Der Vater meines Freundes klagt, dass er seine Tonbänder nicht auf CD überspielen kann, das gebe es einfach nicht, den Anschluss dafür. Ich frage, ob ich mir die Rückseite des Tonbandgeräts mal ansehen darf, weil ich mir das nicht vorstellen kann. Das Tonsignal muss ja irgendwie aus dem Gerät rauskommen, warum soll man es also nicht in ein digitales Aufnahmegerät hineinbringen können?
Nein nein, sagt der Vater, nicht nötig, das gibt es einfach nicht, er hat schon gesucht. Wie sich herausstellt, meint er damit, dass man kein Gerät kaufen kann, das Tonbänder liest und CDs brennt. Die Beauftragung eines darauf spezialisierten Anbieters ist auch keine Option, weil prohibitiv teuer, 50 Cents pro Tonbandminute.
Wir schildern die Möglichkeit, ein Adapterkabel zu kaufen und Gratissoftware zu verwenden, und rechnen aus, wie wenig Geld der Festplattenplatz für 80 sechsstündige Tonbänder und 200 Kassetten kosten würde, Das geht aber auch nicht: “Dann müsste ich ja im Computerzimmer alles umbauen!” Das Computerzimmer ist weder sehr klein noch das Tonbandgerät sehr groß. Die Begründung endet damit, dass bei dieser undenkbaren Umbauaktion ja auch die Gardinen abgenommen werden müssten, wozu die Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sei.
Wir machen dann noch ein bisschen stumm den Mund auf und zu, aber aufgrund von Altersweisheit nicht lange. Später sind wir uns unter vier Augen einig, dass eine Technikdiskussion, die bei extrem entlegenen Argumenten angekommen ist, eigentlich ganz günstig verläuft. Man kann dann das Thema wechseln und den weiteren Nachdenkprozess abwarten.
Trotzdem lehnen wir in den nächsten Tagen gelegentlich, wenn die Eltern nicht zuhören, Vorschläge mit der Begründung ab, dazu müssten ja die Gardinen abgenommen werden. Denn es ist ein sehr gutes Argument, das überall passt.