Zum Anfang gehts ein paar Monate zurück…
Unser wildes Abenteuer startet am 23.09.22. Ich, w27 lebe mit meinem Mann, m33, und unserem Hund (8) gemeinsam in einer drei-Zimmer-Wohnung irgendwo in Westbrandenburg.
Ich bin hochschwanger und wir haben knapp 34 Grad im Schatten - schon seit Wochen sind Dinge wie Fußnägel schneiden, Beine rasieren und Staubsaugen zu Dingen der Unmöglichkeit geworden. Dinge, die mir runterfallen bleiben einfach liegen und verschwinden für mich gedanklich im Nirvana. Mein Körper hat keinen Bock mehr. Das Baby soll endlich kommen. Tatsächlich tut sich aber… gar nichts. Ich bin mittlerweile sauer. Viele Mitschwangere haben ihre Babys schon. Nur bei mir scheint es so zu sein als wolle unser Baby für immer in meinem Uterus wohnen.
Nachmittags fragt der Mann ob ich mitkommen will um mit dem Hund spazieren zu gehen. Wir haben zu dem Zeitpunkt noch 26 Grad. Widerwillig stimme ich zu und quetsche mich in meine kaum noch passenden Schuhe.
Wir laufen los und unterhalten und ewig über alles mögliche - die anstehende Geburt, ob wir eventuell nochmal umziehen müssen und wie der Hund das wohl alles wegstecken wird. Gerade laufen wir über eine Straße als ich plötzlich das Gefühl habe, mir einzupinkeln. Ich bleibe stehen. Der Mann fragt, was los sei. „ich glaube, mir ist gerade die Fruchtblase geplatzt.“ sage ich. Seine Antwort: „echt jetzt?“.
Ja, echt jetzt! …Glaube ich zumindest. Hab das vorher auch noch nie erlebt, kann also wenig aus Erfahrungswerten ziehen.
Zuhause angekommen mache ich einen PH-Test. Das Prinzip ist einfach: Teststreifen auf die Flüssigkeit legen, Grün bedeutet Fruchtwasser, alles andere vermutlich Urin. Mein Teststreifen wird türkis. Verwirrung macht sich breit. Anruf im Kreißsaal - Kurzfassung: wir sollen bitte vorbeikommen.
Das Krankenhaus ist eine Stunde entfernt. Im Auto ärgern wir uns, weil es vermutlich falscher Alarm sein wird und wir dann nochmal eine Stunde zurück fahren dürfen.
Wir kommen im Kreißsaal an und die Hebamme macht einen PH-Test. Nach 5 Minuten warten kommt das Ergebnis: Negativ. Ha! Wusste ich’s doch! Baby bleibt für immer in mir. Die Hebamme sagt, dass zur Sicherheit immer noch ein zweiter Test gemacht wird. Mein Mann und ich sind genervt. Der Hund ist alleine zuhause, was er gar nicht toll findet und wir planen, was wir nachher zu Abend essen wollen.
Nach 20 Minuten kommt die Hebamme wieder: „Also mit Ihnen ist es ein bisschen merkwürdig!“
„Holen sie mal bitte die Kliniktasche ihrer Frau. Der zweite Test war positiv, wir würden sie gerne hier behalten.“
Ich verfalle in eine kurze Schockstarre. Mir wird gerade zum ersten Mal richtig klar, dass ich bald Mama werde. Im Gespräch mit der Ärztin wird mir abends noch erklärt, dass ich (sofern die Wehen nicht von selbst einsetzen) am nächsten Tag eingeleitet werden soll. Außerdem erhalte ich alle 12 Stunden intravenös Antibiotika damit sich keine Infektion breitmacht. Der Mann fährt wieder nach Hause und ich bleibe allein im Krankenhaus. Trotz der Aufregung schlafe ich sehr gut.