erwärmung!
Jung und verunsichert wie ich war, wollte ich die Meinung meiner Schwester hören.
„Ich habe ja eine Klimaanlage und die nutze ich nie! Da hole ich mir immer gleich einen Zug!“
Das Auto meiner Schwester hat ein riesiges Schiebedach – mein favorisiertes Modell nicht. Und, ich bin kein Pienzchen.
„Na dann ist das doch ganz klar. Ein Radio baut dir der (an der Stelle Namen eines beliebigen Halunken vorstellen) günstig ein!“
Hat er dann, für 20 Euro.
Verwöhnt, jung und dumm – ich erwarte kein Mitleid.
Bis Ende meines Studiums – und auch bis zum heutigen Tag – klage ich bei entsprechend hohen Temperaturen über diese Fehlentscheidung.
Während meines letzten Semesters, das zufällig in den gefühlten Jahrhundertsommer fiel, hatte mein Vater Erbarmen mit mir und hat mir in bester Absicht einen Ventilator in das Auto gebaut, der über den Zigarettenanzünder betrieben wird.
Den Ventilator hatte er irgendwo aus dem versunkenen Reich, seinem Keller, rausgezogen und mit einem Gummi eines Gewürzgurkenglases an den Rückspiegel gehängt.
Heute völlig unverständlich war mir das ganze damals doch etwas suspekt: „Ähm…das Gebläse tut’s doch auch?“
„Nein, der macht richtig Wind! Da brauchst du keine Klimaanlage. Probier’s halt mal aus!“
Gesagt, getan. Er hat sich ja die Mühe gemacht.
Das Ding kam mir entgegen. Auf der Autobahn. Bei 130 km/h. Mit sich drehenden Rotorblättern. Was hatte ich Spaß!
Ich habe den Vorfall an Daniel Düsentrieb rückgemeldet…Und trotzdem werde ich Jahr für Jahr gefragt, ob wir den Ventilator nicht wieder reinhängen wollen.
Ein paar Jahre später kam ich auf die glorreiche Idee, wie ich dem Thema in Zukunft aus dem Weg gehen könnte: „Ja, das machen wir! Gib ihn mir mit!“
Auch wenn es so klingt, ich hatte keinerlei Absicht, das Ding tatsächlich in Betrieb zu nehmen. Ich habe es dann einfach in einem Schrank verschwinden lassen – aus den Augen, aus dem Sinn. Dachte ich.
Es kommt immer mal die Frage auf, gerade im Sommer, warum ich denn den Ventilator noch nicht reingehängt habe. Geschicktes Ausweichen habe ich inzwischen echt gut drauf!
Die Ironie an der Sache ist, dass meine Eltern inzwischen selbst ein neues Auto fahren. Mit voller Ausstattung.
Mit höchster Anerkennung muss ich dazu erwähnen, dass mein Vater das Auto nur angeschafft hat, um es seiner lieben Tante, die es sich wohl hat aufschwatzen lassen, abzukaufen. So konnte sie sich ein seniorengerechteres (sprich kleineres) Auto kaufen.
Mein Vater fährt das Auto gerne und viel – bei eingeschalteter Klimaanlage im Winter, mit offenen Fenstern und bei Durchzug.
Was blutet mein verwöhntes Herz.













