Der Müll, vorm Rathaus, der zur Anzeige führt, nicht weil er da steht, nicht für die, die ihn weggeworfen haben. Sie ist für die, die ihn eingesammelt haben, als Statement, durch die Straßen der Stadt gezogen, Müll anderer Leute zusammen gesammelt. Achtlos hingeworfen, achtsam eingesammelt, vors Rathaus gestellt. Mit Masken und Abstand, daneben gestanden, eine Handvoll, Jugendlicher. Auf alles geachtet, auf das sie achten sollen, kommt die Polizei, zeigt sie an.
Ein Ring, in derselben Stadt, kein Ring am Finger, ein Straßenring, dessen Zentrum das Rathaus mit dem Müll davor ist. Der Müll in der Mitte des Ringes ist längst weg, schon irgendwie auch vergessen, der Ring aber aktuell spazierend begangen, von mehreren Paar Füßen, zusammen im Pulk, ab und an unterbrochen zwischendrin von kleinen Grüppchen, aber okay ist das gerade nicht, man lässt sie erst mal etwas spazieren ohne Masken, den Ring entlang, irgendwann wird’s aufgelöst. Anzeige gegen unbekannt, mehr passiert nicht.
#mütend, zugegebenermaßen irgendwann, jedem passiert, aber sich doch zusammen reißend, das ganze Geschehen, beobachtend, hinter dem ein oder anderen Fenster, in einer Häuserwand, die der Szenerie spaliersteht. Steht ein Mensch aus einem Haushalt, im Bemühen an das Wellenbrechen, obwohl kein Surfer, trotzdem Surferjargon benützend, ein Jahr schon Freunde aus der Ferne nur über den Bildschirm gesehen.
Und spontan keine Lust mehr haben, beim Beobachten der Szenerie, dass das Fenster zur Welt, sich nur noch auf ein paar Zoll reduziert hat. Es sind schöne Stunden, die man digital erlebt, versucht einen Kneipenabend zu simulieren, man macht Witze, stößt gemeinsam an und schaltet dann irgendwann das Notebook aus.
Wo früher sonst noch ein gemeinsames Stück wankender Weg nach Hause war, ist heute schwarzer Bildschirm.
Die gemieteten vier Wände, schon oft abgegangen, jeden Schritt gezählt, versucht die Zeit zu füllen, neuen Zeitvertreib gefunden, mal neues für sich entdeckt, mal entdeckt, dass manches neues nichts für einen ist.
Trotzdem war`s nur ein Zeitvertreib, zum Vertreib einer Zeit die stehen geblieben scheint, sich zieht, wie ein Kaugummi, einen dann doch niederdrückt, man sich morgens im Bett fragt, warum überhaupt aufstehen? Um in das wirre Gesicht dieser verschobenen Welt zu sehen?
Die Hoffnung treibt einen doch aus dem Bett, nicht mehr die Hoffnung, dass drei Wochen reichen, das alles vorbei ist, eine neue Hoffnung, auf ein minimales Stück Glück, zu finden in diesem neuen Tag, der so vielen anderen Tagen gleicht, sich aber doch in Feinheiten unterscheidet.
Am Ende allerdings steht der Mensch dann doch wieder am Fenster und schaut den Fußpaaren zu, die am Ring entlang spazieren, ein Ring, der kein Ring ist, den man am Finger trägt, sondern ein Straßenring.