Mehr oder weniger (ernsthaft) gefordert und mehr oder weniger begründet, bleibt Anerkennung in bloßer Natur undenkbar, gleichgültig, ob es sich um erste oder zweite Natur handelt. Einem Zustand zweiter Natur, in dem alles seine eigentliche Bestimmung erhalten hätte, wäre Anerkennung ebenso fremd wie einem Zustand erster Natur, in dem das Seiende nichts anderes wäre als eben dieses oder jenes Seiende. Zu einem Anerkennen kommt es erst, wenn Natur sich öffnet und zu einem anderen wird, zur Kultur; ein Anerkennen gibt es aber so lange nur, wie Kultur sich nicht schließt und ihrerseits zu einem anderen wird, zur zweiten Natur. Hat Anerkennung also keinen eindeutig bestimmbaren Ort, weil das Anerkennen stets in einem Zwischen stattfindet; liegt genau darin der Sinn der Rede, die es mit einer Forderung in Zusammenhang bringt, dann muß man auch annehmen, daß sich allein jenes anerkennen läßt, was in gewisser Weise undurchsichtig ist und sich dem Verständnis oder der Erkenntnis widersetzt, jenes, was sich selbst vergessen kann. Kein Anerkennen ohne Selbstvergessenheit. Anerkanntes und Erkanntes fallen nicht zusammen.