November 2019 - Zum alten Fassl
Als der äußerst bescheidene und zurückhaltende Martin von Tour von seiner Bischofswahl erfuhr, soll er sich in einem Gänsestall versteckt haben, um der Wahl zu entgehen. Doch die Gänse hätten ihn durch das laute Geschnattere verraten und so fanden ihn die Bürger doch noch. - Seitdem müssen es die Gänse büßen"
So musste es auch dieses Jahr wieder dem Weißfedervieh an die Gurgel gehen und ein Gansl-Stammtisch stattfinden. Traditionen soll man nicht brechen, sagte zwar unser Bürgermeister Alex M. Fischer weise und richtig erst neulich beim Oktoberstammtisch, aber die Diskussion um Weide-, Bio-, Stopf-, Oderwasauchimmergansl machte uns einen Strich durch die Rechnung. Erstmals fand der geliebte Ganslstammtisch nicht im Blunzentstricker zu Ottakring statt, sondern in einem weit entfernten Lokal namens Zum alten Fassl. Das Fassl befindet sich im Herzen des fünften Wiener Gemeindebezirks, auch Margareten genannt und serviert durchaus preiswerte Weidegänse (16,90€). Erstmals musste der Stammtisch also den Wienfluss überqueren und in die südlich davon gelegenen Bezirke der Stadt reisen. Anreisetechnisch gab es da schon einige Probleme, welche sich auch in der Pünktlichkeit wiederspiegelten, jedoch fanden sich letztendlich doch alle im Fassl ein.
Das alte Fassl kann man in Bezug auf Ambiente, Authentizität, Atmospähre, Akkustik und Einrichtung schon ein bisschen mit dem Blunzenstricker vergleichen, auch wenn es ihm natürlich nicht ganz (ich erspare uns hier das Wortspiel mit dem Hauptgericht des Tages) das Wasser reichen kann. Die Tische sind leider etwas zu eng platziert, was vermutlich auf die hohe Beliebtheit des Lokals zurückzuführen ist. Das Fassl ist an diesem Abend extrem gut besucht gewesen und es schien als ob das jeden Tag so sei.
Die Gans - die Beilagen: Die servierte Gans war herrlich knusprig gebraten und doch zart zugleich, löste sich butterweich vom Knochen und schmeckte dadurch vorzüglich. Da das Auge bekanntlich mitisst, muss es hier leider bei der Präsentation der Speisen Abzüge in der Bewertung geben, denn auf Gemeinschaftsplatten kommt so ein Festmahl nun mal doch besser rüber als auf einzeln servierten Tellern. Leider war auch etwas zuviel Sauce auf den Tellern, sodass die guten, aber nicht überragenden Knödel (klassische Erdäpfelknödel ohne Fülle) und die Gans etwas mehr schwammen als nötig. Das Rotkraut wurde in Schüsseln für zwei Personen serviert (es hätte aber auch ruhig etwas mehr sein können) und schmeckte durchschnittlich. Leider hatte es keine Apfel,- oder Maroninoten in sich, was bei einem klassischem Festtagsrotkraut aber dann doch dazugehört.
Die Getränke waren durch die Bank in Ordnung. Biertechnisch gab es ein Helles oder ein Zwickl vom Fass. Etwas mehr Auswahl hätte dem Konsum sicher nicht geschadet.
Das Service war anfangs sehr schnell und relativ freundlich, was sich aber mit zunehmend voller werdendem Gastraum zunehmend verschlechterte und dadurch die Bestellfreudigkeit der Gäste hemmte. Es sollte auch erwähnt sein, dass wir von gefühlt zehn verschiedenen Kellnern bedient wurden, wodurch sich keine wirkliche charmante Beziehung zum Personal entwickeln konnte. (gezahlt wurde dann auch im Stehen am Ausgang des Lokals ).
Der Schnaps (vor allem das Lärcherl) war gut und auch preislich nicht über dem allgemeinen Durchschnitt angesiedelt
Bei den übrigen Speisen ist das Resümee nicht überragend, denn die Kürbiscremesuppe erhielt zweimal das Prädikat grauslich, bei anderen Gerichten hörte man ein “eh ok. Das “sehr gut, oder köstlich” fehlten aber leider im Gruppenecho an diesem Abend. Bekriteln muss man leider auch noch, dass die Hälfte des Stammmtisches mit dem Essen bereits fertig war, als die andere Hälfte ihr Essen bekommen hat.
Daher können wir abschleißend nur 7 1/2 von 10 Fassl vergeben, wobei das Urteil ohne die köstliche Gans wohl eher schlechter ausgefallen wäre.
Anwesend: Flo, Amber, Josef, Grüni, Julia, Amici, Gesa, Lexi, Ursi, Joni, MC, Thomas, Stefan, Alessa, Rosi, Alina, Richi, Angelina, Fav
https://www.zum-alten-fassl.at/