Opfer-Mentalität
In unserer Gesellschaft Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen ist abseits einer mentalen Opfer-Geschichte gar nicht so einfach. Nicht nur, weil es inzwischen fast 8 Milliarden Menschen gibt, sondern vor allem, weil jeder von denen unbedingt etwas vom Kuchen abhaben will. Fame und Reichweite sind inzwischen DAS Statussymbol schlechthin.
Wenn man es also nicht schafft, durch positive Beiträge, Leistungen oder Sympathie an Aufmerksamkeit zu gelangen, dann wird man halt Aktivist, Repräsentant einer ungerecht behandelten Gruppe oder Opfer von gesellschaftlichen Strukturproblemen. Immer banalere Mückenstiche werden dabei zu riesengroßen Theatern heraufbeschworen, oft nicht einmal von jenen, die davon betroffen wären, sondern von Wichtigtuern, die sich stellvertretend und moralistisch angegriffen fühlen.
Aber wie viele Probleme werden wir in 60 Jahren haben, wie unerträglich wird das Leben in dieser Gesellschaft sein, wenn wir heute schon von Vertretern oder Mitgliedern einer Opfer-Gruppe auferlegt bekommen oder auferlegen, welche Begriffe wir nutzen dürfen oder welche Witze besser nicht gemacht werden sollten?
Die Fähigkeit kontextbezogen und metaphorisch zu denken ist in dieser Gesellschaft völlig verschwunden, weil sie auch nicht erwünscht ist. Wozu soll man Fair und reflektiert reagieren, wenn man stattdessen auch seine Opfer-Identität stärken und sich so für besonders wichtig halten kann? Und wenn man für wahre Probleme nicht das Rückrat hat, reitet man eben auf Kleinigkeiten herum und macht den normalen Menschen mit normalen Sorgen das Leben schwer.














