30. Mai 2019
Erstkommunionstechnik
Die männlichen Verwandten – und, soweit ich sehen kann, nur die – betrachten die wichtigen Teile der Erstkommunion durch ihre Geräte. Überwiegend sind das inzwischen Handykameras, die Betrachtung verläuft daher geräuschlos und auch ohne Blitzlicht. Letzteres liegt vielleicht daran, dass die Kameras intelligenter geworden sind als ihre Besitzer, stelle ich mir vor.
“Wir haben ja früher beigebracht bekommen, dass man in der Kirche weder Kaugummi kauen noch die Hände in die Taschen stecken darf”, sage ich zu meiner Nachbarin, “wenn es Handys gegeben hätte, wären die sicher auch verboten gewesen.” Dabei betrachten wir beide einen Mann, der mit dem Handy fotografiert oder filmt und dabei Kaugummi kaut. Dann steckt er das Handy und seine Hände in die Hosentaschen! Die Nachbarin und ich sind uns einig, dass er für diese Dreierkombination nachher direkt am Ausgang der Kirche von Satan mit der Gabel abgeholt wird.
Als die Kommunionkinder die Kirche verlassen, profitiere ich aber doch noch vom neuen sündhaften Gebaren. Ich sitze nämlich in der vorletzten Bank auf der Empore, von wo man nicht mal den Pfarrer sieht, von den Kommunionskindern ganz zu schweigen.
Aber auf dem Handybildschirm des Herrn vorne an der Brüstung kann ich alles gut erkennen.
(Kathrin Passig)














