Sommer 2016
Beobachtungen zur Urlaubstechnik in Frankreich
Ein paar Wochen vor dem Urlaub fange ich an, mein Französisch zu polieren. Den vorletzten Hype im Redaktionschat nachvollziehend, installiere ich mir Duolingo. Am Tag vielleicht zehn Minuten üben – die Ergebnisse sind erstaunlich; ich komme mir in Frankreich deutlich weniger sprachlich hilflos als sonst vor.
Das erste Mal seit Jahren gibt es keine Internetprobleme: Einmal einen Account einrichten, beliebig viele Geräte gehen darüber im Hotel-WLAN online. Und das sogar zu sehr akzeptabler Geschwindigkeit von verläßlich 500 Kbit/s. (Die Jahre vorher: in Spanien sehr teuer für nur ein Gerät, in Holland reichte das Netz nicht bis ins Zimmer, an der deutschen Ostseeküste gab's gar kein WLAN.)
Am Strand zeigt das Telefon ein Wifi namens »Free Wifi« an. Free Wifi scheint auf französisch nicht das zu bedeuten, was ich annehme. Dafür funktioniert das Inklusiv-Roaming meines regulären Vertrages wunderbar.
Die bewährte Navigation per Google Maps scheitert an Sprachbarrieren: Mit einem auf deutsch eingestellten Android-Gerät in Frankreich findet Google Maps weder auf deutsch Supermärkte (Suchwort »Supermarkt«) noch mit diversen französischen Varianten (»supermarché«, »épicerie«), auch das Icon für Lebensmittelhändler tut nicht. Wie früher müssen wir von Hand über die Karte zoomen, um herauszufinden, wo der nächste Supermarkt ist.
Reden wir nicht über Webseiten französischer Restaurants.
Schecks sind völlig normal. Im Supermarkt gibt es neben der Kasse für Menschen mit Behinderung und Schwangere Selbstscan-Kassen (die dennoch sehr betreuungsintensiv sind) sowie eine Kasse nur für Bargeld, eine weitere nur für Schecks und Kartenzahlung.
Das Navigationssystem leitet uns zu einer Tankstelle – was das Navi nicht weiß: Es ist eine Selbstbedienungsanlage, Zahlung nur per Karte. Wir schieben die erste Kreditkarte ein – das Display springt sofort auf deutsch um. Hilft allerdings nichts, die Karte wird nicht akzeptiert. Drei verschiedene Karten später (Maestro, Visa, Maestro einer anderen Bank, Mastercard) geben wir auf und navigieren zur nächsten (bedienten) Tankstelle.
Im Hafenmuseum von Dunkerque dasselbe Bild wie in der Bonner Bundeskunsthalle: Wo man noch vor kurzem Beamer erwartet hätte, stehen jetzt durchweg riesige Flachbildschirme.
Samstags geben wir den Mietwagen zurück, die Filiale ist in einem Hotel. Wir sollen laut Anweisung den Schlüssel an der Rezeption abgeben. Dort schickt man mich doch zur geschlossenen Filiale. Ich werfe den Schlüssel in den Schlüsseltresor, kaum draußen trifft eine Mail ein: »Sehr geehrte Mieterin, sehr geehrter Mieter, wir bestätigen Ihnen, dass der Schlüssel […] in unseren Schlüsselrückgabe-Safe eingeworfen wurde.«
(Felix Neumann)







