Urlaub in den hängenden Gärten
„Eine Geschichte in der wir alle nicht mit besonders viel Verstand geglänzt haben. Doch es gibt Hoffnung. Die eigenen Grenzen zu überwinden ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg.“
Ausführungen zum Thema Luxusprobleme spare ich mir an der Stelle. Ich setze mir eben hin und wieder einen gewissen Komfort als Ziel, den ich erreichen will.
Im Sommer vorletzten Jahres war es eine Hängematte im eigenen Garten.
Es musste eine richtige Hängematte sein, die von einem Baum zum anderen gespannt werden sollte. Davon habe ich schon immer geträumt – im Kleinstadtgarten meines Elternhauses war es leider nicht möglich.
Ich habe also eine Hängematte im Internet bestellt und ihre Ankunft sehnsüchtig abgewartet.
Ausgepackt hat mich aber die harte Realität getroffen. Es war keine Befestigung dabei. Ein herber Rückschlag für die Königin der Ungeduld.
Im Gartenhäuschen und im Keller war nichts Geeignetes zu finden.
Zum Glück fällt mir jemand ein, der vielleicht noch etwas haben könnte, was man gebrauchen kann.
Ich bekam den Rest der Rolle vom rosafarbenen Schaukelseil.
„Ist das nicht das Seil von meiner alten Schaukel?“
„Und? Das hat damals auch gut gehalten.“ Mhm, ich habe mein Gewicht von 10 Jahren auch fast gehalten.
Ja, ich bin auf dem Hintern gelandet. Hart.
Ich habe doch zwei ordentliche Befestigungsseile im Internet bestellt.
Vor dem Hintergrund wundert es mich (nicht), dass ich ihm Jahr darauf nicht schlauer war.
Ein weiterer Wunsch erfüllte sich mir, zumindest teilweise. Meine Schwester hat mir zum Geburtstag einen Pool geschenkt. Es war ein „Familienpool“ – also ein etwas größeres, aufblasbares Planschbecken. Auch wenn er nur einen Sommer halten würde, auf die Abkühlung habe ich mich sehr gefreut.
Da mein Geburtstag schon fast in den Spätsommer fällt, wollte ich unbedingt noch jeden heißen Tag nutzen. Es könnte immerhin der letzte in diesem Jahr sein.
In bester Absicht hat mir meine Schwester ihre Trittpumpe vom Fahrrad mitgebracht. Also war ich sehr zuversichtlich, den Pool bereits am Tag nach meinem Geburtstag nutzen zu können. Es war ein Samstag. Mir ging es hundeelend –doch der Wille war stärker.
Es war zwar kein passendes Ventil dabei, aber trotzdem hatte ich über eine Stunde in der Mittagshitze mit Treten verbracht. Vielleicht tut sich zumindest ein wenig.
Nichts hat sich getan. Ach doch, mir ging es noch elender.
Da habe ich mich erinnert, dass mein Vater doch mal einen Kompressor in der Garage hatte. Als ob die Möglichkeit bestanden hätte, dass er den nicht mehr hat…
Ein Anruf und der Deal stand. Mein Vater wollte eh seine Stammkneipe in der Nähe aufsuchen, dann würde er mir den Kompressor vorbeibringen. Solange habe ich versucht, eine unkomplizierte Befüllung mit Wasser zu realisieren.
Schon bei der Ankunft meines Vaters war ich… verwundert.
Er fuhr mit dem Fahrrad in den Hof – egal was er dabeihaben würde, der Kompressor aus der Garage konnte es nicht sein. Meine Hoffnung schwand.
Als Lösung meines Problems präsentierte er mir einen Kompressor, der etwa zwei Mal in einen Schuhkarton gepasst hätte.
Beurteile nie nach der Hülle. Vielleicht hat das Teil ja doch Feuer im Hintern.
„Den kleinen Kompressor hier hatte ich noch im Keller. Den kannst du dann auch behalten.“
Ich schaue mir die Verpackung an. Damit hätte ich zu „Bares für Rares“ gehen können. Das Alter lässt sich ziemlich gut eingrenzen. Der Käufer hat hier noch mit D-Mark bezahlt. Die Herstellung erfolgte an einem Ort mit fünfstelliger Postleitzahl. Dieses Objekt kann folglich nur aus den 90er Jahren stammen!
In meinem grenzenlosen Optimismus wollte ich ihn ausprobieren. Ich hatte ja keine Alternative.
Leider habe ich in meinem Garten kein Auto herumstehen, sodass der Betrieb über einen Zigarettenanzünder einen weiteren Nachteil darstellte.
Mein Vater hatte auch hier wieder eine Lösung parat. Diese führe ich hier nicht genauer aus – das sollte man nämlich nicht nachmachen!
Der Kompressor konnte dann doch über die Steckdose Strom beziehen.
Leider hat auch hier kein Ventilaufsatz gepasst. Wir lassen uns nicht demotivieren!
Ausprobiert – und der Kompressor lief gar nicht so schlecht. Man hat gesehen, dass etwas Luft in die Kammern eingefüllt wird. Nur leider lief er nicht lange.
Nach etwa zwölf Minuten fing der Kompressor an, komisch zu riechen. Die Ursache war schnell klar: das Ding war glühend heiß.
In der Anleitung, die man selbstverständlich erst nach der Inbetriebnahme aufschlägt, war dann auch nur eine Laufzeit von zehn Minuten angegeben. Gut zu wissen.
Ich habe noch nicht aufgegeben – und warte einfach ein paar Minuten.
Und noch ein paar Minuten mehr. Gut, über 30°C in der Mittagshitze sind vielleicht nicht die beste Voraussetzung für eine zügige Abkühlung.
Damit er beim nächsten Mal länger läuft kam die glorreiche Idee auf, den Kompressor auf einen kühlenden Untergrund zu stellen. War es meine Idee?
Das habe ich dann gemacht – ich habe ihm einen wohligen Umschlag aus Eiswürfeln gebaut. Eine Nominierung für den Darwin Award nehme ich gerne an.
Nicht nachmachen! Hat eh nichts gebracht.
Dieses Vorhaben war also begraben.
„Warum hast du nicht den großen Kompressor mitgebracht?“
„Der bleibt in der Garage. Und den hätt‘ ich net aufs Fahrrad gebracht…“ und hätte das Auto nehmen müssen, sodass ich aber keinen in der Kneipe zwitschern kann?
„Verstehe.“
Ich habe dann meine eigene Lösung gesucht.
Das Becken war nach etwa einer viertel Stunde aufgeblasen.
Meine Mutter war nicht begeistert, von meinem Brennen in der Lunge und den Sternchen vor meinen Augen zu hören. Soll nicht gut sein. Notiert. Also, nicht nachmachen!
Auch das Problem der Wasserversorgung habe ich lösen können.
Den Schlauch von der Aquarien- und Regenrinne mit der Schelle an den Wasserhahn im Gäste-WC anschließen, das klingt doch nach einem Plan. Ich habe mir nur beim Öffnen der Schelle mit dem Schraubenzieher den Finger ausgespießt und den 50 Meter langen Gartenschlauch quer über das Grundstück verlegt. Ich habe also Schweiß und Blut gelassen - und wurde schließlich belohnt.














