Wir stehen da, als hĂ€tten wir nie etwas gemeinsam gehabt. Ein paar Schritte nur und sie könnten den Abstand zwischen Sonne und Mond markieren. âEigentlich bist du mir egal.â Es klingt beinahe so unbeteiligt, wie es klingen sollte. Mir entfĂ€hrt dieses Lachen aus dem Hinteren des Rachen, das niemals als Lachen gedacht war. âSchön wĂ€rs.â Lauter und schĂ€rfer als gewollt, drĂ€ngt es sich durch das Lachen, das keines ist, hindurch und erschreckt mich selbst ein wenig. âSchön wĂ€rs.â Langsamer, leiser, fast sanft entgleitet es nochmal. Ohne Nachdruck, eher mit einem Fragezeichen versehen. Dieses tritt auf das âEigentlichâ zu, in seiner fast demĂŒtigen Haltung und ein paar Schritte wirken jetzt beinahe wirklich nur mehr wie ein paar Schritte. âNaja. Ist halt nicht so einfach dich zu vergessen.â Wie nebenbei fĂ€llt der Satz. Kein Zucken, keine Beteiligung von Gestik und Mimik, die Stimme so loyal wie der beste Freund. âDu solltest eben nicht an mich denken, wenn du eine andere vögelst.â Fast Ă€rgerlich entfĂ€hrt es mir. Zu schnell, ungefiltert, ohne Berechnung mitten in den Raum geschleudert, nimmt der Satz Fahrt auf und ich sehe ihn schon unkontrolliert am GegenĂŒber abprallen. Doch da reiĂt Ăberraschung die Augen auf, und ein Grinsen lĂ€uft von einem Mundwinkel zum nĂ€chsten und lĂ€uft weiter ĂŒber das ganze Gesicht und man könnte meinen, wenn man dahinter stĂŒnde, liefe es auch den Hinterkopf entlang. âDas hĂ€ttest du wohl gerne ...â Es klingt kaum ĂŒberheblich, fast nur ĂŒbermĂŒtig neckisch. Wie eine Prise Chilli schmeckt ein klein wenig Provokation nach. Der Krater, der bisher zwischen uns lag, zieht sich plötzlich wie frĂŒher um uns herum und fĂŒr eine Sekunde, sind wir von aller Welt abgeschnitten. Ein kurzes Verlangen, hinter die TĂŒr zu spĂ€hen, wird abgelöst von dem GefĂŒhl von Hitze. Die Insel wirkt mittlerweile klaustrophobisch klein. âNein.â Ein Wort. Alles ist gesagt. Der Krater verlĂ€uft wieder am richtigen Platz und die Insel wird zu Festland. Wir schwanken ein wenig im Seegang, als wir von ihr hinunter wanken, mit dem Wissen, dass man nicht durch TĂŒren tritt, fĂŒr die man den SchlĂŒssel verloren hat.