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“Der Rausch” (Another Round) at Kino International, Berlin
Oscar-Talk 2021
Julia & Lisa nehmen sich die Academy Awards in Zeiten der Pandemie vor. Dabei legen die beiden eine besonderes Augenmerk auf Alexander Nanaus Dokumentation “Kollektiv” zum verheerenden Brand in einer bukarester Disco 2015 und die Machschaften von Politik und Unterwelt, hinter dieser Tragödie. Ebenso spricht man das Black Panther-Drama “Judas and the Black Messiah” und über den cinephilen “Mank”…
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Another Round (O-Ton)...
...lässt vier vom Leben ermüdete Lehrer die Theorie testen, ob wir wirklich alle mit 0,5 Promille zu wenig Alkohol im Blut geboren wurden, um unser Potential voll ausnützen zu können. Regisseur Thomas Vinterberg zeichnet eben diesen Selbstversuch, dessen Folgen von Anflügen überbordenden Esprits bis hin zu kleineren und großen Katastrophen reichen, mit unglaublich einfühlsamem Blick, welcher sich in keinem Moment auch nur eine Idee für Moral und Didaktik zu interessieren scheint, sondern ausschließlich für das von Edelmimen wie Mads Mikkelsen gegebene Innenleben seiner Protagonisten. Das führt dazu, dass “Another Round” die ehrlichste, zutreffendste und berührendste Auseinandersetzung mit dem tief in unsere Gesellschaft verwobenen Thema Alkohol ist, die ich kenne. Erkennbar Liebeserklärung und Abrechnung zugleich, zeigt der Film punktgenau auf, welche gesellschaftliche Bereicherung er sein kann und welche Probleme er manchmal erzeugt, manchmal auch nur offenlegt, wobei “Another Round” nie verschweigt, dass es am Ende immer auch Menschen gibt, die der Rausch vernichten wird. Diese Diskrepanz der Blickwinkel wird von Vinterberg nicht nur ausgehalten, sondern ganz bewusst eingesetzt, um exemplarisch die vielen Widersprüche des Lebens aufzuzeigen und zu feiern. Und spätestens wenn Mikkelsen am Ende das tut, was ich mir seit vielen Jahren von ihm wünsche und tanzt, als wären wir sonst verloren, spätestens in diesem bittersüßen, traurigen, frohen, verzweifelten, hoffnungsvollen, ekstatischen Moment wird klar, dass der internationale Titel “Another Round” sich eben nicht nur als Aufforderung an den Kneipenwirt sondern auch als Leitmotiv dieses wunderschönen Filmes versteht.
Meine persönlichen Erfahrungen mit Alkohol reichen von nicht ungefährlichen Phasen des Absturzes, aus denen ich nur durch jahrelange Komplettabstinenz herausfand, zu wunderbar berauschten Abenden, welche ich noch heute tief im Herzen trage. Ich habe geliebte Menschen durch den Alkohol gefunden und an ihn verloren. Ich wünschte manchmal, es gäbe ihn nicht und möchte mir ein Leben ganz ohne ihn nicht vorstellen. All diese Geschichten, Eindrücke, Ambivalenzen sind in “Another Round” drin, was ihn nicht nur zu einem der persönlichsten Filme macht, den ich seit langer Zeit sah, sondern auch zu einem, von dem ich sehr persönlich angesprochen und berührt wurde.
Ein Geschenk.
D.C.L.