Kann jeder extrovertiert werden?
Es gibt sie auf Parties, im Geschäftsleben und selbst im Zug: Menschen, die scheinbar immer etwas zu sagen wissen und keinerlei Probleme damit haben, eine Unterhaltung zu beginnen.
Beneidet werden sie oft von jenen, denen rein gar nichts für einen lockeren Gesprächsbeginn einfallen mag. Ihnen kommen Bemerkungen zum Wetter ebenso sinnlos vor wie die Frage auf einer Party, woher man den Gastgeber kenne.
Introvertierte und Extrovertierte scheinen sich in verschiedenen Welten zu bewegen. Dabei kommen viele in sich gekehrte Menschen eigentlich gut damit zurecht und werden höchstens von anderen darauf hingewiesen, doch etwas kontaktfreudiger zu sein.
Was aber, wenn Kontaktfreude gefordert wird und beruflich unerlässlich ist? Besteht die Notwendigkeit aus sich herauszugehen, stellen sich Introvertierte häufig die Frage, ob jeder extrovertiert werden kann.
Introvertiert vs. extrovertiert
Eine einfache Unterscheidung zwischen beiden Persönlichkeitstypen ist die Neigung der Introvertierten, viel mit sich selber auszumachen und grundsätzlich viel nachzudenken. Dies nicht nur im Sinne der Erfassung von Zusammenhängen und Reflexion, sondern auch in Bezug auf ihre Außenwirkung. Menschen, die stark nach innen gewandt sind, sind oft unsicher im Umgang mit anderen, weil ihnen die Spiegelung durch Dritte fehlt und sie jedem Kontaktversuch eine größere Bedeutung beimessen als dies Extrovertierte tun, die darin äußerst geübt sind.
Der Extrovertierte ist von Natur aus mitteilsam. Er spricht zumindest genauso gerne direkt über Dinge, anstatt sie vorher zu durchdenken. Im nahezu ständigen Austausch mit anderen schwindet der einzelne Kontaktversuch in seiner Bedeutung hinsichtlich der ‘Gefahren’, dass etwas missglücken könnte.
Nun heißt eine allgemeine Regel der Übung, dass Häufigkeit und Wiederholung auch ursächlich für den Erfolg sind. Extrovertierte üben ständig und haben damit eine hohe Erfolgsquote an flüssigen Gesprächen, aus denen sich durchaus wertvolle Kontakte ergeben können.
Wie geht man auf Leute zu?
Die vielleicht größte Hürde für einen Introvertierten beim Kontaktversuch mit anderen ist die Unsicherheit, falsch wahrgenommen zu werden. Angst, aufdringlich zu sein ist ebenso weit verbreitet wie die Sorge, das Gespräch könne nach einem Satz zum Stocken kommen.
Damit muss der Fokus weg von sich selbst hin zur Sache gelenkt werden. Gesprächsthemen, für die der Introvertierte eine wirkliche Leidenschaft empfindet, eignen sich am besten. Begeisterung ist ansteckend und schafft eine positive Atmosphäre, in der persönliche Eindrücke nicht alleine im Fokus stehen.
Die unangenehmsten Dinge müssen jeden Tag angegangen und geübt werden. Gespräche mit Fremden sind unbehaglich? Also müssen wir Fremde nicht nur einmal im Monat, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, ansprechen, sondern täglich und bei jeder Gelegenheit. Nur so wird es zur Gewohnheit und man verliert die Scheu.
Ebenso ist das Grüßen von Fremden eine gute Übung. Trainiert wird die Wahrnehmung, der Augenkontakt und die verbale Kontaktaufnahme. Durch die ständige Wiederholung erscheint es schnell weniger befremdlich, auf andere zuzugehen, selbst wenn wir keinen Grund für den Kontakt haben.
Beschäftigt sein im beruflichen Sinne erfordert in vielen Fällen Kontakte. Wir fragen nach Hilfe, bieten diese an und involvieren andere, um unsere Aufgaben zu bewältigen. Je geschäftiger wir sind, desto weniger Zeit bleibt zum Nachdenken über eigene Befindlichkeiten. Die Sache muss erledigt werden und steht daher in diesem Moment über uns.
Hartnäckigkeit zahlt sich nicht nur im Verkauf aus, sondern auch wenn wir bei uns selbst eine Veränderung bewirken wollen. Es ist unerlässlich, diese Verhaltensweisen bei jeder Gelegenheit einzusetzen und sich im Kontakt mit Menschen ebenfalls hartnäckig zu zeigen, um den Umgang mit Zurückweisung und Kommunikation zu trainieren.
Die eigene Prägung abzuschütteln wird uns nicht gelingen, doch mit Beharrlichkeit lassen sich Veränderungen erzielen. So können Introvertierte lernen, sich der jeweiligen Situation anzupassen und dort aus sich herausgehen, wo es von ihnen verlangt wird.
Wichtig ist die Einsicht, dass es möglich ist, die Scheu zu verlieren und situationsgebunden zu agieren, ohne sich selbst zu verleugnen. Die perfekte Nachahmung des Kommunikationsstils eines Extrovertierten ist gar nicht wünschenswert und wird auch niemals dem Stil eines Introvertierten entsprechen.
Für Anregungen jedoch lohnt sich die Beobachtung.
Fällt es Euch schwer, auf andere zuzugehen oder steht Ihr automatisch im Mittelpunkt jeder Party?